Im kommenden Jahr will die schweizweit tätige GMSA den Standort Zollbrück stilllegen. / Bild: Bruno Zürcher (zue)
Zollbrück: Dass 2027 Schluss sein wird, kommt für die Mitarbeitenden der Steiner Mühle AG überraschend. Die GMSA, zu der die Mühle gehört, konzentriert sich auf andere Standorte.
«Die Groupe Minoteries SA (GMSA) führt eine Umstrukturierung ihrer Produktion durch, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und Synergien besser zu nutzen», steht in der Medienmitteilung der GMSA. Für die Steiner Mühle AG in Zollbrück bedeutet dies konkret, dass dieser Standort «im ersten Halbjahr 2027» geschlossen wird.
Die 1959 durch Gottfried Steiner gegründete Mühle gehört seit 2011 zur GMSA. Am Standort Zollbrück werden Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer, Gerste, Mais, Hirse, Reis sowie Hülsenfrüchte und verschiedene Saaten verarbeitet. Daraus entstehen unter anderem Mehle, Flocken, Griess, Müeslis und weitere Spezialitätenprodukte. «Die Steiner Mühle AG ist heute die einzige reine Bio-Mühle der Schweiz. Am Standort Zollbrück vermahlen wir ausschliesslich Bio- und Demeter-Rohstoffe», ist bei der GMSA zu erfahren.
Total 260 Mitarbeitende
Das Unternehmen – das schweizweit derzeit an sechs Standorten tätig ist, rund 123´000 Tonnen verarbeitet und insgesamt 260 Mitarbeitende beschäftigt – wird weiterhin Bio-Rostoffe verarbeiten. Die GMSA wolle «die vorhandenen Kapazitäten sowie die hochmodernen Ressourcen an ihren Standorten in Granges-près-Marnand (VD) und Müllheim-Wigoltingen (TG) nutzen.» Letzterer wurde 2025 in die Gruppe integriert. Die in Zollbrück hergestellten Bio-Mehle werden am Standort Granges-près-Marnand zentralisiert, wo eine Mühle für Spezialmehle zur Verfügung steht, informiert die GMSA. Spezialitäten wie Griess, Flocken und Müesli werden künftig am Standort der Schweizerischen Schälmühle E. Zwicky AG in Müllheim-Wigoltingen produziert.
Grosse Investitionen wären nötig
Warum wird gerade der Standort Zollbrück geschlossen? «Es wären grosse Investition in die Infrastruktur und die Produktionsanlagen notwendig gewesen, um den Standort langfristig aufrecht zu halten», ist bei der Kommunikationsstelle der GMSA zu erfahren. «Zusätzlich sind die Kapazitätserweiterung eher beschränkt.»
Der Schweizer Mühlenmarkt stehe seit Jahren unter starkem Druck. «Deshalb ist es für uns entscheidend, die Synergien innerhalb der Gruppe gezielt zu nutzen, die Auslastung unserer Standorte zu optimieren und die vorhandenen modernen Produktionsressourcen effizient einzusetzen», hält das Unternehmen weiter fest.
Unklare Zukunft
Von der Schliessung sind 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Ihnen sei ein Sozialplan vorgelegt worden. Der Verwaltungsrat habe beschlossen, «eine Rückstellung von rund 3 Millionen Franken für die Abschreibung des Restwerts der Infrastruktur sowie für den Finanzierungsbedarf des Sozialplans zu bilden», steht in der Medienmitteilung weiter.
Wie es mit dem Standort in Zollbrück weitergeht – wo eine Lagerkapazität für 3000 Tonnen Getreide besteht – ist derzeit völlig offen. «Derzeit wird eine Nachfolgelösung für die Infrastruktur gesucht», ist bei der Unternnehmens-Kommunikation lediglich zu erfahren. «Wir prüfen derzeit verschiedene Optionen. Entsprechende Gespräche und Abklärungen laufen bereits.»