Die Musikgesellschaft Rüderswil trat nicht nur auf, sondern organisierte auch das Vorbereitungskonzert. / Bild: Rebekka Schüpbach (srz)
Emmental: Die Musikanten sind los! Zahlreiche Blasmusikvereine bereiten sich auf das Eidgenössische Musikfest (EMF) vor. Im Emmental findet zudem die Woche der Blasmusik statt.
Draussen schien die Sonne, doch in der Kirche Rüderswil herrschte am Samstagabend höchste Konzentration. Musikanten aus Hasle-Rüegsau und Grünenmatt rückten ihre Notenblätter zurecht und kontrollierten ein letztes Mal ihre Instrumente. Das Vorbereitungskonzert fürs Eidgenössische Musikfest konnte beginnen. Sieben Vereine würden nacheinander ihre beiden Stücke einer Jury vortragen. Quasi die Hauptprobe vor dem Eidgenössischen. Es findet vom 14. bis 17. Mai in Biel statt - ganze zehn Jahre nach der letzten Ausgabe. «Rund die Hälfte aller Blasmusikvereine des Verbandes macht beim diesjährigen EMF mit», weiss der Co-Leiter des Emmentaler Musikverbandes, Christian Siegenthaler. Während drei Tagen messen sich dort Vereine aus der ganzen Schweiz in verschiedenen Kategorien. Jede hat ihr eigenes Aufgabestück und jeder Verein ein individuelles Selbstwahlstück. «Bewertet werden die perfekte Interpretation, ein schönes Zusammenspiel und das Ganze soll musikalisch vorgetragen werden», erklärt Siegenthaler die Bewertungskriterien. Die Marschmusik wird separat beurteilt. Hier benotet die Jury zwar auch das Musikalische. Wichtig seien jedoch auch das Erscheinungsbild und synchrones Marschieren.
Häufigeres Üben vor dem EMF
Alle Aufgabestücke wurden von Schweizer Komponisten extra fürs EMF geschrieben, auch jenes für die Kategorie 3. Klasse Harmonie. «Wir hatten zehn Wochen Zeit, um ‹Bouffonneries› von Benedikt Hayoz einzustudieren», erklärt Anita Bühlmann, Dirigentin der Musikgesellschaft Rüderswil. Besonders herausfordernd sei es, bei den Vorbereitungen die Balance zu finden zwischen dem Feilen an einzelnen Passagen und dem Vermeiden, sich in Details zu verlieren - so dass die Musikantinnen und Musikanten motiviert am Ball bleiben. Dafür sorgt sie auch beim Selbstwahlstück. Im Verein einigte man sich auf «Cleopatra - The last Queen of Egypt» von Thierry Deleruyelle. Ein Werk, das zwar anspruchsvoll, aber gleichzeitig auch abwechslungsreich und melodiös ist. Neben den musikalischen Zielen ist Bühlmann der Weg dorthin wichtig. Es sei ähnlich, wie vor jedem Konzert: «Bis einen Monat vorher üben wir jeweils einmal pro Woche gemeinsam, danach zweimal pro Woche. Zusätzlich finden Registerproben sowie ein Probewochenende statt», berichtet die Dirigentin.
Musik und Kameradschaft
Einer der 53 Musikanten ist Heinz Beer, der seit 45 Jahren als Klarinettist in Rüderswil aktiv ist. «Der Probeaufwand hält sich in Grenzen, da alle Beruf und Hobby unter einen Hut bringen müssen», erklärt er. Für ihn steht bei der Teilnahme am Eidgenössischen Musikfest vor allem eines im Zentrum: das gemeinsame Erlebnis. «Wir sind ein ländlicher Dorfverein, der neben dem Musikalischen auch die Kameradschaft lebt», betont Beer. Auf die Frage, welchen Platz sie am Eidgenössischen erreichen möchten, sagen Heinz Beer und Anita Bühlmann schmunzelnd: «Wir sind durchaus ambitioniert und haben eine Vorstellung davon, welche Punktzahl wir erreichen möchten. Aber das behalten wir für uns!» In der Kirche wechselten sich den ganzen Abend hindurch die Musikanten ab. Nebst den bereits genannten Vereinen traten Rinderbach, Eggiwil, Schüpbach sowie die Stadtmusik Burgdorf auf. Alle wurden von Experten beurteilt und erhielten nach ihrem Auftritt eine Rückmeldung. Danach stand für die meisten der gemütliche Teil auf dem Programm. Nur für die Rüderswiler noch nicht: Als Organisatoren des Vorbereitungskonzertes sorgten sie bis in die Nacht hinein fürs Wohl ihrer Gäste.