«Es wirkt etwas wilder als auf der Internetseite», sagt Therese Popovic über das Bild, das sie ausleiht. / Bild: hol
Langnau: Ein Jahr nach dem Start der Artothek fand der erste Bildwechsel statt. Leihwerke kamen zurück und zogen weiter. Es zeigt sich: Die Idee, Kunst auszuleihen, kommt an.
Bilder lehnen an den Wänden, bereit zum Verpacken. Auf einem kleinen Tisch liegen Listen und vorbereitete Verträge. Es herrscht ein ruhiges Kommen und Gehen an diesem Ausleihabend in der Artothek. Auch Therese Popovic gehört zu den Ausleihenden. «Ich brauche wieder Abwechslung an der Wand», sagt die Langnauerin und schmunzelt. Sie hat zwei Werke über die Online-Plattform reserviert: einen typografischen Druck von Emil Jenzer sowie ein Gemälde von Hans Kohler. Ihr bisheriges Bild, ebenfalls ein Druck, trägt sie unter dem Arm. «Es hing bei uns beim Esstisch. Wenn man das Zimmer betrat, fiel es sofort ins Auge», erzählt sie. Am selben Platz soll nun der neue Jenzer hängen. «Da dort bereits zwei andere Bilder sind, muss es vor allem zusammenpassen», sagt Therese Popovic. «Ich habe mich deshalb gezielt durch das Angebot der Artothek geklickt.» Das Kohler-Bild soll in den Flur kommen. «Ist der Platz wohl in Ordnung?», fragt sie Reto Mettler von der Kulturkommission. Weil das Bild lichtempfindlich ist, muss die Platzierung abgesprochen werden. Die Frage ist schnell geklärt.
Grosse Nachfrage, klare Vorlieben
Seit einem Jahr leiht die Artothek der Gemeinde Langnau Kunstwerke aus - für 25 Franken für Langnauer, 40
für Auswärtige. Zweimal pro Jahr gibt es einen Abhol- und Rückgabetermin. «Wir sind mit dem Interesse sehr zufrieden», sagt Susanne Walder, Projektleiterin der Artothek und Mitglied der Kulturkommission. Das Angebot umfasst 130 Bilder und Skulpturen, etwa 50 werden an diesem Abend ausgeliehen. Die Nachfrage ist aber grösser: Über 100 Anfragen seien eingegangen. «Viele Werke könnten wir mehrfach ausleihen, andere sind bisher nicht gefragt», so Walder. Besonders beliebt sei «alles Farbige». Zum Beispiel die Arbeiten von Eugen Jordi oder Emil Jen-zer sowie von den finnischen Kunstschaffenden Soile Yli-Mäyry und Jussi Jäälinoja. Einige Kunstwerke sind bereits bis März 2028 vorreserviert. Nicht alle wählen nach Farbe oder Stil. «Manche haben einen persönlichen Bezug», erzählt Susanne Walder. Etwa, weil jemand eine Geschichte mit einem Werk verbindet oder Hans Ulrich Schwaar kannte, aus dessen Nachlass die Werke stammen.
Das Bild, das Therese Popovic zurückgibt, wird inzwischen kurz auf Schäden überprüft. Ihr neues Werk wird in Luftpolsterfolie verpackt. «Er wirkt etwas wilder als auf der Internetseite», bemerkt Popovic. Mitnehmen will sie es trotzdem und unterzeichnet den Vertrag, der unter anderem die Versicherungsfrage bei einem Schaden regelt. Schäden habe es während des ersten Jahres jedoch keine gegebenen, sagt Susanne Walder.
Bilder müssen in Quarantäne
Einige Anpassungen waren dennoch nötig. Zurückgebrachte Werke werden neu ein halbes Jahr in einem separaten Quarantäneraum gelagert. So soll verhindert werden, dass Schädlinge wie Papierfischchen eingeschleppt werden. Der Hinweis dazu kam vom Regionalmuseum Chüechlihus, das seinen Bestand im selben Depot aufbewahrt. «Wird ein Werk direkt wieder weiterverliehen, entfällt die Quarantäne», erklärt Susanne Walder.
Angebot wird erweitert
Beim zweiten Leihwerk von Popovic gibt es ein Problem. Das Kohler-Bild konnte kurzfristig nicht zurückgebracht werden und ist noch in Zürich. Insgesamt fehlen vier Bilder an diesem Abend. «Wir suchen in solchen Fällen das Gespräch und finden individuelle Lösungen», sagt Walder. Therese Popovic nimmt es gelassen. Sie wird das Gemälde in den nächsten Tagen auf der Gemeindeverwaltung abholen können. «Dann warte ich halt ein paar Tage länger darauf.» Die Artothek will ihr Angebot ausbauen. Neue Werke sollen dazukommen. «Wir planen, im Herbst Arbeiten des Langnauer Malers Hans Gartmeier aufzunehmen», verrät Reto Mettler.