Der Reiz der Könige

Queen Elisabeth II. hatte nach ihrem Tod eine rekordverdächtige Medienpräsenz. Kurz zuvor ging «King Roger» durch die Presse, nachdem er seinen Rücktritt als Profi-Tennisspieler bekannt gegeben hatte. Und noch vorher prägte der neue Schwingerkönig Joel Wicki die Schlagzeilen in unserem Land. Offensichtlich ziehen Könige die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich. Was macht ihre Faszination aus? Es ist wohl zunächst der Glanz von Macht, Reichtum und Erfolg.


Dieser Glanz fehlt den allermeisten Menschen. Sie schlagen sich mehr schlecht als recht durchs Leben, können keine grossen Erfolge vorweisen und sind weit weg von einflussreichen Posten. Was für ein Kon­trast ist demgegenüber das ­Leben der Royals, wie es in den Hochglanzmagazinen abgebildet wird! Allerdings frage ich mich, ob dieses Leben im Schaufenster der Öffentlichkeit wirklich erstrebenswert ist.


Die Jahreszeit des Erntedanks lädt dazu ein, dankbar zu sein für das, «was wir sind und haben», wie es in einem schönen Tischgebet heisst – auch wenn die grossen Erfolge ausbleiben und wir zum einfachen Mittelmass gehören. 

Wir dürfen dankbar sein für unser Leben, weil Gott uns annimmt, wie wir sind. Die Würde der Kinder Gottes ist nicht zu übertreffen.


In der katholischen Taufliturgie gibt es in diesem Zusammenhang das schöne Ritual der Chrisamsalbung: Dem Kind wird ein dreifaches Kreuz mit dem geweihten Öl auf die Stirn gezeichnet. Mit Bezug auf einen jahrtausendealten Brauch wird so zum Ausdruck gebracht, dass wir einfache Menschen, sogar kleine Kinder, von Gott die Würde von Königen, Priestern und Propheten zugesprochen erhalten: Für Gott sind wir wertvoll wie Könige, Zeugen des Glaubens wie Priester und dazu berufen, uns für eine gerechte Welt einzusetzen wie seinerzeit die Propheten. Was wollen wir noch mehr!

29.09.2022 :: Urs Corradini (cus)

Weitere Artikel