Vier Vollblutmusiker auf der Bühne - Colibri im Käpt’n Holger. / Bild: Karl Johannes Rechsteiner (kjr)
Langnau: Sie spielen folkigen Rock und singen in sieben Sprachen. Colibri zeigte, warum live die wahre Musik spielt und wie Rhythmen und Songs in Beine und Herzen fahren.
Ein- oder zweimal im Monat verwandelt sich der Käpt'n Holger in einen stimmungsvollen Musik-Club, den die Band Colibri vom ersten Ton an eroberte. Sängerin Nicole Wiederkehr schwärmte vom schönsten Ort für einen Auftritt. Die vier Leute auf der Bühne und ihre Saiteninstrumente liessen vor Beginn nicht erahnen, mit welcher Wucht, Intensität und Konzentration diese Musik spielen würde. Ganz nah am Publikum sorgten die Soli von Bassist und Violinist Chrigu Rechsteiner und des Saiten-Magiers und Komponisten Disu Gmünder zusätzlich für ungestüme Höhepunkte. Wie ein Derwisch fiedelte sich der Geiger samt zweiter Geige der Sängerin rasant durch Irish Tunes, als wäre der Folkrock gerade erfunden worden. Das brachte nicht nur das gut besuchte Lokal zum Tanzen, sondern auch die Combo zum Hüpfen. Als Gmünder wie bei seinen Gigs mit Patent Ochsner die Saiten zupfend in die Knie sank, wurde die Stimmung erst recht euphorisch. Nicht nur Nebelmaschine, buntes Licht und feinfühlige Tontechnik zeigten die hohe Professionalität von Colibri. Da standen vier eher abgebrühte Vollblutmusiker auf der Bühne - doch sie versprühten eine wundersame Lebens- und Spielfreude. Drummer Rolf Huwyler flirtete hintergründig mit den vom Gitarristen eingespielten Samples, Bässen und elektronischen Zwischentönen. Der Sound dieser Weltmusik wird bereichert von der Vielfalt der Stile und Klänge vom Banjo über Mandoline bis Melodica. Filigrane Arrangements und Breaks prägen sowohl satte Rocknummern wie grazile Balladen.
Berührungslos gespieltes Instrument
Einst begleitete Colibri als Los Hobos die Vorstellungen von Timmermahn. Daraus entwickelte sich eine Band, in der Nicole Wiederkehr vorwiegend eigene Stücke in Englisch, Spanisch, Berndeutsch, Griechisch, Portugiesisch und Italienisch singt. Zum Schluss interpretierte die Truppe gar hochdeutsch den Georg-Danzer-Hit, das Lied von der Freiheit im Zoo. Dazu ertastete die Sängerin ihre Melodien auf dem Theremin, dem über hundertjährigen ersten elektronischen Instrument der Welt. Gespielt wird es berührungslos, aber es berührte an diesem Abend alle Käpt'n-Gäste.