Das «Ankebälli», eine von vielen Blumen, die in verschiedensten Liedern besungen werden. / Bild: zvg
Blumiges 2026: Sie gedeihen, blühen in voller Pracht und welken schliesslich. Blumen stehen in vielen Lieder sinnbildlich für den Zeitenlauf und ganz allgemein für das Leben.
«Roti Rösli im Garte, Meierysli im Wald, we dr Wind chunnt cho blase, so verwelke si bald.»
Wieviel Sinniges wird in dieser kurzen Strophe des altbekannten Kinderliedes ausgesprochen: Die rote Rose als Symbol der hingebungsvollen, heissen Liebe, das Maiglöckchen als sehnlichst erwarteter Frühlingsbote; sie beide serbeln und welken, wenn ihnen kalte Winde beziehungsweise Unverständnis entgegenwehen oder gar ein Frost sich über sie legt.
Unzählige Lieder besingen den Frühling, wo die Erde aus ihrem Schlummer erwacht, wo das Auge nach viel Winterweiss und -grau sich nach Farben sehnt, vor allem natürlich den Wonnemonat Mai, in dem das Blühen den Höhepunkt erreicht.
Jahreszeiten besingen
«Das Jodeln hat seinen Ursprung in Kuhreihen», erzählt Stephan Haldemann. Er ist Pfarrer in Signau, war langjähriger Präsident des Bernisch-Kantonalen Jodlerverbandes und aktiver Jodlerdirigent und Sänger. «Die Komponisten merkten dann, dass sich diese Thematik einmal erschöpft. Sie begannen, die Jahreszeiten zu besingen, insbesondere den Frühling, die neu erwachte Natur, die Blumen, in erster Linie die Bergblumen, die alle mit viel Symbolik behaftet sind.»
Haldemann zählt spontan fünf Lieder auf, die vom Edelweiss erzählen. «Es steht natürlich als Zeichen für Echt-Schweizerisches, aber auch für Seltenheit, Einzigartigkeit und Widerstandskraft.» Auch Alpenrose, Enzian oder Männertreu tauchen immer wieder in den Liedern auf. «Mit den Blumen wird die Schönheit, aber auch die Fragilität der Schöpfung besungen. In den Bergen finden wir noch vielerorts die heile Welt, die wir gerne überall hätten», vermutet Stephan Haldemann, «aber mit unserem Verhalten oft wenig dazu beitragen.»
«Überm Ärdestoub u Chummer still my Alpegarte lyt.
Guldig lüchtet da dr Summer über allem Hass u Stryt.»
(Ernst Sommer?/?Beat Jäggi)
Die bescheideneren Alpenblümchen erscheinen seltener in Liedtexten. Adolf Stähli sagt es so (im Lied «Soldanelle»):
«Vo Alperos´ u Männertreu weiss gar mängs Lied z´verzelle;
Doch keis dervo ertönt so neu wie das vor Soldanelle.
Lueg eis das Blüemli a.»
Was hat uns doch dieses bescheidene Wesen zu erzählen! Von seinem Durchhaltewillen und seiner Beharrlichkeit in Eis und Schnee gibt es einiges zu lernen.
Aber auch die Blumen des Tieflandes gehen nicht leer aus. Der Löwenzahn, abschätzig als «Söiblueme» betitelt, der zu Hunderttausenden die Fettwiesen vergoldet, wird von Franz Stadelmann verehrt:
«...?wi si uf de Matte strahle, lueg das Bild doch einisch a,?...»
Die Liederdichter werfen auch einen Blick in die Gärten:
«I ha ne chuum chönne erwarte, dr Früelig i all siner Pracht.
Gly druf si ou i mim Garte scho d Summerblueme erwacht.
Es Blüeje isch gsy und es Prange?...»
(Hanni Bracher?/?Ida Schweizer)
Rosen, Tulpen,?...
In erster Linie kommen immer wieder die Rosen zu Ehren, aber nicht nur: Primeln, Tulpen, Sonnenblumen oder Astern werden auch nicht vergessen. Und sogar das Geranium taucht in einem Lied von Willy Valotti (Text: Beat Jäggi) auf:
«Vor em Fänschter i dr Sunne isch es luters Füür errunne,
glüejig rot, du stuunisch´s a, möchtisch d´Seel drininne ha.»
Stephan Haldemann hat selber auch Lieder komponiert, in denen er die Pracht und das Wunder des Blühens schildert:
«Jedes Jahr da gsehsch es Wunder, we d Früeligssunne alles weckt
u we ds Schneeglöggli voller Gwunder sis chlyne Chöpfli fürestreckt?...
...?Ja de muss i eifach singe, voller Freud e Jutz la gah.»
Aber nicht nur im Jodellied, auch in anderen Musikgattungen greifen die Komponisten immer wieder das Thema «Blumen» auf. In der Rockmusik etwa Polo Hofer mit seinen «Alperose», hier als Bild für eine kurze, heiss ersehnte Liebe. Und die Welt der Schlager kann ohne Rosen, Tulpen und weiteren Blumen schlicht nicht leben:
«Wenn der Frühling kommt, dann schick ich dir Tulpen aus Amsterdam?...»
Und Heino sang 1972: «Ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian?...»
Blumige Operetten
Fündig wird man auch in den Operetten, etwa im «Vogelhändler»:
«Schenkt man sich Rosen im Tirol, weisst du, was das bedeutet wohl.»
Und in der klassischen Musik? Mozart hat das «Veilchen» in Noten gesetzt, Schubert das «Heidenröslein», beides sind Gedichte von Johann Wolfgang Goethe.
«Sah ein Knab ein Röslein stehn, Röslein auf der Heiden
War so jung und morgenschön, lief er schnell, es nah zu sehn,
sah´s mit vielen Freuden.»
Mit diesen Liedern sind wir wieder beim Anfangsthema: Blumen als Symbole der Liebe, auch der missachteten oder der allzu leidenschaftlichen, ausbeuterischen Liebe.
Auch zukünftige Lieddichter werden wahrscheinlich immer wieder die Blumen besingen, nicht zuletzt als Zeichen der Hoffnung. Machen doch viele Pflanzen ihre Knospen fürs nächste Jahr schon im Herbst bereit.