«Beim Tanzen gehts uns um den Spass»

Durch das Kirchgemeindehaus in Langnau klingt am Donnerstagabend Streetdance- und Hip-Hop-Musik. Im Kellergeschoss trainiert die Tanzgruppe «roundabout». Diese ist ein Angebot für Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen acht und zwanzig Jahren. Mit dabei sind auch die 15-jährige Lia Steffen und die um ein Jahr jüngere Alina Bieri. Die beiden Freundinnen aus Langnau sind konzentriert bei der Sache und kommen bei den vorgegebenen Tanzschritten und Bewegungsabläufen ordentlich ins Schwitzen.

Musik hat grossen Stellenwert

«Mir gefällt tanzen, weil es eine gute Sache ist. Alles, was mit Musik zu tun hat, liegt mir sehr», erklärt Lia Steffen mit Begeisterung. Alina Bieri tanzt schon, seit sie denken kann. «Zuerst machte ich Ballett, dann Zumba, und als dann in Langnau «roundabout» angeboten wurde, ging ich hin zum Schnuppern – und bin geblieben.» Bei beiden jungen Frauen hat Musik einen grossen Stellenwert im Leben. So besuchen sie nicht nur dieselbe Schulklasse, sondern auch die Musikschule in Langnau – Alina spielt dort Cello und Lia nimmt Gesangsstunden. Musizieren, Singen und Tanzen macht ihnen einfach Spass. 

Der beste Sport 

Auch wenn das Tanzen nach aussen hin leicht und locker wirkt, ist es alles andere als das. Eine so gute Tänzerin, wie es Alina Bieri und Lia Steffen mittlerweile sind, wird man nicht einfach so über Nacht. Ohne regelmässiges und intensives Üben geht nichts. Zeit und Geduld sind gefragt. Lia erklärt: «Beim Tanzen alles zusammenzubringen, ist ziemlich schwierig. Alles muss stimmen, die Choreografie, die Schrittabfolge, die Körperspannung, und dann sollte noch alles synchron sein.» Tanzen in der Gruppe ist damit mental und körperlich herausfordernd. «Es ist für uns der beste Sport», betonen die beiden jungen Frauen. 

So muss denn auch alles stimmen, wenn die Tanzgruppe einen Auftritt hat. Einmal im Jahr zeigen alle «round-about»-Gruppen im Kanton Bern ihr Können bei einem kantonalen Event. Das nächste Treffen findet bereits diesen Herbst statt. Damit beim Auftritt alles einwandfrei funktioniert, muss viel geübt werden. Neben dem Erlernen von Tanzschritten
und Choreografien, müssen die Tänzerinnen auch über Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und eine gute Kondition verfügen. Bei «round-about» gehe es aber nicht um Wettbewerb, Leistung oder das Erreichen von irgendwelchen Zielen, vielmehr würden die Freude am Tanzen, das gemeinschaftliche Erlebnis und die Vermittlung eines guten Körpergefühls im Vordergrund stehen, erklärt Lia Steffen. «Man macht es, weil es einem Freude bereitet. Hier bei uns ist immer eine tolle Stimmung und wir haben mega coole Leiterinnen, die immer für uns da sind und uns motivieren. Mit ihnen können wir über alles sprechen. So macht das Training automatisch Freude.»

Die jungen Frauen sind seit rund zweieinhalb Jahren Mitglieder von «round-about». In dieser Zeit haben sich nicht nur ihre Tanzschritte verändert, sondern auch ihre Persönlichkeiten. 

Tanzen als Lebensschule

«Zu Beginn waren wir ziemlich schüchtern. Durch das Tanzen haben wir gelernt, uns zu öffnen und uns zu zeigen», erklärt Alina Bieri. Dies fördere die Persönlichkeit. Für beide ist das Tanzen also auch eine Art Charakterschulung. Die durch das Tanzen erlernten Stärken können die zwei jungen Frauen schon bald gebrauchen; Lia wird in einem Jahr eine Berufslehre als Kauffrau in einem Notariat in Angriff nehmen, während Alina Mediamatikerin lernt. Beide freuen sich schon jetzt auf den neuen Lebensabschnitt. Das Tanzen soll sie dabei als Hobby auch in Zukunft begleiten.

17.09.2020 :: Christian Reber

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