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Strassengeschichten

Wo sich Velos und Autos die Strasse teilen müssen, gibt es Krach. Wenn die einen die anderen dabei erwischen, wie sie etwas Verbotenes tun, dann glauben sie, die anderen zu besserem Benehmen erziehen zu müssen. Autofahrer machen das zum Beispiel, indem sie besonders eng überholen, und Velofahrer, indem sie sich Autofahrern in den Weg stellen. Oder wie ein besonders origineller Kollege, der, von einem Auto fast überfahren, bei der nächsten Ampel die Beifahrertüre des Autos öffnete und weiterfuhr.

Ich bin während meiner Trainingseinheiten an verschiedenen Orten unterwegs. Des Öfteren stelle ich fest, dass ich nicht immer willkommen bin. Mit dem Rennrad fahre ich oft auf Hauptstrassen und werde regelmässig von Autofahrern abgedrängt. Wenn ich Radwege benütze, gefällt das aber auch nicht jedem. So geschehen vor einigen Wochen, als mir auf einem offiziellen Radweg, welcher parallel zur Hauptstrasse verlief und den ich den Autofahrern zuliebe benützt habe, eine Familie entgegenkam. Ein Kind auf einem kleinen Fahrrad, ein grösseres Kind auf einem Skateboard und mit etwas Abstand die Eltern. Sie kamen den Kindern nicht nach. Das kleinere Kind war noch am Erlernen des Gleichgewichtes und so kam es, dass ich, nachdem ich die Geschwindigkeit bereits stark gedrosselt hatte, zum Stillstand kam und das Mädchen sicher durchliess. Für mich war es überhaupt kein Problem, kurz anzuhalten und der Familie den nötigen Raum zur Verfügung zu stellen. Beim späteren Kreuzen der Eltern schnauzte mich der gestresste Vater an und stellte mir die Frage, warum ich denn nicht die Strasse benütze. Tja, wegen Typen wie dir, die gestresst Auto fahren. 

Ein paar Tage später wich ich auf das Mountainbike aus. Als ich gemütlich durch den Wald kurvte, wühlte ich einen frei laufenden Hund auf. Der Hundebesitzer machte mich darauf aufmerksam, dass es in der Schweiz doch genügend Radwege gebe.

Ich dachte mir, ob ich nun ein E-Bike kaufen soll, damit ich mit zirka 50km/h zumindest innerorts nicht zum Hindernis werde? Aber dann nerven sich alle Leute, weil ich unberechenbar schnell unterwegs bin.
Alternativ könnte ich ja auch im Velodrome von Grenchen trainieren. Also mit dem Auto über eine Stunde hin- und herfahren und dort stundenlang im Kreis rumfahren. Da würde ich niemanden stören oder stressen… aber es würde wohl jeder denken, dass ich eine Schraube locker habe, wenn ich mich freiwillig in einer Halle statt in der freien Natur bewege.

27.09.2018 :: Eva Hürlimann ist Mama von drei wunderbaren Kindern und Ausdauersportlerin aus Freude

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