«Das ist das Ende – für mich der Anfang»

Viele kennen das Lied «Von guten Mächten wunderbar geborgen...» Doch zu wenigen ist bewusst, wer es geschrieben hat, und in welcher Situation. Es war der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer. Lange, bevor er in die Todesmaschinerie der Nazis geriet und dann hingerichtet wurde, erkannte er mit einer beispiellosen Hellsichtigkeit die
Irrwege der damaligen Gesellschaft, die in den Tod führten. Gewiss, die Auseinandersetzung mit der menschenverachtenden und widergöttlichen NS-Ideologie, die er als Dienst am Tod sah, hatte seinen Blick noch zusätzlich geschärft. Ich bin überzeugt, dass seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen heute noch topaktuell sind. Hier einige ­seiner beherzigenswerten Gedanken:

Das Wunder der Auferstehung Christi hebt die Vergötzung des Todes, wie sie unter uns herrscht, aus den Angeln.

Christus trägt die neue Menschheit in sich, das letzte herrliche Ja Gottes zum neuen Menschen.

Zwar lebt die Menschheit noch im Alten, aber sie ist schon über das Alte hinaus, zwar lebt sie noch in einer Welt des Todes, aber sie ist schon über den Tod hinaus, zwar lebt sie noch in einer Welt der Sünde, aber sie ist schon über die Sünde hinaus. Die Nacht ist noch nicht vorüber, aber es tagt schon.

Ja, das sind keine nichtssagenden, erbaulichen Betrachtungen, das sind Worte des Glaubens, der Hoffnung, die Dietrich
Bonhoeffer mit seinem Leben bezahlt hat, weil die Diener des Todes solche Worte des Lebens nicht ertrugen. Als er am 9. April 1945 – einen Monat vor der
Befreiung durch die Alliierten – zur Ermordung (Hinrichtung) geführt wurde, sagte er zum ihn begleitenden Wächter: «Das ist das Ende – für mich der Anfang!» Gott schenke uns allen etwas von diesem wahrhaft
österlichen Glauben.

15.04.2021 :: Rudolf Vogel