Die kleinen, unscheinbaren Zecken können für uns gefährlich, aber auch nützlich sein. / Bild: Pixabay
Natur: Zeckenstiche sind nicht nur unangenehm, sondern sie können auch ernsthafte gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Die Suva weist auf Gefahren und Schutz hin.
Es ist wieder so weit - mit den steigenden Temperaturen beginnt in der Schweiz die Zeckenzeit. Die Daten der Schweizer Unfallversicherer zeigten einen klaren Trend, schreibt die Suva in einer Medienmitteilung. In den letzten Jahren seien deutlich mehr Zeckenstiche gemeldet worden. «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um sich zu schützen», betont die Suva.
Blutsauger und Nahrungsquelle
Zecken gehören zu den Milben und sind mit ihren acht Beinen Spinnentiere. Was wir in der Umgangssprache als Zeckenbiss bezeichnen, ist eigentlich ein Zeckenstich. Die Parasiten können gemäss Zecken-stich.ch bis zu zehn Jahre ohne Nahrung überleben. Für Wachstum und Fortpflanzung benötigen sie aber zwingend Blut. Deshalb schneiden sie mit einem scherenartigen Mundwerkzeug die Haut eines Wirts an einer geeigneten Stelle auf und stechen mit ihrem Stechrüssel ins Gewebe. Dann beginnen sie, zu saugen. Dabei geben sie Speichel in die Wunde ab, der Entzündungsreaktionen unterdrückt und das Schmerzempfinden hemmt, damit der Wirt sie nicht abwehrt. Der Blutverlust ist für die Gestochenen selten ein Problem, der abgegebene Speichel kann jedoch Krankheitserreger enthalten, die so zwischen den Wirten ausgetauscht werden können. Die Parasiten stellen gemäss einer Geo-Reportage aber auch eine wichtige Nahrungsquelle dar, zum Bei-spiel für Vögel, und sie erfüllen zentrale Funktionen im Ökosystem. Ihr Wirken und Fehlen mache sich im-mer dann bemerkbar, wenn fremde Arten in neue Lebensräume vordringen, dort auf keine störenden Parasiten treffen und sich deshalb rasant ausbreiten können.
Ein wachsendes Risiko in der Schweiz
Zecken sind in der Schweiz weit verbreitet und kommen in immer mehr Regionen vor; das ganze Land gelte inzwischen als Risikogebiet, schreibt die Suva. Seit dem Jahr 2005 ist die Zahl der gemeldeten Zeckenstiche deutlich gestiegen. Zwischen 2005 und 2009 wurden jährlich rund 9'000 Zeckenstiche als Unfälle gemeldet. Zwischen 2020 und 2024 waren es bereits über 14'000 (siehe untenstehende Grafik). «Ein möglicher Einflussfaktor für die Zunahme ist das Klima», steht in der Mitteilung der Suva. Mildere Temperaturen begünstigten die Ausbreitung der Zecken und verlängerten ihre Aktivitätszeit. Gleichzeitig hielten sich die Menschen mehr im Freien auf. Das Wetter, beziehungsweise die Temperaturen, seien folglich auch der Hauptgrund für die jährlichen Schwankungen. Auf eine klassische «Hochsaison» sei dabei immer weniger Verlass, so die Suva. Durch mildere Temperaturen können Zecken in der Schweiz gemäss Mitteilung nahezu ganzjährig aktiv sein. In warmen Wintern werden sie früher aktiv und bleiben länger auf Nahrungssuche.
Welche Gefahren bestehen?
Die meisten Zeckenstiche bedeuten für die Betroffenen keine bleibenden Folgen, aber es besteht die Möglichkeit der Übertragung von Krankheitserregern. Die wichtigsten sind, wie die Suva meldet, Borreliose und FSME. Die Borreliose ist eine bakterielle Infektion, die zu Haut-, Nerven- oder Gelenkbeschwerden führen kann. Behandlung mit Antibiotika sei möglich, so die Suva, es gebe keine Impfung. Rund neun Prozent der registrierten Zeckenstiche führen gemäss Statistik zur Diagnose Borreliose. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, kann zu bleibenden Schäden führen. Die Viruserkrankung kann Gehirn sowie Hirnhaut betreffen. Eine Impfung schütze, eine spezifische Therapie gebe es nicht. Erkrankungen an FSME sind gemäss Mitteilung viel seltener als an Borreliose, weniger als ein Prozent der registrierten Fälle führen zu dieser Diagnose.
Zecken richtig entfernen
«Zecken sollten möglichst rasch entfernt werden. Je länger sie Blut saugen, desto höher ist das Risiko einer Infektion», schreibt die Suva. Man soll die Zecke mit einer Pinzette oder Zeckenzange - oder notfalls mit den Fingernägeln (nicht quetschen) - möglichst hautnah greifen und langsam gerade (nicht drehen) herausziehen. Hausmittel wie Öl soll man meiden. Anschliessend die Stelle gut desinfizieren. Bei Symptomen wie einer sich ausbreitenden Rötung der betroffenen Stelle, Fieber oder Kopfschmerzen empfiehlt die Suva, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Ein Zeckenstich gilt rechtlich als Unfall. Die Kosten dafür werden deshalb von der Unfallversicherung übernommen.