Sie sind dem Moos in Wiesen auf der Spur

Sie sind dem Moos in Wiesen auf der Spur
An sonnigen Standorten wuchert das Moos weniger. / Bild: Bruno Zürcher (zue)
Biosphäre Entlebuch: Bauern klagen, dass in ihren extensiv bewirtschafteten Wiesen immer mehr Moos wuchert. Nun liegen die ersten Resultate von detaillierten Untersuchungen vor.

Manches war nachvollziehbar und von Landwirten und Landwirtinnen, die sich letzten Mittwoch im Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Schüpfheim eingefunden hatten, unbestritten. Etwa, dass an nördlich ausgerichteten und damit schattigeren Hängen tendenziell mehr Moos in den Wiesen wächst. «Die Ausrichtung hat einen grossen Einfluss auf das Vorkommen von Moos», hielt denn auch Nadine Reichert, eine der beiden Referentinnen, fest und untermauerte ihre Aussage mit Grafiken. Während sie auf nördlich ausgerichteten Wiesen bei 75 Prozent der Messpunkte Moos registriert hatte, lag der Median bei einer südlichen Exposition unter 20 Prozent. Folglich dürften Landwirte, die ihre Biodiversitätsförderflächen (siehe Kasten) an Nordhängen angelegt haben, mehr mit wucherndem Moos zu kämpfen haben.


Der Einfluss der Geländeform

Nadine Reichert berücksichtigte in ihrer Erhebung, die sie im Rahmen ihrer Masterarbeit in Umweltwissenschaften durchführte, auch die Form des Geländes. Wächst Moos besonders stark auf Kuppen? Im oberen oder unteren Teil eines Hangs? An flachen Standorten? Oder in Mulden? Hier lagen alle Werte eng beieinander - mit einer Ausnahme: In Mulden hat die Wissenschaftlerin im Schnitt nur an halb so vielen Stellen Moos festgestellt. «Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass ich die Untersuchungen im eher nassen Sommer 2024 durchgeführt habe», meinte Nadine Reichert. «Daher hat sich vielleicht in den Muldenlagen so viel Wasser angesammelt, dass es sogar den Moosen, die ja grundsätzlich eher feuchteren Boden bevorzugen, zu nass war.» Landwirte argumentierten indes, dass in Mulden weniger Moos wachse, weil sich dort Nährstoffe ansammeln und die Moose magere Standorte bevorzugen würden.


Kein messbarer Einfluss der Düngung

Im zweiten Referat am Informationsanlass «Vermoosung von extensiv und wenig intensiv genutzten Flächen - was steckt dahinter?» wurde die obige These der Landwirte widerlegt. Leila Scheiwiller, die ebenfalls ihre Masterarbeit zu diesem Thema erstellt, zeigte auf, dass mehr Dünger nicht automatisch weniger Moos bedeutet. Die mittlere Bedeckung mit diesen Pflanzen war im Median bei extensiven Wiesen wie auch bei wenig intensiven Flächen mit einer Mistgabe fast genau gleich hoch. «Interessant war aber», erklärte Leila Scheiwiller, «dass Wiesen, auf denen zwar etwas Mist ausgebracht werden könnte, aber dies seit Jahren nicht gemacht wird, deutlich weniger mit Moos bedeckt sind.» 

«Dass die Düngung keinen Einfluss auf das Moos hat, ist ihre Meinung», meinte ein Landwirt. «Ich bin überzeugt, dass die Düngung sehr wohl einen Einfluss hat.» Scheiwiller betonte, dass diese Erkenntnis nicht ihre Meinung, sondern das Resultat ihrer Untersuchung sei. Sie hatte mehr als 50 Flächen, welche alle nach Westen ausgerichtet sind und sich auf verschiedenen Höhenstufen befinden, ausgewertet.


Das Vieh frisst kein Moos

Die Landwirte erhofften sich von den Untersuchungen in erster Linie Erkenntnisse, wie sie das Moos in ihren Wiesen zurückdrängen können - zugunsten von Gräsern und Kräutern. «Man ist ja gezwungen, die Matten gleichwohl zu heuen», meinte ein Landwirt. «Wenn aber am Ende das Moos alles überwuchert, ist das Heu so schlecht, dass das Vieh dieses gar nicht fressen will.» Viel Moos birgt zudem ein Unfallrisiko, wie ein an­derer Bewirtschafter erklärte: «Das Miesch, wie wir sagen, trägt viel weniger gut als die Gräser. Man stürzt mit den Fahrzeugen viel eher ab, wenn es viel Moos hat.» Leila Scheiwiller konnte den Bauern immerhin zwei Tipps mitgeben. Sie stellte fest, dass auf Flächen, die im Herbst beweidet werden, weniger Moos wächst als auf solchen, die ausschliesslich gemäht und geheut werden. «Ob Schafe oder Rinder geweidet werden, spielt aber keine Rolle», fügte sie an. «Einen Einfluss hat aber die Dauer der Beweidung; je länger die Tiere dort sind, desto weniger Moos hat es.» Weiter ergaben ihre Untersuchungen, dass tendenziell früher gemähte Flächen weniger Moos aufweisen. Die Autorinnen wie auch die Landwirte waren sich einig, dass weitere Untersuchungen in Sachen Moos sinnvoll wären. Beispielsweise könnten die Böden an den Standorten genauer analysiert werden. Gut möglich, dass sich das Landwirtschaftsforum der Biosphäre, das die beiden Arbeiten in Auftrag gegeben hat, sich bald wieder dem Thema «Vermoosung» annehmen wird.

Was sind extensive und wenig intensive Wiesen?

Für den sogenannten ökologischen Leistungsnachweis - er berechtigt, Direktzahlungen zu beantragen - müssen landwirtschaftliche Betriebe eine Reihe an Vorgaben erfüllen. Eine davon verpflichtet sie, mindestens sieben Prozent
der landwirtschaftlichen Nutzfläche zur Förderung der Biodiversität zu verwenden. «Extensive Wiesen» sowie «wenig intensive Wiesen» sind die am häufigsten gewählten Biodiversitätsförderflächen. Während extensive Wiesen gar nicht gedüngt werden dürfen, ist es bei wenig intensiven Wiesen erlaubt, etwas Mist auszubringen. Beiden Arten ist gemein, dass sie später gemäht werden als «normale» Wiesen, die rein der Futtergewinnung dienen. Damit wird eine hohe Vielfalt an Pflanzen angestrebt. Wachsen auf den Flächen regelmässig klar definierte Pflanzenarten, können die Landwirte zusätzliche Beiträge erlangen.

16.04.2026 :: Bruno Zürcher (zue)