Kunstwerke zwischen Beton und Balance

Kunstwerke zwischen Beton und Balance
Auf der Fensterbank, umrahmt von einem Mobile, guckt ein Vogel in die Welt hinaus. / Bild: Karl Johannes Rechsteiner (kjr)
Langnau: Alle zwei Jahre verwandelt sich das Wohnhaus von Barbara Flückiger an der Haldenstrassse in eine Bühne für besondere Figuren, Bilder, Objekte und Mobiles.

Nach der Kirche in Langnau zeigt der Wegweiser nach oben - zu Fuss, bis zur Haldenstrasse 23f hinauf, wird es zum Schluss ziemlich steil. Bei den Zwischenhalten schweift der Blick in Vorgärten, zu schmucken Häusern und in die Landschaft - die Aussichten selber sind schon Kunstwerke. Damit spielt auch die Kunstausstellung von Barbara Flückiger und Pedro Brunner. Denn die Fenster in den hellen Räumen führen hinaus in die Weite. Drinnen und davor jedoch schwanken kleine, rundliche Glassteine in durchsichtigen Farben, als Mobile angehängt an feinen Metallstäbchen, während gleich daneben dünne Metallstreifen ebenso tänzelnd die Schwere ihres Materials überwinden. Auf der Fensterbank lugt ein bunter Vogel in die Welt hinaus und schaut den Wolken zu.


Von coolen Typen angeschmunzelt

Die Szene an einem der Fenster ist sinnbildlich für die Präsentation der Arbeiten der fünf Leute, die heuer

bei Barbara Flückiger ausstellen. Seit Ende der 1990er-Jahre lädt sie jeweils zwei, drei Kunstschaffende dazu ein. Und so lassen sich in allen Zimmern, Ecken, Wänden und Gängen vorder- und hintergründige Bilder entdecken. Flächige, kräftige Farbkompositionen ziehen uns beim Betrachten in die Tiefe - mit Acrylfarbe gemalt von Beatrice Baumeler Roth. Plötzlich stehen unscheinbar ein paar handgrosse, coole Typen auf einem Mäuerchen - sie schmunzeln einen durch Mini-Sonnenbrillen an. Man merkt kaum, dass nur ihre Oberkörper auf einem kleinen Sockel in die Luft gucken und dass die Körper aus Zement geformt sind. Der schwere Baustoff, oder auch Papier und Ton, werden durch die Hand von Chrige Lanz aus Spiez fast zu einem orga­nischen Material. Aus Draht fertigt die Künstlerin zudem auf kleinstem Raum dreidimensionale Strichmännchen, Kinder und Frauen an - wie Skizzen lässt sie Figurinen entstehen, die sofort ein Lächeln hervorzaubern.


Überraschende Entdeckungen

Diese listigen Geschöpfe bevölkern das Haus zusammen mit knorrigen Gestalten, gewachsen aus Holz, ab­gesägt im Wald, als hätten sie sich gesträubt, in ordentlichen Scheiterbeigen auf einen Winter zu warten. Störende Stämme, zornige Zweige und anstrengende Astlöcher hat Franz Kuster fein säuberlich geputzt und in Augenschmeichler verwandelt: «Nein, ich suche kein Schwemmholz, das ist zu geschliffen», erklärt der Entlebucher. Seine Holzobjekte muss er nicht verändern, sie offenbaren von sich aus immer wieder die Natur ihres Charakters. Nach wochenlanger Arbeit an einem verästelten und verwachsenen knorpligen Holzgebilde hat er eben gerade erst, versteckt wie in einem Vexierbild, ein geheimes Gesicht entdeckt, das ihn beobachtet.


Filigrane Mobiles

Zwischen all den weit über hundert Werken schweben hier und dort die Mobiles. «Wir sind keine Künstler, sondern Kunsthandwerker», erklärt Pedro Brunner aus Signau die Arbeit an den filigranen Objekten. Die Mobiles werfen Schatten, bewegen sich und bilden überraschende, neue Ansichten. Es sind quasi dynamische Skulpturen im Raum, irgendwo im Gleichgewicht zwischen Wind und Stille. Mal hängt ein Schlüssel mittendrin, oder ein Stück Plexiglas fliegt neben Vogelfedern. Die Mobiles auszubalancieren, benötigt vier Hände, und so entstehen seine Luftobjekte in Kooperation mit der Gastgeberin Barbara Flückiger. Sie hat ihr Haus möglichst leergeräumt, um Raum zu schaffen für die Ausstellung, die noch bis am Sonntag jeweils am Nachmittag geöffnet ist.

23.04.2026 :: Karl Johannes Rechsteiner (kjr)