Das Ziel ist es, den Veloverkehr möglichst auf separaten Wegen, abgetrennt von der Strasse, zu führen. / Bild: Silvia Wullschläger (sws)
Emmental: Ein attraktives Velowegnetz für den Alltagsverkehr schaffen, dies ist das Ziel der Regionalkonferenz. Bis 2043 soll die Planung umgesetzt sein. Knackpunkt sind die Kosten.
In den letzten Jahren hat der Veloverkehr an Bedeutung gewonnen. Das Fahrrad wird heute nicht mehr ausschliesslich in der Freizeit oder auf Kurzstrecken eingesetzt, sondern zunehmend für Alltagswege - auch dank E-Bikes. «Damit gewinnt der Veloverkehr eine neue strategische Bedeutung für die regionale Erschliessung, die Anbindung der Zentren sowie die Verknüpfung mit dem öffentlichen Verkehr», steht im Mitwirkungsbericht zur Regionalen Velonetzplanung Emmental. Die Unterlagen sind bis 31. Mai auf der Webseite der Regionalkonferenz Emmental einsehbar. Das Bundesgesetz verpflichtet die Kantone, bis 2028 Velowegnetze zu planen und diese bis 2043 umzusetzen. Die kantonale Planung erfolgt in Zusammenarbeit mit den Regionen.
90 Schwachstellen aufgelistet
Wesentlich für ein attraktives und damit gut genutztes Velowegnetz sei die Qualität und die Sicherheit der Infrastruktur, sagt Adrian Zemp, Präsident der Kommission Mobilität der Regionalkonferenz Emmental. Und hier gebe es Handlungsbedarf. Um eine Übersicht zu erhalten, seien zusammen mit den Gemeinden Schwachpunkte im bestehenden Velowegnetz ermittelt worden, erklärt Zemp. Das sind einerseits Gefahrenstellen, etwa wegen zu hoher Verkehrsbelastung durch Autos. Andererseits gehören auch Netzlücken, also Abschnitte, auf denen keine fahrbare Verbindung existiert, dazu. Insgesamt weist die Analyse 90 offene Schwachstellen auf. Zemp rechnet damit, dass während der Mitwirkung weitere dazukommen werden. Die Liste ist also lang, wie realistisch ist es, dass diese Schwachstellen alle behoben werden können? «Das ist das Ziel und daran muss man glauben und arbeiten», sagt Zemp. Zeit mit der Umsetzung habe man immerhin bis 2043. Dass es bis dann noch die eine oder andere Änderung geben werde, sei aber klar. Ebenso wichtig wie die Route ist die Möglichkeit, sein Fahrrad nah und sicher am Zielort abstellen zu können. «Insbesondere geht es um die Anbindung an den ÖV», sagt Zemp. Auch hier bestehe Handlungsbedarf. Am Bahnhof Langnau etwa sollte es gemäss Planung mindestens 225 Veloabstellplätze geben, vorhanden sind nur deren 160.
Möglichst bestehende Wege nutzen
Mit der nun vorliegenden Velonetzplanung wurde festgelegt, wo Haupt- und Nebenrouten durchführen sollen. Dabei ist, wo immer möglich, das vorhandene Strassen- und Wegnetz berücksichtigt worden. Wo keine direkten Strassenverbindungen bestehen, wurde die Strecke mit dem geringstmöglichen Umweg gewählt. Die Velowege wurden, je nach Bedeutung und Potenzial, in vier Kategorien eingeteilt (siehe Kasten); die Anforderungen an die Infrastruktur unterscheiden sich entsprechend. Je höher die Hierarchie der Veloverbindung, desto höher der geforderte Standard. Ausser in Quartieren mit Tempo 30 ist das Ziel fast immer ein separater Radweg oder ein kombinierter Fuss- und Radweg. Nur in wenigen Fällen innerorts kommen auch Radstreifen in Frage. Generell sind die Wege asphaltiert.
Die Strasseneigentümerin bezahlt
Der hohe Standard dürfte sich in hohen Kosten niederschlagen, was Adrian Zemp bestätigt. Die Umsetzung werde Kosten in Millionenhöhe verursachen. Eine Zahl könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen. Dass gerade Neubauten teuer werden, zeigt der vom Kanton geplante neue Veloweg zwischen Hasle und Oberburg. Für diesen hat der Grosse Rat einen Kredit von gut zehn Millionen Franken gesprochen. Und weil die Strasseneigentümerin verantwortlich ist für Planung, Bau und Finanzierung, werden auch die Gemeindebudgets belastet. Zemp bezeichnet die Finanzierung denn auch als grössten Knackpunkt. Dass die Investition nötig ist, daran zweifelt Adrian Zemp nicht. «Der Veloverkehr wird weiter zunehmen. Es ist wie bei einer Wasserleitung: Wenn mehr Wasser durchfliessen soll, braucht es eine grössere und stabilere Röhre.» Bis es so weit ist, dürfte noch viele Kilometer gestrampelt werden. Erst muss der Kanton den Sachplan Veloverkehr verabschieden. Dieser wird aufgrund der Planung der Regionen erarbeitet und soll Ende 2027 vorliegen.