Misses Bean

Nach einem meiner Clown-Einsätze in einer Institution für Menschen mit Beeinträchtigung, wird mir bewusst, warum ich diesen Beruf gewählt habe. Sie werden es sicherlich auch bald verstehen können. Da ich regelmässig an diesem Ort arbeite, trage ich stolz eine persönliche Parkkarte bei mir. Doch beim Ankommen vor der Schranke bin ich etwas zerstreut und träumerisch und lasse dummerweise eine neue Parkkarte raus. 

Während der Arbeit, mit einer Ukulele und einem Quitschschwein ausgestattet, vergesse ich das Parkkarten-Dilemma voll und ganz. Nach dem bunten Arbeitseinsatz setze ich mich freudig ins Auto. Ich fahre zur Schranke, kurble das Fenster runter und stecke meine eigene Karte rein. Doch die Schranke bleibt zu. Dieses intelligente Ding hat doch tatsächlich gemerkt, dass ich nicht mit dieser Karte reingekommen bin! Ich bin beeindruckt.

Als ich im Rucksack nach dem anderen Ticket suche, um dieses zu zahlen, kommen mir Konfetti entgegen, doch keine Parkkarte. Jetzt habe ich wohl das Parkkärtli auch noch aus Versehen zu Konfetti verarbeitet. Ich werde leicht rot beim Gedanken, dass ich das eventuell schon bald dem technischen Dienst erklären muss. 

Jetzt kommt der entscheidende Unterschied zwischen mir, einer echten Clownin und irgendeiner anderen Person. Andere würden sich jetzt eventuell geschlagen geben. Doch eben nicht ich!

Zielstrebig steige ich aus. Ich stelle mich auf der anderen Seite hin und mache motorige Brummgeräusche. Ich will schliesslich das System überlisten! Ich stecke die Karte dann bei der Einfahrt rein. Siegessicher schaue ich auf die Schranke. 

Doch diese bleibt zu. Also brumme ich noch lauter. Nichts passiert.

Ungläubig will ich meine Karte wieder einpacken. Doch, ohalätz! Sie steckt fest! Nervös versuche ich sie mit den Fingerspitzen rauszuziehen. 

Ich bitte die Maschine um Verständnis. Ich flehe sie um Gnade an. Ich singe ihr schliesslich ein Lied: «Komm, komm kleine Maus, spuck das Kärtchen raus!» Selbst mit der Pincette funktioniert es nicht!

Als ich aufgeben will, kommt ein Engel  frei nach dem Motto: Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Es war eine sehr amüsierte Receptionistin, die mich wohl schon länger beobachtet hat. Die Parkkarte würde ich erst beim nächsten Mal wieder bekommen, aber die Schranke öffnete sie mir schon jetzt.

Mit einem siegessicheren Gefühl im Herzen, fahre ich los und denke dabei an ihn: «Glaub mir, Mister, ich bin sie: deine Misses Bean!»

25.05.2022 :: Fabienne Diessel-Krähenbühl

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