Wie aus dem Entlebuch eine Modellregion wurde

Wie aus dem Entlebuch eine Modellregion wurde
Hella Schnider, Pius Kaufmann, Michel Charrière, Rahel Wunderli, Engelbert Ruoss, Florian Knaus (von links) / Bild: Ruedi Emmenegger (ers)
Schüpfheim: Der Historische Verein Entlebuch und die Unesco Biosphäre organisierten zu deren 25-jährigem Bestehen einen Rück- und Ausblick mit Referat und Podiumsdiskussion.

Zusammen mit dem Historischen Verein Entlebuch hatte die Biosphäre zum Rückblick und Ausblick anlässlich ihres 25-Jahr-Jubiläums eingeladen. Angeleitet von Michel Charrière diskutierten Engelbert Ruoss, ehemaliger wissenschaftlicher Leiter, Florian Knaus, aktueller wissenschaftlicher Leiter, Pius Kaufmann, ehemaliger Präsident, sowie Hella Schnider, derzeitige Präsidentin, auf dem Podium.

Ruoss freute sich rückblickend darüber, dass sich die Pioniere Fritz Lötscher, Theo Schnider und er so gut ergänzt hätten. Der anfängliche Widerstand aus Bauernkreisen habe sie gestärkt. Die Feier zur Übergabe des Unesco-Zertifikats 2002 sei ein eindrückliches Volksfest gewesen. «Die Einbindung der Bevölkerung ist als weltweites Novum gelobt worden.»

Pius Kaufmann betonte, dass die UBE als offizielle Biosphären-Modellregion und Pionierin der Schweizer Naturpärke angesehen werde. Bei der Vergabe der Bundesmittel sei zum Nachteil des Entlebuchs ein Ausgleich gesucht worden, was Interventionen auf höchster Ebene nötig gemacht habe. Wichtig sei nach wie vor der direkte Land-Stadt-Austausch, denn «wenn die städtische Bevölkerung mit den Muskeln spielt, haben wir ein Problem», so Kaufmann.


Die Partizipation bleibt essenziell

Eines seiner Lieblingsprojekte im wissenschaftlichen Bereich sei jenes, das Naturwissenschaftler mit Künstlerinnen zusammengebracht und ungewohnte Resultate generiert habe, erklärte Florian Knaus. Daraus sei das «Reallabor Mobilität» entstanden.

Hella Schnider spürt als Gemeinde- und Kantonsrätin «den Puls der Bevölkerung». Widerstände gegen die Biosphäre gebe es noch vereinzelt, wenn auch abgeschwächt. Das Spannungsfeld zwischen Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft bleibe bestehen. Einzigartig und wertvoll in der Pärkelandschaft sei die Ausscheidung von Schutz- und Entwicklungszonen. In der Fragerunde zeigte ein Votant Verständnis für Aussagen wie «Ich brauche keine UBE», solange sich die «echt Entlebuch»-Produkte nicht besser verkaufen liessen.

Die Podiumsteilnehmenden meinten schliesslich, dass das noch fehlende Besucherzentrum auf gutem Weg sei. Über die Biosphäre solle mit mehr Freude kommuniziert werden, vielleicht mit einem jährlichen UBE-Tag. «Die Balance zwischen Konzept und Alltag sowie zwischen ökologischen und wirtschaftlichen Bedürfnissen sollte den Leuten bewusster gemacht werden.»

«Die Lebensgrundlagen weiterentwickeln, dabei Entlebucher bleiben, Identität und Stolz bewahren», so lautet die Vision von Pius Kaufmann. Ihm falle im Nationalratssaal immer wieder das Entlebucher Wappen als einziges Regionalwappen neben den Städten auf. Was wohl damit zusammenhängt, dass der Entlebucher Josef Zemp in der Bauzeit 1902 Bundespräsident war.


Es begann vor Rothenthurm

Die Historikerin Rahel Wunderli forscht am Urner Institut der Uni Luzern zu den «Kulturen der Alpen». Ihr Referat gab Einblick in ihre Recherchen zur Entstehung der Unesco Biosphäre Entlebuch (UBE). Wunderli setzte den Beginn der «Erfolgsgeschichte Entlebuch» nicht erst bei der Annahme der Rothenthurm-Initiative von 1987 zum Schutz der Moore an. «Als Geburtshilfen sehe ich die Luzerner Regionalplanung ab 1970 und das Investitionshilfe-Gesetz von 1974. Dieses hatte den Zweck, Infrastrukturaufgaben in finanzschwachen Gemeinden des Berggebiets zu fördern», erklärte sie.

Interne Erfolgsfaktoren seien die klaren Grenzen der Talschaft und der hohe Grad sozialer Vernetzung gewesen. Als Beispiel nannte Wunderli das ausgeprägte Vereinsleben. Weiter habe die Mischung aus Führungskompetenz und Partizipationsmöglichkeit in der Organisation sowie der Entlebucher Anzeiger als Informationsquelle und Debattier-Plattform eine Rolle gespielt, so Wunderli. Auch die Fokussierung auf Regionalprodukte und das Unesco-Label hätten zum Erfolg beigeitragen, indem sie der Idee der Biosphäre ein Gesicht gegeben und Identifikation ermöglicht hätten.

02.04.2026 :: Ruedi Emmenegger (ers)