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Weihnachten ohne Heiligenschein

Ein kleines Kind in der Krippe. Um seine Geburt ranken sich zahlreiche Geschichten und Legenden. Tiere, Eltern, Hirten und Könige haben darin auch ihren Auftritt. Ich möchte Ihnen eine Deutung anbieten, die niemandem einen Heiligenschein aufsetzt. Die Philosophin Hannah Arendt hat das Weihnachtsereignis so verstanden: «Dass man in der Welt Vertrauen haben und hoffen darf, ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien ‹die frohe Botschaft› verkünden: «Uns ist ein Kind geboren.» Arendt nimmt damit eine Deutung von Weihnachten vor, die auch während des restlichen Jahres aktuell bleibt. Sie stellt nämlich das Wunder einer Geburt in den Mittelpunkt. Sie beobachtet, dass mit jedem Kind etwas gänzlich Neues in die Welt kommt. Weil der Mensch am Anfang ganz unwissend und hilflos geboren wird – weil er ein Anfänger ist, wie Arendt schreibt –,

kann er Neues entstehen lassen. Jeder Mensch trägt das Potential in sich, Veränderungen anzustossen. Diese Fähigkeit gibt Hoffnung und macht Mut. Auch mit der Geburt des Jesus von Nazareth, die historisch belegt ist, kam etwas Neues in die Welt. Schon damals waren sich die Menschen allerdings nicht einig, welche Bedeutung diesem Kind zuzusprechen sei. Für einige war er der lang ersehnte Messias, ein Befreier, der Sohn Gottes. Darauf gründet das Christentum. Für andere war er zwar ein Prophet, aber einer neben vielen anderen. Diese Überzeugung findet sich im Judentum und im Islam. Und heute darf wiederum neu überlegt werden, was es mit dem Krippenkind auf sich hat. Geburtsgeschichte(n) als Hoffnungsgeschichte(n) – Krisen, Klimawandel und Krankheit zum Trotz.

12.12.2019 :: Susanne Kühni, freischaffende reformierte Theologin, Langnau

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