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Weniger ist mehr

Oft fragen mich Personen aus meinem Umfeld, wie viel Aufwand ich für mein Training betreibe. Mit Äusserungen wie «du trainierst sicher mehrmals am Tag» oder «solche Distanzen sind mit normalem Trainingsaufwand gar nicht machbar» geben einige schon ihr (Vor-)Urteil ab. Auch kürzlich im Trainingscamp in Spanien wurde mir bewusst, wie wichtig den anderen Athleten die Anzahl Stunden pro Woche oder die trainierten Kilometerzahlen sind. Unzählige Male wurde ich nach meinem genauen Trainingsaufwand gefragt, welchen ich nur schätzungsweise weitergebe, da ich keine Statistik führe. Nach nur wenigen Satzwechseln war mein Gegenüber meistens über mein eher tiefes Trainingsvolumen erstaunt. Klar muss ich für die sportlichen Ziele Zeit investieren und trainieren, aber ich kann – wie in so vielen Belangen – auch optimieren. 

Das Training ist ein Baustein im Gesamten. Andere Faktoren wie zum Beispiel der Mentalbereich, die Regeneration, das Material und die Ernährung sind weitere Bausteine und für mich als Ultra Triathletin genauso wichtig und entscheidend, ob ich einen Wettkampf erfolgreich «finishe».

Meine persönliche Situation gibt viele Strukturen vor und ein Trainingsumfang wie es meine Mitbewerberinnen betreiben, ist gar nicht möglich. Bestimmt kann das jede Familienmutter verstehen. Nun braucht es die Kunst, aus weniger mehr zu machen. Aber wie geht das? Ein Teil ist wohl kreatives Handeln. So kann ich den Weg zu Freunden mit dem Fahrrad oder zu Fuss zurücklegen – mein Mann meistert die Fahrt mit den Kindern im Auto auch ohne mich. Viel langsamer bin ich mit dem Fahrrad nicht und unsere Freunde stellen mir ihre Dusche jeweils gerne zur Verfügung. Weiter trainiere ich kurze intensive Einheiten, oft in Form von knackigen Intervalltrainings oder Trainingsrennen. Qualität statt Quantität.

Die letzten Jahre haben mich gelehrt, dass es in so manchen Bereichen Potenzial gäbe für «weniger ist mehr». Bei meiner Tätigkeit als Pflegefachfrau musste ich zunehmend mehr Büroarbeiten erledigen und alle Handlungen exakt notieren, so wollen es die Kontrollorgane. Diese Zeit fehlt dann für den eigentlichen Fokus – den Menschen. So ist auch hier die Kunst für die individuelle Umsetzung von Pflegetheorien in die Pflegepraxis gefragt.

Aber meistens fehlt wohl der Mut, weniger zu machen, weil «weniger ist mehr» nicht logisch erscheint. So sehe ich es positiv, dass momentan für «mehr» gar keine Zeit bleibt. In dieser Hinsicht ist meine Familie ein doppeltes Geschenk!

07.06.2018 :: Eva Hürlimann, Hasle

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