Bergbahnen investieren 22 Millionen in die Infrastruktur am Rothorn

Bergbahnen investieren 22 Millionen in die Infrastruktur am Rothorn
Mit der heutigen Bahn können pro Stunde 560 Personen befördert werden, künftig werden es 630 sein. / Bild: zvg
Sörenberg: Die Pendelbahn auf das Brienzer Rothorn ersetzen, die Berg- und Talstation sanieren: Mit dem Projekt Retrofit soll die bestehende Infrastruktur möglichst weitergenutzt werden.

Seit 1971 bringt die Luftseilbahn Sommer- und Wintergäste von Sörenberg auf das Brienzer Rothorn, mit 2348 Metern über Meer der höchste Berg des Kantons Luzern. Innert acht Minuten überwindet die Kabine mit einem Fassungsvermögen von 80 Personen die gut 1000 Höhenmeter. Die Tage dieser Anlage sind gezählt. Eigentlich würde die Konzession Ende 2021 ablaufen, doch die Bergbahnen Sörenberg konnten sie unter Auflagen um zwei Jahre verlängern. «Wir mussten das Laufwerk komplett revidieren», nennt René Koller, Direktor der Bergbahnen, die Bedingung. Läuft alles nach Plan, wird die Bahn bereits vor dem definitiven Ablauf der Konzession ersetzt sein. «Ziel ist es, mit den Bauarbeiten im Frühjahr 2022 zu beginnen und am 16. Dezember gleichen Jahres die Eröffnung zu feiern.» 

Aktuell läuft die öffentliche Auflage des Projekts: Die Einsprachefrist endet am 27. Oktober.  

Neues Aussehen für Talstation

Das 22-Millionen-Projekt heisst Retrofit. Der Name ist Programm, denn es geht gemäss René Koller darum, die bestehende Infrastruktur möglichst weiter zu nutzen, sie aber den heutigen Bedürfnissen anzupassen. Die Tal- und Bergstation werden modernisiert, die Bahn wird 1:1 ersetzt: Die Kabinen bieten auch künftig 80 Personen Platz und die drei neuen Masten kommen an derselben Stelle wie heute zu stehen. Einzig fahre die neue Bahn etwas schneller, die Fahrzeit reduziere sich um eine auf sieben Minuten, führt Koller aus.  

Die grösste Veränderung erfährt die Talstation. «Das Gebäude wird zum Parkplatz hin um sechs Meter verlängert. So entsteht eine teilweise überdachte Terrasse, wo man verweilen und sich treffen kann.» Darunter, im Untergeschoss des Anbaus, werden das Lager und die Werkstatt eingerichtet. Dadurch wird im Bereich der Kassen Platz geschaffen, um die Besucherströme besser lenken zu können. «Ein- und aussteigende Gäste werden getrennt, so dass der Wechsel effizienter erfolgen kann», erklärt René Koller. Der ganze Eingangs- und Kassenbereich werde grosszügiger und freundlicher gestaltet. «Bereits im Tal möchten wir die Gäste an unser Thema ‹Top of Biosphäre› he-ranführen. Wir wollen mit verschiedenen Installationen und einem Laden aufzeigen, was die Biosphäre alles zu bieten hat.» 

Auch aussen wird die Talstation neu gestaltet: Die Dachform wird verändert und die Fassade mit Holz verkleidet. 

Kino im Bunker

Oben angekommen, gelangen die Gäste in einen Aufenthaltsbereich. «Dieser besteht schon heute. Er wird neu gestaltet mit Fensterscheiben bis auf den Boden, so dass das Panorama auf die ganze Biosphäre genossen werden kann», führt der Direktor der Bergbahnen aus. Ein Bistro bietet Snacks und Getränken an. In einem ehemaligen Bunker der Armee, welchen die Bergbahnen kaufen konnten, wird ein Kino mit rund 20 Plätzen eingerichtet. «Hier wollen wir kurze Filme über die Biosphäre zeigen.» 

Das Gebäude selber wird nicht verändert, jedoch umfassend erneuert: von den Fenstern und Böden über das Restaurant und die Küche bis zu den technischen und sanitären Anlagen. Die Terrasse wird verglast, so dass die Gäste auch bei etwas frischeren Temperaturen draussen sitzen können. Alles wird rollstuhlgängig. «Angedacht ist weiter, den Weg zur Station Kulm der Brienzer Rothorn Bahn auf Berner Seite zu sanieren, so dass er auch mit Rollstühlen und Kinderwagen befahren werden kann.» Die Strecke kann in rund zehn Minuten zurückgelegt werden.

Den Sommer stärken

«Mit dem Projekt Retrofit wollen wir ganz klar den Sommertourismus stärken», erklärt René Koller. Rund 80 Prozent des Umsatzes machen die Bergbahnen heute im Winter. Die Investitionen in den letzten Jahren flossen denn auch vorwiegend in den Skibetrieb, so etwa für die neue Sesselbahn Eisee – Rothorn und die Beschneiungsanlagen. Weil die neue Luftseilbahn auch künftig nicht direkt ins Skigebiet führen wird, wie es das frühere Projekt Rothorn-Ost vorsah, bleibt der 300 Meter lange Tunnel bestehen. Durch diesen gelangen die Wintersportler von der Bergstation zum Sessellift Eisee. «Wir werden vorerst in die Sicherheit investieren, indem Teile der Decke betoniert und die Beleuchtung verbessert wird, mehr liegt derzeit aus finanziellen Gründen nicht drin», sagt Koller. 

Leasingvertrag für Luftseilbahn

Schon so ist es ein grosser Brocken, den die Bergbahnen Sörenberg AG stemmen muss. Das Projekt ist mit 22 Millionen Franken veranschlagt, wobei gut die Hälfte in die neue Bahnanlage fliessen wird. Für diese werde mit der Raiffeisenbank Schweiz ein Leasingvertrag über 13 Jahre abgeschlossen, erklärt Koller. Weiter sei eine Aktienkapitalerhöhung geplant von acht auf elf Millionen Franken und beim Kanton ein (zinsfreies) NRP--Darlehen von 2,9 Millionen beantragt. Der Rest werde über Bankkredite durch die langjährigen Partner Luzerner Kantonalbank und Clientisbank Entlebuch finanziert. «Es ist viel Geld, doch wir sind überzeugt, damit in eine nachhaltige Zukunft der Destination Sörenberg zu investieren.»