Krisenzeiten als Zeiten der Klarheit

Krisenzeiten als Zeiten der Klarheit
Das Buch «Schwellenzeiten - Wandelzeiten» von Sabrina Gundert / Bild: zvg
Langnau: Autorin Sabrina Gundert war zu Gast beim Bestattungsdienst Roth in Langnau. Sie sprach über Schwellenzeiten und das Potenzial zur Neuausrichtung in schweren Krisen.

«Kompass durch Lebenskrisen» war das Thema des Abends in Langnau. Der Bestattungsdienst Roth hatte gemeinsam mit Palliative Care Bern zu diesem Anlass eingeladen. Die Autorin Sabrina Gundert war mit ihrem Buch «Schwellenzeiten - Wandelzeiten: Kraftvoll durch Lebenskrisen gehen» zu Gast. Darin geht es um die Frage, wie das eigene Leben in Veränderungsprozessen wie Tod, Trennung, Krankheit oder Kündigung weitergehen und bewusst gestaltet werden kann. Oft seien dies Zeiten, die in der Gesellschaft wenig Raum fänden, so Gundert - das Funktionieren und Weitermachen stünde im Vordergrund. Gleichzeitig hätten die Betroffenen oft das Gefühl, das eigene Leben nicht wiederzuerkennen, da der Boden unter ihren Füssen gefühlt verschwunden sei.


Sich Zeit nehmen für Reflexion

«In dieser Zeit geht es darum, sich vor allem erst einmal selbst ernst zu nehmen und sich Zeiten der Ruhe, des Innehaltens und der Reflexion zuzugestehen», sagte Sabrina Gundert. Häufig erwarte das Umfeld, dass es nach einem Lebensumbruch direkt weitergehe. Dabei ginge es vielmehr darum, sich innerlich zu sortieren und neu aufzustellen.

Gundert, die in Coachings Menschen darin unterstützt, ihren eigenen Weg zu finden, beschrieb diese Zwischenzeiten als Momente, in denen sich Prioritäten und Wünsche im eigenen Leben klären liessen: «Wenn das Bekannte weggebrochen ist, stellen wir uns oft essenzielle Fragen - was will ich wirklich? Was ist mir wichtig? Wie möchte ich weiterleben?» Krisenzeiten zeigten oft, welche Menschen für einen da seien und ob der eigene Lebensweg noch passe.


Innere Umbrüche verändern Aussen

Dabei seien es nicht nur äussere Veränderungen, die den Anstoss, das Leben zu überdenken, geben würden. Manchmal sei es auch ein innerer Bruch, der dazu führe, dass das äussere Leben nicht mehr passe, so Gundert: «Da kann es sein, dass ich montags zur Arbeit gehe und plötzlich merke, dass dies für mich nicht mehr stimmt. Auch wenn es das 20 Jahre lang getan hat. Ähnlich kann es einem auch mit Wohnort oder Beziehung gehen. Die inneren Prioritäten oder Werte haben sich fast unmerklich verschoben, bis die Veränderung plötzlich deutlich spürbar ist.» Gundert ermutigte, sich selbst nicht zu sehr unter Druck zu setzen, persönliche Fragen zu klären und sich in solchen Zeiten immer wieder Auszeiten in der Natur zu nehmen. Auch Rituale könnten Übergänge sichtbar gestalten. Am Abend war jedenfalls klar - das Thema berührt und bewegt Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und so war auch der Austausch, der nach dem Vortrag stattfand, ein intensiver.

19.03.2026 :: egs