Sportlicher Traum und finanzielles Risiko

Sportlicher Traum und finanzielles Risiko
Reto Wiedmer diskutierte mit Gregor Deschwanden, Caroline Emmenegger und Ricardo Cabanas (von rechts). / Bild: zvg
Schüpfheim: Am Gymnasium Plus wurden die alljährlichen Sports Awards verliehen. An einer Podiumsdiskussion ging es um die Vereinbarkeit von Leistungssport und Schule.

Das Gymnasium Plus entstand mit dem Ziel, Jugendlichen nicht nur eine gymnasiale Ausbildung mit eidgenössisch anerkannter Matura zu ermöglichen, sondern gleichzeitig auch besondere Talente in den Bereichen Sport sowie diversen künstlerischen Bereichen gezielt zu fördern. In fünf statt üblich vier Jahren Gymnasium erhalten die Schülerinnen und Schüler genug Zeit und vor allem Unterstützung, Schule und Leidenschaft miteinander zu verbinden.

Dass diese Möglichkeit keine Selbstverständlichkeit ist, erklärten die drei Podiumsteilnehmenden des Abends: Ex-Handballnationalspielerin sowie aktuelle Headcoachin des NLA-Damenteams Spono Eagles, Caroline Emmenegger, der ehemalige Fussballprofi und heutige Gymnasiallehrer Ricardo Cabanas sowie der diesjährige Olympia-Bronzegewinner im Skispringen, Gregor Deschwanden. Sie diskutierten in einer von SRF-Kommentator Reto Wiedmer geführten Runde über die Kombination von schulischer Bildung und der sportlichen Karriere.

Die Lehre abgebrochen

Während die Sportlerinnen und Sportler heutzutage am Gymnasium Plus am Morgen die Schulbank drücken und sich am Nachmittag dem Sport widmen können, musste Ricardo Cabanas sich vor über dreissig Jahren zwischen einer Karriere auf dem Fussballplatz und einer Ausbildung auf einer Bank entscheiden. «Entweder Fussballer oder Banker», habe sein damaliger Arbeitgeber gemeint. Dass er damals seine Lehre zugunsten des Sports abbrach, hat sich in seinem Fall bewährt. Cabanas hat eine erfolgreiche Fussballkarriere hinter sich, holte später ein Studium nach und arbeitet nun als Gymnasiallehrer. Dennoch würde er, der zusätzlich als Talentmanager junger, aufstrebender Fussballer amtet, keinem raten, ein solches Risiko einzugehen und die Ausbildung zugunsten des Sports aufzugeben. Viel zu gross sei die Gefahr, dass Plan A nicht aufgehe. Trotz der lukrativen finanziellen Perspektiven im Fussball plädierte Cabanas dafür, zumindest eine abgeschlossene schulische oder berufliche Ausbildung in der Tasche zu haben.

Verständnis nur vom Klassenlehrer

Bei Caroline Emmenegger stellte sich die Frage, bereits in jungen Jahren ganz auf den Sport zu setzen, nicht. Alleine aufgrund der bescheidenen finanziellen Möglichkeiten in ihrer Sportart verfolgte sie sowohl ihre Handball- als auch Schulkarriere gleichzeitig. Allerdings hatte sie nur dank eines verständnisvollen Klassenlehrers, welcher sich für sie einsetzte, die Möglichkeit, neben der schulischen Ausbildung trotzdem intensiv zu trainieren. Ansonsten habe sie von der Schule zu keinem Zeitpunkt Unterstützung verspürt, sagte Emmenegger. «Ich bin froh, dass man heute toleranter ist und man dem Spitzensport mehr Wert gibt. Es gibt viele Sportschulen und Sportangebote, wo man seine sportliche Karriere verfolgen kann, ohne die schulische Ausbildung vernachlässigen zu müssen.»

Weil sich selbst in den besten Frauen-Handball-Ligen kaum Geld zur Seite legen lässt, bestand Emmenegger darauf, dass ihre Tochter, Spitzenhandballerin Mia Emmenegger, erst nach der Matura ins Ausland wechselte. Dort hätten die Klubs sogar ein Studium neben dem Sport empfohlen und unterstützt, da dies bei Verletzungen oder Misserfolgen helfe, den Fokus zeitweise vom Sport wegzulenken. «Sportliche Karrieren verlaufen nie exponentiell nach oben», weiss Caroline Emmenegger.

Studium als Ablenkung

Skispringer Gregor Deschwanden entschied sich nach der obligatorischen Schulzeit für eine KV-Lehre bei einer Talentschule in Luzern. «Es war mal strenger, mal weniger streng», blickte er zurück. Dass er sich aufgrund der Ausbildung im Sport oder umgekehrt eingeschränkt gefühlt hätte, daran kann sich Deschwanden nicht erinnern. Er betonte aber, dass eine gute Arbeitshaltung sowie eine noch bessere Organisation besonders wichtig gewesen seien. Das darauffolgende (Fern-)Studium habe er in erster Linie als Ablenkung vom Spitzensport begonnen. «Wenn es mal nicht läuft, hast du immer etwas, woran du denkst. Du kannst dich mit Themen beschäftigen, die nichts mit dem Skispringen zu tun haben und dich dennoch produktiv betätigen», so seine Überlegungen.

Den Rucksack füllen

Dass eine Ausbildung oder ein Studium nicht nur der finanziellen Absicherung dient, sondern auch wertvoll ist, um den Sport mal zur Seite schieben zu können, bestätigten sowohl Cabanas als auch Emmenegger. Das Wort «Horizonterweiterung» fiel an diesem Abend mehrmals. «Je mehr Erfahrungen ein Sportler oder eine Sportlerin im Rucksack hat, desto kompletter ist dessen oder deren Persönlichkeit und damit die Grundlage für gute sportliche Leistungen», erklärte Ricardo Cabanas. «Füllt diesen Rucksack mit Sprachen, mit Erlebnissen. Sollte es mit der Spitzensportkarriere nicht klappen, ist zumindest der Rucksack nicht ganz leer», fügte Caroline Emmenegger an.

Im Anschluss an das Podiumsgespräch wurden Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Plus für ihre ausserordentlichen sportlichen Leistungen im vergangenen Jahr geehrt (siehe Kasten).

Sporttalente wurden ausgezeichnet

Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Plus wurden für besondere sportliche Leistungen geehrt. Eine Fachjury kürte die Sportlerin und den Sportler des Jahres. Zudem wurden ein Publikumspreis sowie erstmals ein Spezialpreis für besonderes Durchhaltevermögen vergeben.

Sportlerin des Jahres wurde Lena Amberg (Reitsport). Sie erreichte an verschiedenen Gymkhana-Wettkämpfen Spitzenplatzierungen. Sportler des Jahres wurde der Leichtathlet Jannis Pfrunder aufgrund mehrerer Top-Resultate über 400 Meter Hürden. Die Ränge 2 und 3 bei den Frauen belegten Fiona Ehler (OL/Ski-OL) und Lya Scherrer (Fussball). Bei den Männern waren es Cristian Gil Gonzalez (Karate/Kickboxen)und Finn Wüst (Berglauf).

Der Publikumsaward ging an den Fussballspieler Sandro Bieri und den Spezialpreis erhielt Skifahrer Janis Achermann.

13.05.2026 :: Jael Heim