Wie tanken Blaulichtorganisationen bei einem Stromausfall?

Wie tanken Blaulichtorganisationen bei einem Stromausfall?
Die Notbetankung an der Zapfsäule im Katastrophenfall könnte so aussehen wie hier bei der Demonstration in Zollbrück. / Bild: Max Sterchi (mss)
Zollbrück: Das RFO Region Langnau gewährleistet künftig, zusammen mit der Landi, die Notbetankung von Rettungs- und Sicherheitsfahrzeugen bei einem längeren Stromausfall.

Jederzeit kann es zu längeren Stromausfällen, verursacht durch starke Schneefälle, Unwetter, Blitzschlag oder Überschwemmungen, kommen. Auch technische Störungen, Cyber-Vorfälle oder kriegerische Ereignisse können zum Erliegen der Stromversorgung oder gar einem Blackout führen. Dadurch würde die Betankung von Fahrzeugen oder Gerätschaften verunmöglicht, auch für die Blaulichtorganisationen. Dieses mögliche Szenario hat das Regionale Führungsorgan (RFO) Region Langnau zum Anlass genommen, ein Konzept für die Notbetankung umzusetzen. Künftig ist diese für Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit (Bors) gewährleistet.


Nicht für private Verbraucher

Zur Umsetzung dieses Projektes habe sich die Landi-Tankstelle in Zollbrück aus verkehrstechnischen, aber auch aus Platzgründen als sehr geeignet herausgestellt, erklärten die Verantwortlichen des RFO an der Informationsveranstaltung. Das Führungsorgan setzt sich aus neun Gemeinden des Oberen Emmentals zusammen und unterstützt und entlastet die jeweiligen Gemeindeexekutiven bei der Bewältigung von Katastrophen und Notlagen. 

Dabei machte Stefan Rüfenacht, Chef des RFO Region Langnau, deutlich, dass die Notbetankung nicht für private Verbraucher eingerichtet wird. Sie soll ausschliesslich für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zur Verfügung stehen. «Das umfasst die Blaulichtorganisationen, den Zivilschutz, die Gemeinden, die Spitex und weitere systemrelevante Organisationen oder Einrichtungen», erklärte Rüfenacht. Das Herzstück der Notversorgung bildet das mobile Notstromaggregat mit einer Leistung von 20 Kilovoltampere, mit dem zwei Tanksäulen und der Raum des Shops betrieben werden können.


Strukturierter Ablauf

Die eingeladenen Gemeindevertretenden, Behörden und Einsatzkräfte der Rettungs- und Sicherheitsdienste erhielten an der Veranstaltung einen ersten Eindruck, wie die Notbetankung ablaufen könnte. Die Verantwortlichen gingen in ihren Überlegungen davon aus, dass die Tankstelle bei einem solchen Ereignis für die Öffentlichkeit geschlossen wäre. Der Zugang für Fahrzeuge mit einer Spezialbewilligung würde über eine separate Zufahrt erfolgen, wo auch die Berechtigung genauestens überprüft würde. Die Betankung würde nach Verbraucherin oder Verbraucher erfasst und nachträglich in Rechnung gestellt. Das RFO schätzt, dass pro Woche rund 50'000 Liter Betriebsstoffe benötigt werden könnten, was die Betankung von rund 1000 Fahrzeugen ermöglichen würde.


Bis zu sieben Tage autonom versorgt

Wie Stefan Rüfenacht ausführte, dient diese Anlage - seines Wissens die erste dieser Art an einer öffentlichen Tankstelle - zur autonomen Versorgung des Oberen Emmentals in einer Notlage bis zu sieben Tagen. Die Notbetankung sei von den neun Trägergemeinden initiiert worden, die auch den Grossteil der Gesamtkosten von rund 30'000 Franken bezahlt hätten, so Rüfenacht. «Ich bin gespannt, ob das erarbeitete Konzept den Anforderungen in der Praxis zu genügen vermag», meinte er. Das werde sich an den geplanten jährlichen Testübungen wohl zeigen.

30.04.2026 :: Max Sterchi (mss)