«Überall»

Als Kind dachte ich, dass Katastrophen immer an der Schweiz vorbeigehen. Man hörte von Erdbeben mit furchtbaren Folgen, doch das war weit weg. Man sprach von schlimmen Krankheiten und Seuchen, die viele Opfer forderten, doch die Schweiz betraf es nicht. In anderen Regionen der Welt war Krieg, der riesiges Leid auslöste, doch in der Schweiz blieb es friedlich. Irgendwie habe ich mich daran gewöhnt, dass praktisch alle grossen Krisen an der Schweiz vorbeiziehen.

Diesmal ist es anders. Man hörte vom neuartigen Coronavirus in China, aber es betraf uns nicht direkt. Doch nun sind wir mitten drin in einer der grössten Krisen der neueren Zeit. Wir alle spüren die Auswirkungen im privaten und beruflichen Leben. Keiner weiss wirklich, was noch genau auf uns wartet und wann das Leben wieder alltäglicher wird. Diesen Text schreibe ich eine Woche vor seinem Erscheinen und es ist unklar, was sich bereits wieder verändern wird in diesen sieben Tagen.

Letzthin sprach ich mit jemandem, der jeweils im Winter in wärmere Länder reist, um den kalten Temperaturen zu entfliehen. Doch beim Coronavirus ist auch das anders. Man kann ihm nicht entfliehen, kaum ein Land auf dieser Erde hat noch keine Ansteckungen. Zudem ist der Flugverkehr massiv eingeschränkt. Das Virus ist praktisch überall.

Doch nicht nur Viren haben eine weltweite Verbreitung, auch anderes. Die Bibel spricht davon in Psalm 139, 9: «Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äussersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.» Es gibt keinen Ort auf dieser Welt, wo wir nicht Gott begegnen können. Und es gibt keine Situation, wo er uns nicht nahe sein will. Egal ob isoliert zu Hause oder im Spitalbett, er ist ein Gebet weit entfernt und er möchte uns durch jede Situation hindurch begleiten.

02.04.2020 :: David Jany

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