Prachtvoll und flüchtig

Prachtvoll und flüchtig
Der Rämis­gummen ist weitherum bekannt für das Krokus­blütenmeer im Frühling. / Bild: Martin Burri (mbu)
Rämisgummen: Einzigartig in der Schweiz und alle Jahre wieder bezaubert der Riesenteppich von violetten Krokussen, durchmischt mit weissen Artgenossen, auf Hinter Rämisgummen.

«Der Schnee ist mehrheitlich geschmol­-zen», so die Information auf der Internetseite der Gemeinde Eggiwil zur alljährlichen Krokus­pracht auf Rämisgummen. Diese Zeilen sind für viele Startschuss, um in Wanderschuhen, auf dem Velo oder im Auto den Rämisgummen anzupeilen. Denn kaum ist der Schnee geschmolzen spriessen die Krokusse und die Alpweide auf Hinter Rämisgummen erwacht aus ihrem Winterschlaf. Die braungrüne Fläche verwandelt sich in ein viloett-weiss leuchtendes Blütenmeer. Die Krokusse begeistern Jahr für Jahr wetterabhängig und nur für kurze
Zeit, meist Ende März bis anfangs April, hunderte von Besuchenden. «Weil es immer wieder schön ist, komme ich fast jedes Jahr hierhin und labe mich an der einzigartigen Blütenpracht», erklärt eine Rentnerin aus dem Kanton Solothurn.

Auch ein Ehepaar aus dem Luzerner Hinterland sitzt staunend umringt von Blüten. «Uns wurde dieser Ausflug von Bekannten empfohlen», erklärt das Paar. «Wir wanderten ab Bahnhof Trubschachen über Houenenegg und Käserenegg hier hinauf. Der Anblick dieses wunderschönen Naturschauspiels ist Lohn für den schweisstreibenden Aufstieg.» Festgehalten wird das Erlebnis, wen wunderts, mit x-fachen Klicks mit der Handykamera aus allen Lagen.

Früher noch fast unbekannt

«Seit ich mich besinnen mag, gibt es hier Krokusse», erklärt Landwirt Albrecht Zürcher, der auf dem Hof Käsern am Fuss des Rämisgummen aufgewachsen ist. In der Zeit seiner Kindheit hätten dies viele Leute aber gar nicht gewusst. «Erst nach dem Asphaltieren der Strasse 1979 und dank den Medien hat der Krokustourismus hier Fahrt aufgenommen», analysiert der 66-Jährige.  «Es gab eine Zeit, in der die Parkplatzsituation wenig erfreulich war. Oft kam es vor, dass die Autos bei uns irgendwo abgestellt wurden und so teils auch die Arbeiten auf dem Hof behindert haben», blickt Sohn Kurt zurück. Zusammen mit Ehefrau Christine bewirtschaftet der 36-jährige ehemalige Schwinger den Hof Käsern heute in vierter Generation.

Die Parkierungssituation sei heute glücklicherweise besser. «Viele wandern hinauf auf den Rämisgummen oder nehmen die Strecke per Velo unter die Räder», sagt Kurt Zürcher. Die Autos würden jetzt meist unten im Raum Hinter Blapbach, im Hülli oder oben auf dem Parkplatz der Alpwirtschaft Erika abgestellt. Auf dem Hof sei der Verkehr aktuell kaum mehr störend, ergänzt auch Christine Zürcher. «Es sind derzeit vielmehr die Wanderer oder die Fahrradfahrer, die sich bei
ihrer Tour vom regen Autoverkehr hinauf zum Rämisgummen gestört fühlen», betont Albrecht Zürcher abschliessend.

Dass das Gebiet beim Rämisgummen zur Blütezeit der Krokusse für viele als Ausflugsziel ausgewählt wird, dafür zeigt Christine Zürcher durchaus Verständnis. «Auch ich geniesse die Krokuspracht alle Jahre wieder, denn sie ist immer wieder wunderschön!», meint sie und strahlt.

16.04.2026 :: Martin Burri (mbu)