Unbekümmertheit bürgerlicher Politiker

Wen kümmern schon unsere gewesenen Landsleute, die über 6000 Covid-Toten und ihre Angehörigen? Vielleicht Gutmenschen. Sicher aber nicht unsere bürgerlichen Politiker. Sie rechnen, zusammen mit unseren Wirtschaftsverbänden ganz anders: mit Franken und Rappen, mit falschverstandenem Föderalismus, mit Eigenverantwortung und individueller Freiheit – ich meine Eigennutz und Eigeninteresse.

Sie legen sich quer gegen ehrliche Bemühungen und menschliches Engagement, obschon sie durch Erfahrungen, und auch Recherchen der ETH über die spanische Grippe, wissen oder zumindest berücksichtigen sollten, dass kurzfristig schmerzhafte Eingriffe weniger Leid und raschere wirtschaftliche Erholung versprechen. Statt dessen betreiben sie lauthals eine Verzögerungs- und Verunsicherungstaktik, mit Abwertung von Expertenmeinungen, falschen Warnungen vor «übertriebenen Massnahmen» oder fraglich rechtswidriger Unterwanderung bundesrätlicher Anordnungen. Aber es ist halt ein bisschen wie ihr amerikanisches Vorbild: Herr Trump kann sich ja schliesslich auch nicht noch um die Toten kümmern. Peter Kägi, Langnau

Vorweihnacht

Wir werden angehalten, Distanz zu halten, Masken zu tragen, die uns äusserlich auch ein Stück weit voneinander entfremden, uns ein Stück weit gesichtslos machen.

Und innen? Durch die Situation mit dem Virus erleben wir unsere Verletzlichkeit, wie fragil, wie zerbrechlich das Leben in Wirklichkeit ist. Darin sind wir uns alle gleich. Der Tod macht alle gleich. Und zwar rund um die Erde. Nicht Sprache, nicht Hautfarbe noch Einkommensklasse machen einen Unterschied für ihn.

Zuvor aber ist das Leben – leben wir es gemeinschaftlich noch vor dem Tod. Die Menschheit ist eine Familie. Tragen wir Sorge zueinander und zur Erde, die uns Heimat gibt.

Regula Pfenninger, Langnau

Die Agrarpolitik 22+ braucht es nicht

Gemäss Aussagen in der Agrarpresse vertritt Bio Suisse nach wie vor die Meinung, dass es die
Agrarpolitik 22+ jetzt brauche.

Meiner Meinung nach braucht es sie – auch aus der Optik eines Biobetriebes – überhaupt nicht.

Problematisch finde ich, dass die rückläufige Inlandproduktion herunterspielt wird. Der Import von weltweit herumgekarrten Nahrungsmitteln ist aus ökologischer Sicht verwerflich. 

Gemäss den Aussagen hätten sich die Betriebe rasch auf die AP 14–17 eingestellt. Das stimmt, denn die Landwirte müssen wirtschaftlich arbeiten und sich den Bedingungen anpassen, sie haben gar keine andere Wahl und müssen die Direktzahlungen «abholen». Das darf aber nicht als Argument gelten, dass man nun schon wieder alles total ändern könne.  

Bereits das heutige System ist kompliziert und administrativ aufwändig. Auf unserem Bio-Betrieb ist die jährliche Kontrolle unverhältnismässig teuer.

Wie schon oft erwähnt, sind die ökologischen, ökonomischen und gesellschaftspolitischen Zielsetzungen evolutiv im Rahmen einer periodischen, verhältnismässigen Anpassung des Landwirtschaftsgesetzes umzusetzen und nicht durch eine Grossreform.

Hans Schüpbach, Biembach


Hopp Schwiz

Gehören Sie auch zu denen, die bei Sportanlässen den Schweizerinnen und Schweizern die Daumen drücken? Recht so! Wir Schweizerinnen und Schweizer sind nämlich die besseren Menschen – das haben die beiden letzten Abstimmungen deutlich gezeigt: Über vierzig Prozent der aktiven Stimmbevölkerung sind unwohl bei dem Gedanken, dass Schweizer Produkte im Ausland töten, und gar die Hälfte will, dass «unsere» Konzerne in ärmeren Ländern nicht weiter Leben zerstören dürfen. Grossartig! – Grossartig? Hopp Schwiz!

