Um im Ernstfall bereit zu sein, üben die freiwilligen Retterinnen und Retter regelmässig. / Bild: zvg
Emmental/Entlebuch: Die Alpine Rettung Bern war im letzten Jahr gefordert wie nie. Vor allem im Gebirge gerieten Menschen in Not. Im Emmental und Entlebuch war es ruhiger.
399 Personen in Not wurden 2025 durch die Alpine Rettung Bern geborgen. Die 315 Einsätze liegen deutlich über dem 10-Jahres-Schnitt. Warum dies so ist, kann Ralph Näf nicht schlüssig beantworten. Er ist Präsident des Regionalvereins Alpine Rettung Bern. Dieser deckt mit seinen 500 Retterinnen und Rettern den ganzen Kanton Bern sowie Teile der Kantone Freiburg, Solothurn, beider Basel und Aargau ab. Eine Rolle spiele sicher das Wetter, sagt Näf. Im eher verregneten Juli gerieten weniger Menschen in Not als im hochdruckgeprägten Spätsommer und Herbst. Nicht bestätigen kann er das Klischee des Touristen, der mit Flip-Flops eine Bergwanderung unternimmt. «Natürlich gibt es Ausnahmen, aber in den allermeisten Fällen stimmen die Ausrüstung und auch die Vorbereitung», betont Näf. Und überhaupt würden sie das Verhalten der Leute nicht beurteilen, sondern retten, egal aus welchen Gründen jemand in Not geraten sei. Dabei arbeitet die Alpine Rettung Bern eng mit Partnerorganisationen wie Rega, Air-Glaciers, Kantonspolizei Bern und Berufsfeuerwehren zusammen.
Nicht immer kann der Heli fliegen
Die meisten der 315 Einsätze im letzten Jahr hätten im alpinen Raum stattgefunden mit Schwerpunkt Berner Oberland, erklärt Näf. Wenn immer möglich, erfolge die Rettung aus der Luft. Ein Spezialist der Alpinen Rettung begleitet die Helikopter-Crew, wenn sich die zu rettende Person in schwer zugänglichem Gebiet befindet. Bei Nebel und schlechtem Wetter dagegen rückt das Rettungsteam mit dem Auto aus und geht dann zu Fuss weiter. Die Bergrettung über den Boden sei deutlich personalintensiver, sagt Ralph Näf. Die über 500 Retterinnen und Retter der Alpinen Rettung Bern sind alle ehrenamtlich tätig. Sie sind an 365 Tagen während 24 Stunden bereit, um in Not geratenen Personen zu Hilfe zu eilen. Organisiert sind die Freiwilligen in 16 Rettungsstationen, die über das ganze Gebiet der Alpinen Rettung Bern verteilt sind. «Das lokale Wissen ist sehr wichtig», betont Ralph Näf. «Die Leute vor Ort kennen das Gelände, jeden Weg, jeden Graben und jeden Bach.» Sie fänden sich auch bei schlechtem Wetter zurecht und könnten ein Gelände engmaschig absuchen.
Vier Alarme im Emmental
Eine dieser örtlichen Rettungsstationen befinden sich im Emmental. Hier war es im letzten Jahr bedeutend ruhiger als etwa im Berner Oberland. «Wir hatten vier Alarme in unserem Einsatzgebiet. Unsere Fachspezialisten Hund und Medizin haben zudem insgesamt acht Einsätze für andere Rettungsstationen geleistet.» Dies kann der Fall sein, wenn eine Rettungsstation über keinen entsprechenden Spezialisten verfügt oder dieser abwesend ist. Das Gebiet, welches das 33-köpfige Team von Simon Stoll abdeckt, erstreckt sich von der Schrattenfluh über den Napf bis nach Wynau. Früher hätten sie öfter vermisste Personen suchen müssen, sagt Stoll. Heute komme dies seltener vor. «Die Abdeckung mit dem Mobilfunknetz ist viel besser geworden. Wenn sich ein Pilzsammler verspätet, kann er die Familie informieren und diese schlägt dann nicht Alarm», nennt er ein Beispiel. Ausserdem könne man sich mittels GPS besser selber orten und sich orientieren.
Grossaufgebot im Entlebuch
Doch die Hilfe zur Selbsthilfe gelingt nicht immer. Das bestätigt Tobias Gutheinz, Leiter der Rettungsstation Sörenberg/Entlebuch. Diese gehört zur Alpine Rettung Zentralschweiz. «Im letzten Jahr hatten wir drei Grosseinsätze, das ist im Rahmen der Vorjahre. Dabei ging es um die Suche nach Vermissten.» Jemand habe sich zum Beispiel im weit verzweigten Napfgebiet verirrt. «Unsere ganze Station, rund 30 Personen, war an diesem Einsatz beteiligt.» Der Mann konnte wohlauf gefunden werden.