Der Halbfinal ist Endstation für die Skorps

Der Halbfinal ist Endstation für die Skorps
Riesige Enttäuschung bei den Spielerinnen von Skorpion Emmental nach der Niederlage gegen die Wizards. / Bild: Janine Sahli (jsb)
Unihockey: Skorpion Emmental muss sich den Wizards Bern Burgdorf geschlagen geben, die erstmals in den Superfinal einziehen. Damit endet auch die Karriere von Lea Hanimann.

Der Optimismus bei den Fans von Skorpion Emmental war gross vor einer Woche, hatte ihr Team doch Spiel 4 der Halbfinalserie gegen die Wizards Bern Burgdorf klar gewonnen und die Halbfinalserie auf 2:2 aus­geglichen. «Wir sind sehr schlecht gestartet, haben uns aber innerhalb der Serie gesteigert», sagt Skorps-Stürmerin Lea Hanimann. Und doch folgte am Wochenende die Ernüchterung, denn eine weitere Steigerung blieb aus. 3:5 verloren die Skorps am Donnerstag in Burgdorf, 1:3 am Samstag zuhause in Zollbrück. Die Wizards, die eine überragende Saison spielen und bereits den Qualifikationssieg geholt haben, ziehen in den Superfinal ein und fordern dort am Samstag den Serienmeister Kloten-Dietlikon Jets.


«Selten alle drei Linien performt»

Was sind die Hauptgründe, dass es nicht für einen neuerlichen Final­einzug gereicht hat? «Neben dem schlechten Start in die Serie waren wir insgesamt einfach zu wenig konstant», sagt Hanimann. «Praktisch in keinem Spiel konnten alle drei Linien gleichzeitig performen.» Sinnbildlich war die Partie vom Donnerstag. Hanimann erzielte bei der 3:5-Niederlage alle drei Skorps-Tore. Lea Hanimann betont: «Die Coaches haben uns einen guten Gameplan mitgegeben, aber wir konnten ihn zu wenig umsetzen.» Der Wille war den Spielerinnen der Skorps am Samstag definitiv anzumerken. Besonders im ersten Drittel waren sie klar spielbestimmend, gingen aber trotzdem mit einem Rückstand in die Pause. «Das darf gemessen an den Spielanteilen und Torchancen nie passieren», sagt Hanimann. Hinzu kam auch das fehlende Wettkampfglück - das einzige Tor ihrer Linie wurde aberkannt, weil der Ball zerdrückt war. Die Wizards, die im Gegensatz zur Vorwoche etwas kompakter verteidigten, liessen im restlichen Spielverlauf wenig zwingende Chancen zu. So gelang den Skorps nur ein einziger Treffer - Topskorerin Eliska Chuda schloss einen Konter sehenswert ab.


Trotz allem positive Bilanz

So hat es auch diese Saison nicht für den langersehnten Titel für Skorpion Emmental gereicht. Der Cupfinal ging gegen Zug United knapp verloren, in der Liga nun das Aus im Halbfinal. Dennoch zieht Hanimann insgesamt ein positives Fazit. «Wir haben uns über die ganze Saison hinweg extrem verbessert.» Zu Beginn habe es überall geheissen, das Kader sei diese Saison schwächer. Dennoch habe man einen Weg gefunden, wieder ganz an der Spitze mitzuspielen.


Hanimann hört auf

Auch auf die kommende Saison hin wird es im Team zu einigen Änderungen kommen (siehe Kasten). Lea Hanimann hat sich entschieden, ihre Karriere im Alter von 29 Jahren zu beenden. Mit ihr verlieren die Skorps eine absolute Leistungsträgerin. Nach neun Jahren in der höchsten Liga bei Burgdorf wechselte sie 2021 zu den Skorps, für die sie in 136 Spielen 172 Scorerpunkte erzielte, Vize-Meisterin wurde und dreimal Cup-Silber gewann. Ihr Rücktritt wurde am Sonntag kommuniziert, ihr Entscheid stand bereits etwas länger fest. Ausschlaggebend waren zwei Punkte: «Zum einen wollte ich aufhören, solange ich noch Freude habe und Leistung bringen kann. Zum anderen hatte ich immer Lust auf andere Sportarten und weiss seit Jahren, dass ich diese auch noch aktiv ausüben will.» Sie werde demnächst einige Probetrainings absolvieren - etwa im Tennis, Fussball oder Hip-Hop. Irgendwann wolle sie auch dem Unihockey in irgendeiner Funktion etwas zurückgeben, erstmal sei es aber Zeit für eine Pause. Jahrelang leistete Lea Hanimann einen enormen Zusatzaufwand für das Unihockey. Vier Jahre spielte sie im Nationalteam, gewann 2021 WM-Bronze. Nach der WM 2023 gab sie den Rücktritt aus dem Nationalteam. In dieser Zeit hatte sie ihre gesamten Ferien für die Zusammenzüge geopfert. Irgendwann sei es fast zu viel Unihockey geworden und sie habe die Freude nicht verlieren wollen. Exakt zu diesem Zeitpunkt wurden die Bedingungen für die Nationalspielerinnen besser. Arbeitstätige Spielerinnen erhielten finanzielle Unterstützung. Trotzdem bereut Hanimann ihren Entscheid nicht: «Logisch hätte mir das auch extrem geholfen. Trotzdem war es für mich der richtige Entscheid.» Stattdessen konzentrierte sie sich auf die Skorps und darauf, den jungen Spielerinnen ihre grosse Erfahrung weiterzugeben. Sorgen um ihre Teamkolleginnen macht sie sich trotz der Abgänge nicht: «Wir haben bei den Skorps immer ein geniales Team und einen super Zusammenhalt.» Dafür werde viel investiert. «Wir sind individuell oft nicht das bessere Team gewesen. Aber mit Teamgeist kommt man unglaublich weit, und das wird auch in Zukunft so sein.»

Ein Grossteil des Kaders steht bereits

Schon länger kommuniziert war, dass Nationalspielerin Naja Ritter auf die kommende Saison hin die Skorps in Richtung Schweden verlässt. Lea Hanimann tritt zurück und Topskorerin Eliska Chuda kehrt zurück in ihre Heimat Tschechien. Damit fehlen kommende Saison drei Teamstützen. Anfang Woche gaben die Skorps dafür drei Neuzugänge bekannt: Die 21-jährige tschechische Stürmerin Katerina Strnadova kommt von den Bohemians aus Prag ins Emmental. Mit Jana Steinmann (von den Wizards) und Mia Scherler (Zug United) kommen zwei talentierte Spielerinnen mit Jahrgang 2006 neu zu den Skorps. Dann haben die Skorps eine Reihe von Vertragsverlängerungen zu vermelden: Captain Marylin Thomi, die Verteidigerinnen Evelina Garbare, Michelle Gerber, Jasmin Bieri, Sina Duner und Selina Lüthi sowie die Stürmerinnen Aline Marti, Janine Salzmann, Corin Haldemann und Sheryl Kiener bleiben dem Team erhalten. Und auch die Torhüterinnen Ladina Töndury und Valerie Gasser spielen nächste Saison für die Skorps. Dann nicht mehr in Zollbrück, sondern neu im Forum Sumiswald.

23.04.2026 :: Micha Strohl (msz)