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Ein Kultauto auf Frühlingsfahrt

Ein Kultauto auf Frühlingsfahrt
Die Mitglieder der Squadra Topolino waren mit ihren Kultautos im Emmental unterwegs. / Bild: hol
Emmental: Eine Ausfahrt mit dem Fiat Topolino ist nicht immer planbar. Die Squadra Topolino Bern erlebte auf ihrer Frühlingsfahrt durchs Emmental ungeplante Stopps.

Topolino, «die kleine Maus», wie der Kleinwagen von Fiat im Jahr 1936 bei seiner ersten Auslieferung getauft wurde, fand auch in der Schweiz grosses Interesse als preisgünstiges Automobil. Drei Jahrzehnte nachdem der letzte Topolino hergestellt worden war, gründeten 1988 ein paar Idea­listen die Squadra Topolino Bern (SQTP). Am Nationalen Oldtimer-Wochenende waren auch einige der mittlerweile siebzig Vereinsmitglieder mit ihren kultigen Autos auf den Strassen unterwegs. Auf der traditionellen Frühlingsfahrt besuchten sie die Sonderausstellung «Mobilität zur Zeit Gotthelfs» im Gotthelf Zentrum Lützelflüh. Als Pfarrer, Schulkommissär und Schriftsteller war Jeremias Gotthelf oft unterwegs. Zu Fuss oder mit Pferd und Wagen legte er manchmal lange Wegstrecken zurück. Rolf Wiggenhauser vom Vorstand der SQTP schrieb in seiner Einladung zur Frühlingsfahrt sinngemäss: «Ich bin sicher, wenn es den Fiat Topolino bereits zu Gotthelfs Zeiten gegeben hätte, wäre er ein stolzer Besitzer eines der kleinen Wägelchen gewesen.»

Fahrt mit unverhofften Pausen

Nach dem Besuch im Gotthelf Zen­trum war eine Fahrt über die Lüderen­alp nach Langnau vorgesehen. Aber eine Topi-Fahrt scheint nicht immer planbar zu sein. Dies zeigte sich bereits auf der Strecke von Münsingen nach Lützelflüh. Der ganze Tross blieb plötzlich unverhofft am Strassenrand stehen. «Der Antrieb meines Topis hat leider schlapp gemacht», meinte ein Fahrer. In aller Ruhe machten sich Kollegen am kleinen Motor zu schaffen und tatsächlich ging die Fahrt nach kurzer Zeit weiter – allerdings nicht sehr weit. Zwei weitere Pausen folgten. Nun wurde richtig Werkzeug ausgepackt und unter der Leitung
des mitfahrenden Mechanikers, dem «Topi-Doktor», geschraubt, zerlegt, und wieder zusammengebaut. Die anderen Teilnehmenden genossen derweil die Emmentaler Landschaft oder tauschten Erfahrungen zur Restaurierung ihrer Topis aus. Mit einer Stunde Verspätung erreichte man schlussendlich, trotz der Zwischenhalte zufrieden, das Gotthelf-Dorf. Einzig der Ausflug auf die Lüderenalp fiel den Pausen zum Opfer. Stattdessen führte die Frühlingsfahrt auf direktem Weg nach Langnau zu einem währschaften Mittagessen im Gasthof Bären.

Von der Rostlaube zum Prunkstück

Viele Mitglieder des Vereins haben ihren Topolino eigenhändig restauriert. So auch Fritz Schneider aus Langnau. Durch Zufall stiess sein damals 18-jähriger Sohn Stefan 1992 in einem Hintergarten auf einen verrosteten Topolino. Er könne ihn gerne mitnehmen, aber zuerst wolle er die Zwetschgen pflücken, meinte der Besitzer. «Mitten durch das Fahrzeug
ist nämlich ein Zwetschgenbaum gewachsen», erzählt Fritz Schneider lachend. Da schlussendlich aber mehr Löcher als Blech zum Vorschein kamen, sei die Rostlaube schlussendlich verschrottet worden.

Zum zwanzigsten Geburtstag ging für Sohn Stefan der Wunsch nach einem Topolino doch noch in Erfül-lung: ein Modell Typ A, Jahrgang 1948, 4-Zylinder-Motor mit 15 PS, ebenfalls verrostet, aber würdig für eine Restaurierung. «Während drei Jahren haben wir gemeinsam das ganze Fahrzeug zerlegt, sind mehrmals nach
Italien gefahren, um Ersatzteile zu holen, und haben den Topolino bis auf die Lackierung eigenhändig zum heutigen Schmuckstück wieder zusammengebaut», erzählt Schneider.


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07.05.2026 :: hol