Ein Poetry-Slam-Text mit starker Botschaft zur Gleichberechtigung

«Lüt ig chas euch säge, es isch so aschträngend es tamilischs Meitschi z’si. Zum Bispiu we mer es Fescht hei: D’Giele die chöi de eifach Hose u es simpus Hemli alege u d’Meitschi, di müesse de es längs Chleid mit riiiiesige Ohrepäich alege wo lenger si aus d Schlange bi McDonalds für es gratis Sunday Ice.» So beginnt der Text von Anamika Arunakaran, mit dem sie zuerst ihrer Klasse, dann ihrer gesamten Schule und schliesslich vielen Menschen in Bern eine wichtige Message mitteilte. Die Trubschacherin ist 14 Jahre alt und setzt sich für Gleichberechtigung zwischen Mädchen und Jungs ein. Durch einen Workshop an der Sekundarschule Langnau ist sie letzten Oktober zum ersten Mal mit Poetry-Slam (siehe Kasten) in Berührung gekommen. Obwohl es ihr erster Slam-Text war und Anamika Arunakaran von sich sagt, dass sie eigentlich gar nicht gerne vor Publikum auftrete, traf sie mit ihren Zeilen und ihrem Auftritt bei den Schulkolleginnen und -kollegen ins Schwarze. Sie gewann den Schulwettbewerb mit deutlichem Abstand und durfte damit am Finale der Berner Schulslams teilnehmen. «Ich war sehr überrascht, ich hätte eher gedacht, dass viele mein Problem mit der ungleichen Behandlung von Jungs und Mädchen nicht so ganz verstehen. Darum hat es mich sehr gefreut, dass ich an das Finale gehen konnte.» 

Diskussionen anstossen

«O generell, warum hei mer Lohnungerschiede zwüsche Ma u Frou? Warum müesse Froue nid ids Militär? Warum si Froue so unbeliebt ir Politik? U säget mir nid es isch haut eifach e so! Immr no: es isch nur e biologische Ungerschied!» In ihrem Text fordert Anamika Arunakaran Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, und das sowohl in tamilischen Familien als auch in der Sekundarschule Langnau, ja in der ganzen Gesellschaft. «Ein Slam sollte unterhaltend sein. Ich selbst bin nicht wirklich lustig. Meine Meinung kann ich aber gut vertreten, darum ist mir das auch nicht so schwer gefallen.» Seit ihrer ersten erfolgreichen Erfahrung im Poetry-Slam hat die 14-Jährige diese Tätigkeit nicht weiterverfolgt. Gegen unbegründete Unterschiede in der Behandlung von Jungs und Mädchen gehe sie aber weiterhin vor, indem sie an Familientreffen oder in ihrem Umfeld Diskussionen anstosse.

Auf die Sprache achten

«Man muss nicht viel tun, um etwas zu verändern, es reicht, wenn man zum Beispiel darauf achtet, was man sagt», meint die Schülerin. Statt zu rufen «ich brauche ein paar starke Männer», wenn man Hilfe beim Tragen benötige, könne man doch sagen «ein paar starke Leute». Dann wirke es nicht so, als wären nur Jungs stark und Mädchen könnten eh nicht helfen, meint Anamika Arunakaran. Es sei wichtig, kein Bild vom typischen Jungen und vom typischen Mädchen zu haben. Oder wie die Trubschacherin in ihrem Text sagt: «Oh Gott, es söu doch jede z’läbe läbe wie me wot, solang me angeri nid verletzt oder beläschtigt chas doch de angere egau si.» Für den Sieg an den Schulmeisterschaften in Bern hat es mit ihrem Text nicht gereicht. Trotzdem hat Anamika Arunakaran viel erreicht: «Ich glaube, dass ich mit meinem Text eine wichtige Message weiterverbreiten konnte, und das freut mich sehr.»

09.04.2020 :: Jana Wyss (wjk)

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