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Immer mehr ein Sport für alle

Immer mehr ein Sport für alle
Golf fordert technisches Können wie auch mentale Stärke – etwa bei einem Schlag aus dem Bunker. / Bild: zvg
Golf: Es ist längst nicht mehr nur ein Sport für Privilegierte. Der Schweizer Golfverband zählt über 108’000 Mitglieder – und wächst. Auch im Emmental und Entlebuch.

Ab und zu grase ein Reh neben der Spielbahn, sagt Raphael Weibel, Präsident von Golf Emmental. «Manchmal glänzt der Morgentau auf dem Grün, während die Hügel sich sanft gegen den Himmel zeichnen.» Für ihn bedeute eine Runde Golf schlicht «Ferien», schwärmt er.

Der Sport verändert sich

1975 zählte Swiss Golf gut 10´000 Mitglieder, heute sind es 108´000. Doris Rechsteiner, Direktorin Marketing/Services von Swiss Golf, sieht dahinter einen klaren Wandel: «Golf hat sich in der Schweiz zu einem Breitensport entwickelt. Wir wachsen seit Jahren. Und trotzdem gibt es noch viel Potenzial.»

Das Klischee vom elitären Golfer löst sich auf. «Den typischen Golfer gibt es nicht», sagt Raphael Weibel. «Ob jung oder alt, Sportskanone oder Bewegungsmuffel, Mann oder Frau, Single oder Familie – Golf vereint.» Was die Menschen anzieht: draussen sein, sich bewegen, gemeinsam spielen, den Alltag hinter sich lassen. «Gegenseitige Wertschätzung und die Freude am Schönen – ohne elitären Zug», beschreibt der Präsident von Golf Emmental.

Was das möglich macht, ist das Handicap-System. Es gleicht unterschiedliche Spielstärken so aus, dass auch ein Anfänger gegen einen erfahrenen Spieler gewinnen kann. Das sei ein Alleinstellungsmerkmal des Golfsports, sagt Rechsteiner. «Grossvater, Enkelin und die Kollegin aus dem Büro können gegeneinander antreten – das schafft sonst kaum ein Sport.»

In Oberburg liegt seit 1998 eine Golfanlage mit 18 Loch auf 45 Hektaren. Golf Emmental beschäftigt rund 20 Mitarbeitende aus den Bereichen Greenkeeping, Empfang, Administration und Gastronomie.

«2025 sind 50 neue Vollmitglieder dazugekommen» – ausserordentlich viel, wie Weibel sagt. Unterdessen zähle man mehr als 300 Mitglieder. Doris Rechsteiner sagt dazu: «Die Bevölkerung wird älter, die Menschen wollen gesund bleiben, sich aktiv bewegen und sie suchen Gemeinschaft in der Natur. In dieses Bild passt Golf.»

Einfach ausprobieren

Wer neugierig ist, braucht weder eine Mitgliedschaft noch eigene Ausrüstung – Schläger stellt Golf Emmental zur Verfügung. Angeboten würden auch Schnupperkurse, sagt Weibel. «Wer Golf spielt, kann jemanden mitnehmen und gleich eine erste Runde auf dem grossen Platz wagen.» Für Gruppen und Vereine gebe es weitere Angebote.

«Wer später Vollmitglied werden will, braucht weder eine Empfehlung noch einen Paten», sagt der Präsident von Golf Emmental. Es gebe auch eine Jahresmitgliedschaft, für alle, die es flexibler mögen würden. Die eigentliche Platzreife – die Grundlizenz zum selbstständigen Spiel – setze Kenntnisse bei den Schlägen sowie Regelwissen voraus. «Mit regelmässigem Üben schafft man das in rund zwei Monaten», sagt Weibel. Er ergänzt, was Golf von den meisten anderen Sportarten unterscheidet: «Man betreibt ihn überall auf der Welt – fast überall liegt irgendwo ein Golfplatz. Wer also auch in den Ferien spielen will, findet sich problemlos zurecht. Innerhalb der Schweiz spielen Mitglieder von Golf Emmental kostenfrei je eine Runde auf den Partneranlagen in Montreux, Neuchâtel und Payerne.»

Körper, Kopf – und Muskelkater

Golf sei körperlich anspruchsvoller, als viele denken würden. «Eine Runde über 18 Loch bedeutet acht bis zehn Kilometer zu Fuss, gut vier Stunden draussen, je nach Gelände auch einige Höhenmeter». Den Muskelkater spüre man am nächsten Morgen. Gleichzeitig bezeichnet er Golf als gelenkschonend, nahezu verletzungsfrei und bis ins hohe Alter spielbar. Golfen könne man grundsätzlich das ganze Jahr hindurch – ausser es liege Schnee oder der Boden sei gefroren.

«Der Ball liegt still – kein Gegner schlägt ihn weg, kein Schiedsrichter lenkt ab. Was allein zählt, ist die eigene Konzentration im Moment. Wer sich verkrampft oder hadert, spielt sofort schlechter», beschreibt Weibel den Sport. Einen misslungenen Schlag müsse man wegstecken können – man dürfe nicht grübeln und müsse sich neu fokussieren. Diese mentale Seite mache Golf für viele zur echten Charakterschule.

Junioren und Nachwuchs

Und was ist mit dem regionalen Nachwuchs? «Wir denken langfristig, fördern Kinder und Jugendliche und wecken die Freude am Sport», sagt Weibel. Die Jüngsten seien bei ihren ersten Schwüngen kaum schulpflichtig. Wer Talent zeige, komme in die regionalen Kader. «Jährlich richtet Golf Emmental überregionale und nationale Turniere aus: Interclub, Junioren-Wettkämpfe und den Coupe Helvétique».

«Die Nachwuchsarbeit in den Clubs ist eine wichtige Basis für alles», betont Rechsteiner. «Wer als Kind Freude am Golf findet, bleibt meistens ein Leben lang dabei.»

Golf in Flühli-Sörenberg

Seit 1997 gibt es in Flühli-Sörenberg einen Golfplatz – mitten im Unesco-Biosphärenreservat Entlebuch, mit Blick auf die Brienzer Rothornkette. Die 9-Loch-Anlage auf 34 Hektaren ist in die Hochmoorlandschaft eingebettet. Die Jahresgebühr gehöre zu den günstigsten in der Schweiz, Anfängerinnen und Anfänger seien willkommen, heisst es bei den Betreibern. Geöffnet ist die Anlage in Flühli jeweils von April bis November.

13.05.2026 :: Remo Reist (rrz)