«Die Heuchler!»

«Die Heuchler!», sagte mir ein Arbeitskollege, als ich das erste Mal eine Freikirche besuchte. Also beobachtete ich diese Christen sehr genau. Zugegeben, Heuchler gibt es unter ihnen. Solche gibt es aber auch im Skiclub, Jodlerklub und anderen Vereinen. Freikirchler reden oft von Liebe, verhalten sich aber leider nicht immer so. Sie sagen lauthals, dass sie mit dem Sex bis zur Ehe warten, vertun sich aber an mehreren anderen der Zehn Gebote. Die Liste der Schulden der Christen ist lang.

Als ich aktiver Christ wurde und christliche Konzerte besuchte, meinte ein Berufskollege auf dem Bau: «Pass auf, dass du nicht auch so ein Sektierer wirst.» Bin ich jetzt, als Pastor und jahrzehntelanger Missionar in Asien, ein Sektierer?

Sekten binden Leute an sich. Sie bestimmen mit starker Hand was richtig und falsch ist. Freikirchen und Landeskirchen dagegen, senden ihre Gottesdienstbesucher in die Welt hinaus, um Nächstenliebe praktisch zu leben. Christen ermutigen einander gegenseitig nach Gottes Werten zu leben. Gelingen tut das nicht immer. Denn Christen sind nicht perfekte Leute, aber sie wissen, dass sie für ihren Alltag Hilfe von ganz oben benötigen. Gott liebt nicht nur die fehlerlosen Leute. Fehlerlos? Dazu gehören wohl weder Sie noch ich. Wer nicht an Gott glaubt, sagt nach meinem Verständnis, dass er Gott nicht nötig hat. Das ist eine mutige Aussage!

Ist Christsein nur für gescheiterte Personen? Also nicht für die Erfolgreichen und Starken? Sie benötigen Jesus nicht, da sie angeblich keine Vergebung nötig haben. Da muss ich mich fragen, wer ist denn hier der Heuchler?

Christen sind Sünder, aber nicht alle Christen sind Heuchler. Ein Christ ist nicht jemand, der behauptet, er sündige nicht. In Wirklichkeit bedeutet Christsein aber einzugestehen, dass man ein Sünder ist.

09.07.2020 :: Philipp Schmuki

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