Grossprojekt kann definitiv starten

Grossprojekt kann definitiv starten
Dank der Bahnunterführung beim Spital in Burgdorf wird dieses besser erreichbar werden. / Bild: zvg
Emmental: Das Verkehrsprojekt «Emmentalwärts» habe alle rechtlichen Hürden genommen, orientierte Baudirektor Neuhaus. Richtig gebaut wird frühestens ab dem Jahr 2029.

Kurz vor dem Ende seiner insgesamt 19-jährigen Amtszeit konnte Regierungsrat Christoph Neuhaus bei einem Projekt grünes Licht geben, das ihm am Herzen liegt: «Emmentalwärts». Mit der Verkehrssanierung Burgdorf?–?Oberburg?–?Hasle beschäftigt sich Neuhaus intensiv, seit er im Juni 2018 die Baudirektion übernommen hatte.

«Wir hatten noch zwei Beschwerden», orientierte Neuhaus vergangenen Freitag an einer Pressekonferenz. «Ich konnte die beiden Parteien
überzeugen, ihre Beschwerden beim bernischen Verwaltungsgericht zurückzuziehen.» Der Baudirektor ging nicht detailliert auf die Inhalte der Verhandlungen mit den beiden Beschwerdeführenden ein; beide Seiten hätten Stillschweigen vereinbart. Bekannt ist aber, dass es sich um zwei Firmen handelt und dass die Einigung auch durch die Vermittlung von alt Nationalrat Hans Grunder zustande gekommen ist.

Haben Normen geändert?

«Damit hat das Projekt alle rechtlichen Hürden genommen», bilanzierte Christoph Neuhaus zufrieden.

Heute und Morgen werden in den drei Ortschaften aber noch keine Baumaschinen auffahren. Als erstes wird die Detailplanung angepackt und dann die Arbeiten vergeben.
Wegen der grossen Verzögerung des Projekts seien diese Arbeiten um­fangreicher und würden drei bis vier Jahre dauern, erklärte der Baudirektor. «Es muss auch überprüft werden, ob inzwischen Normen geändert haben», nannte er ein Beispiel.

Der Baustart werde zirka im Jahr 2029 erfolgen, blickte Neuhaus voraus. Und die Arbeiten würden voraussichtlich rund zehn Jahre in Anspruch nehmen.

Mehr Geld vom Bund

Neuigkeiten konnte Christoph Neuhaus auch bei der Finanzierung des Grossprojekts liefern. Bekannt ist, dass insgesamt mit Kosten von 424 Millionen Franken gerechnet wird. Auf die Frage, ob der Kostenrahmen eingehalten werden könne, antwortete der per Ende Mai zurücktre-tende Regierungsrat: «Ich habe keine Glaskugel.» Er zeigte aber anhand des Preises für Baustahl die Kostenschwankungen auf. «Eine Tonne kostete, als ich als Baudirektor angefangen habe, rund 750 Franken. Heute sind es 1´200 Franken.»

Klar ist hingegen, dass die Verkehrssanierung mehr Bundesgelder erhält. Zu den bereits zugesicherten 92 Mil­lionen aus dem Agglomerationsprogramm für die Massnahmen in Burgdorf und Oberburg, werden  nun noch rund 84 Millionen Franken hinzu­kommen. Dies, weil im neusten Agglomerationsprogramm des Bundes der Perimeter auf die Gemeinde Hasle erweitert worden ist. Der Kanton Bern seinerseits wird 313 Millionen an das Verkehrsprojekt beisteuern. Nachdem der Grosse Rat im Juni 2022 die entsprechenden Kredite gutgeheissen hat, sprach sich im März 2023 auch das bernische Stimmvolk für das Vorhaben aus.

Wirtschaftsboost für das Emmental

«Die Verkehrssanierung wird der Region Emmental zu einem wahren Wirtschaftsboost verhelfen», prognostizierte Neuhaus und blickte weit zurück: Seit Anfang der Siebzigerjahre werde eine Verbesserung der Verkehrserschliessung geplant, «nun kommt ‹Emmentalwärts›.» Das Emmental mit seinen rund 80´000 Einwohnerinnen und Einwohnern würde einen «gäbigen» Kanton ergeben und erhalte nun endlich «einen anständigen Anschluss an die A1».

Neuhaus hob aber auch hervor, dass nicht nur Massnahmen zugunsten des motorisierten Verkehrs geplant seien. Insbesondere werde sich die Lebensqualität für die Bewohnerinnen und Bewohner der drei Ortschaften verbessern. «Heute haben die Leute jeden Morgen und jeden Abend das gleiche: Lärm und Stau», nannte er einen weiteren Vorteil.

Umfahrungen als Kernstücke

Explizit nannte der Baudirektor die beiden Bahnübergänge, welche durch Unterführungen ersetzt werden und dadurch der Verkehr verflüssigt wird. «Insbesondere für das Spital in Burgdorf ist die bessere Durchfahrt sehr wichtig.» Dank der Verbesserungen sollen die Busse pünktlicher verkehren können und für die Fussgänger und Velofahrer werde die Sicherheit erhöht. Kernstücke des Verkehrsprojekts sind die Umfahrungen in Oberburg und Hasle. Er freue sich, dass seine Nachfolgering Evi Allemann dieses Projekt nun umsetzen könne, sagte Christoph Neuhaus. Es gebe Leute, die nicht mehr an die Realisation dieses Projekts geglaubt haben. «Aber jetzt kommt ‹Emmentalwärts›!»

28.05.2026 :: Bruno Zürcher (zue)