Daniel Stalder, Präsident und Sohn von Clublegende Thedy Stalder, mit einem Plakat aus dem Jahr 1968. / Bild: Martin Burri (mbu)
Tennis: Der Tennisclub Langnau feiert heuer mit diversen Events sein 100-Jahr-Jubiläum. Präsident Daniel Stalder erklärt, wie sich der Verein und die ganze Sportart gewandelt haben.
«Der Tennisclub Langnau blickt auf ein Jahrhundert zurück, das von Beständigkeit, aber auch von massivem Wandel geprägt war.» So steht es im Jahresbericht von Präsident Daniel Stalder, Sohn der Langnauer Tennislegende Thedy Stalder. Sogar während der dunklen Jahre des Zweiten Weltkriegs habe man in Langnau das Racket geschwungen - damals noch unter völlig anderen Vorzeichen. Tennis sei damals ein exklusiver «weisser Sport», streng reglementiert durch Etikette und Dresscode und reserviert für die sogenannte «höhere Langnauer Gilde» gewesen, schreibt Daniel Stalder weiter. 1926 bis 2026, ein Jahrhundert Tennis am Höheweg in Langnau - Grund genug, um dies mit drei geplanten Events zu feiern. Zum Ersten will sich der TCL anlässlich der OGA (Oberemmentalische Gewerbeausstellung in Langnau vom 12. bis 20. Juni) an seinem Stand der breiten Bevölkerung präsentieren. Zum Zweiten soll ein Jubiläumsfest am 27. Juni die Brücke zwischen Historie im Höhewegquartier und einer sportlichen Zukunft schlagen. Mit der Club Champions Trophy, an der die Clubmeister gekürt werden, schliesst der TCL vom 14. bis 16. August seine Feierlichkeiten.
Im Altersheim der Sportvereine
Mit seiner 100-jährigen Vereinsgeschichte zählt der TC Langnau zu den ältesten Sportvereinen in der Gemeinde Langnau. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit weisen laut Internet der TV Langnau (Gründungsjahr 1849), der VC Bärau (1898), der Schützenverein an der Ilfis (1878), der Reitverein Oberemmental (1906), der Sportklub Langnau (1924 als Skiclub gegründet und 1997 in Sportklub umgetauft) sowie der FC Langnau (1925) eine noch längere Vereinsgeschichte auf. Eine Gründungsurkunde liess sich von Präsident Daniel Stalder nicht finden. Doch ein Dokument über die Pacht der Landfläche am Langnauer Höheweg, datiert auf den 23. Februar 1926, lässt vermuten, dass der Tennisclub Langnau kurz vorher gegründet wurde. «Der Verpächter, Herr E. Lauterburg, überlässt dem Lawn Tennisclub Langnau beim Lenghaus ein Areal von 16 Aren, inbegriffen eines zwei Meter breiten Streifen Landes ausserhalb der Umzäunung und einen ein Meter breiten Streifen Zugangsweg vom Höheweg, zur Erstellung und Benutzung von zwei Tennisplätzen nebst den nötigen Wasserzuleitungen und einem Clubhäuschen», so der Wortlaut im Pachtvertrag. Dieser wurde unterzeichnet vom Verpächter und Fabrikanten Ernst Lauterburg sowie vom Präsidenten Erich Probst und Sekretär Dr. D. Kipfer.
Betreffend Wasserlieferung auf den Tennisplatz besteht ebenfalls ein Dokument - ein Vertrag mit dem damaligen Licht- und Wasserwerk Langnau. Hier steht, dass der Tennisclub pro Jahr 30 Franken als Minimalzins entrichten musste. Datiert ist diese Vereinbarung per 25. Mai 1926. Bis in die 1950er Jahre wurde der Tennisplatz im Winter regelmässig auch als Eisbahn benutzt. 1971 wurde die Anlage mit einem dritten Spielfeld ergänzt und 1985/86 erstellte der Verein das heutige Clubhaus.
Aushängeschild Thedy Stalder
Das mit Abstand bekannteste und erfolgreichste Mitglied des TCL war der Langnauer Thedy Stalder. Der erfolgreiche Tennisspieler, am 29. Juni 2025 leider verstorben, erspielte sich insgesamt zehn Schweizermeistertitel im Einzel, Doppel und im Interklub mit dem TC Dählhölzli Bern. Dazu spielte er zwischen 1965 und 1969 achtmal für die Schweiz im Daviscup. Stalder galt in den 1960er und 70er Jahren als eines der Top-Talente in der Schweizer Tennisszene. In Neuenegg aufgewachsen, zog Stalder mit seiner Familie nach Langnau und arbeitete hier als Sekundarlehrer. Wie erfolgreich Thedy Stalder Tennis spielte, beweist auch die Tatsache, dass er während 25 Jahren im NLA-Interclub mit dem TC Dählhölzli Bern kein einziges Einzel- oder Doppel-Match verpasst hatte. 1968 liess sich Stalder gar beurlauben, um als Teilzeitprofi an Turnieren in Rom, Hamburg, Prag und Wimbledon teilzunehmen.
Zukunftsträume erlaubt
Aktuell weist der TC Langnau 42 Aktivmitglieder sowie 11 Juniorinnen und Junioren auf. «Unser Klub verzeichnet einen Mitgliederschwund», gibt Präsident Daniel Stalder zu verstehen und warnt für die Zukunft mit den Worten: «Wenn es so weitergeht, wird es schwierig.» Laut Stalder hat der TCL das Tennisareal noch für zehn Jahre im Baurecht. «Was dann kommt, wissen wir aktuell nicht», blickt der Fachlehrer am Oberstufenzentrum Langnau nach vorne. Sein Zukunftstraum ist eine Anlage, auf der nebst Tennis auch andere Rückschlagsportarten wie Squash, Badminton, Tischtennis sowie das sich im Aufwind befindende Padel-Tennis angeboten werden können. Zum Bau einer solchen Anlage in Langnau, dessen ist sich Stalder bewusst, würde die Latte sehr hoch liegen. «Träumen darf man aber immer», sagt der Oberstufenlehrer abschliessend.