Peter Gerber
Mooseggstrasse 33, Langnau

Intoleranz und Unvernunft

Täglich werden wir aufgefordert, uns an die Vorschriften wegen der Epidemie zu halten. 

Ein Gast, darauf hingewiesen, dass nur vier Personen an einem Tisch sitzen dürfen, verliess wütend das Restaurant, samt Bestelltem, ohne zu bezahlen. 

Leider haben wir erst als sich schon ein Hund an den Scherben verletzt hatte erfahren, wo das Kaffeeglas hingekommen ist. Liebe Leute, geniesst doch noch die kleinen Freiheiten und bleibt gesund.

Heidi Bracher und  das Jägerhus-Team, Gohl

Katholische Stände mit grossem Anteil

Die Konzernverantwortungs-Initiative, deren Ziel es war, durch skrupellose Konzerne unterdrückten und ausgebeuteten Menschen und vor allem Kindern zu helfen, wird durch das Ständemehr gebodigt. Dabei fällt auf, dass ausgerechnet die Hochburgen der katholischen Stände den grössten Anteil zu diesem Resultat beigetragen haben.

Das stimmt mich sehr nachdenklich und lässt bei mir einmal mehr grosse Zweifel an der Aufrichtigkeit der katholischen Kirche aufkommen.

Peter Moser, Kehrgässli, Langnau

Vom hohen Ross herab

Könnten wir uns auf den kleinsten moralischen Nenner einigen: «Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem an-dern zu», wären de facto alle übrigen Gesetze obsolet, auch die Konzernverantwortungsinitiative. Könnten wir uns auf die goldene Regel einigen, warum sollte sie nicht auch für ein Drittweltland gelten? Ist es dermassen überheblich «vom hohen moralischen Ross herab», wenn dieses Recht für alle eingefordert wird?

Bedenklich ist nicht, dass moralisches Handeln für alle in gleichem Mass gelten und das Nichteinhalten einklagbar werden soll. Bedenklich ist, dass sich Behörden und Politiker in einem Rechtsstaat gegen dieses Recht zur Wehr setzen und jene, die dieses Recht fordern, diffamieren und als arrogant und überheblich hinstellen! Moral ist ein Wert, über den sich lohnt nachzudenken und auch über die Konsequenzen, wohin es führt, wenn sämtliche Moral verloren geht. Leider gibt es derzeit sehr prominente Beispiele für unmoralisches Verhalten. Wollen wir diesen Beispielen nacheifern und skrupellos fordern: me first?

Hans Flückiger, Lützelflüh

«Wir tanzen auf unserem Sarg»

Zum Artikel «Ein Buch, das Mut machen will» in der «Wochen-Zeitung» vom 19. November.

Dieses Buch wird sicher grosse Aufnahme finden, denn gemäss der Beschreibung schmeichelt es dem menschlichen Herzen und verbreitet den Gedanken, es gebe unbegrenzten Segen von Gott und es bestehe keine Gefahr (gemäss Bibel, 1. Thessalonicher, 5,3). Dabei tanzen wir auf unserem Sarg und ignorieren die Tatsache, dass wir aufgrund unserer Unbussfertigkeit und Sünden (1. Johannes 3,4) in der Zeit von Gottes Zorn leben. Jesus sagte, der Weg zum ewigen Leben sei schmal und führe über den Gehorsam gegenüber seinem Wort. Aber selbst die Chris-
tenheit lehnt Christus ab, indem sie ihn als Gesetzgeber und Gott durch Missachtung des 4. Gebots und als Spender der Ehe durch Akzeptanz der Übertretung des 7. Gebots beiseitesetzt und anstelle dessen menschlichen Lehren anhangt. Gott ist nicht am Kreuz gestorben, um uns in unseren Sünden zu retten, sondern von unseren Sünden (Matthäus. 1,21). Seine Gnade, sein Segen besteht darin, dass er uns von unseren Träumen weg, zu seinem Wort hinführt und uns befähigt, sein Wort auszuführen: «…gehe hin und sündige hinfort nicht mehr». (Johannes 8,11).

Unsere Unbussfertigkeit, das Fehlen von Traurigkeit über die und Abkehr von der Sünde ist es, was Gottes Zorn auf uns zieht. Covid-19 ist erst der Anfang.

Fredy Hertig, Eggiwil