36 Jahre kannte er die Langnauer Verwaltung in- und auswendig

36 Jahre kannte er die Langnauer Verwaltung in- und auswendig
Noch bis Ende Jahr ist Samuel Buri im Gemeindehaus anzutreffen, wo er die Verwaltung weiterhin unterstützt. / Bild: Regine Gerber (reg)
Langnau: Samuel Buri war mehr als drei Jahrzehnte Gemeindeschreiber. Anfang Jahr übergab er sein Amt an seinen Stellvertreter. Ganz verabschiedet hat er sich aber noch nicht.

Zum ersten Mal seit 36 Jahren fand die erste Gemeinderatssitzung im neuen Jahr ohne Samuel Buri statt. «Das war schon ein seltsames Gefühl», erzählt er. Nach so vielen Jahren als Gemeindeschreiber von Langnau kennt Buri jeden Winkel der Verwaltung, hat sämtliche politische Geschäfte im Kopf und weiss, wo jede Akte liegt. Über die Jahre arbeitete er mit fast 50 Gemeinderätinnen und Gemeinderäten zusammen sowie mit drei Gemeindepräsidenten. Als Gesamtleiter führte er die Verwaltung. Dazu gehörten auch die Aufgaben als Sekretär des Gemeinderates und des Grossen Gemeinderates sowie der Geschäftsprüfungs- und der Kulturkommission. Anfang Jahr übergab Buri sein Amt an seinen bisherigen Stellvertreter Clemens Friedli. Ganz in die Pension verabschiedet hat er sich jedoch noch nicht. Bis Ende Jahr unterstützt er die Gemeindeverwaltung bei Projekten und beim Wissenstransfer. «Wenn ich aber plötzlich nichts mehr zu tun habe, gehe ich früher», stellt er klar.


Als «Newcomer» gestartet

Langweilig wurde es Samuel Buri in den vergangenen 36 Jahren allerdings nie. «Ich bin wirklich jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen.» An seinen ersten Arbeitstag erinnert er sich noch gut. Am 1. Dezember 1989 wurde er von seinem Vorgänger Hans Brechbühl empfangen. «Er zeigte mir das Gemeindehaus, stellte mir mein kleines Team - eine Sekretärin und eine Lehrtochter - sowie die Mitarbeitenden der verschiedenen Abteilungen vor. Danach fuhren wir zu sämtlichen Schulhäusern und den Gemeindebetrieben, auch in den Aussenbezirken», erzählt Buri. Kurz darauf wollte er seiner Frau den kürzesten Weg von der Gohl in den Oberfrittenbach zeigen. Prompt verpasste er die richtige Abzweigung und gelangte auf «abstrusen Wegen und Holzerpfaden» ans Ziel. «Ich war ein Newcomer in der Region», sagt er. Verlaufen würde sich Samuel Buri heute kaum noch. Mit seinem Stellenantritt zogen die Buris von Langenthal, wo er stellvertretender Gemeindeschreiber war, nach Langnau. Hier sind die beiden heute erwachsenen Töchter zur Welt gekommen. Und hier wollen Samuel Buri und seine Frau auch nach der Pension bleiben.


Personalführung und Kulturföderung

Seit seinem ersten Arbeitstag hat sich einiges verändert in der Verwaltung. «Anfangs habe ich noch sehr viel diktiert und es gab noch Schreibmaschinen. Meine Sekretärin hatte eben einen Schreibautomaten erhalten», erzählt Buri. Nicht nur technisch hat sich viel verändert, sondern auch die Anzahl der Gemeindemitarbeitenden ist gewachsen. Damals waren es rund 90 Personen, die bei der Verwaltung und den gemeindeeigenen Betrieben angestellt waren, heute sind es 150. Ihnen stand Buri bis Ende Jahr als Personalchef vor. «Diese Verantwortung habe ich gerne übernommen, auch wenn negative Personalentscheide für mich das Schwierigste waren», sagt er rückblickend. Als Chef von vielen Angestellten in verschiedenen Bereichen gab es auch überraschende Aufgaben. Er führte zum Beispiel Mitarbeitergespräche mit den Tierärzten des Schlachthofs, als dieser noch zur Gemeinde gehörte. «Fachlich konnte ich allerdings nicht allzu ins Detail gehen», erzählt Buri lachend. Gewisse Aufgaben verschwanden, andere kamen neu hinzu. Besonders gerne beschäftigte sich der Gemeindeschreiber mit Grundsätzlichem. Strukturen und Prozesse interessierten ihn. «Als wir jeweils das Leitbild des Gemeinderates erarbeiteten, oder Abteilungen wie die Bauverwaltung oder die Öffentliche Sicherheit neu organisiert haben, habe ich das immer sehr gern begleitet», erzählt er. Daneben hatte Buri aber auch ein Herz für eine Aufgabe, die auf den ersten Blick nicht ganz dazu zu passen scheint: Er war Kulturbeauftragter der Gemeinde und in dieser Funktion Ansprechpartner für Veranstalter und Kulturschaffende sowie Bindeglied zu den Kulturgremien von Region und Kanton. «Das war bereichernd und spannend und eine kreative Abwechslung zur doch sehr klar geregelten Verwaltungsarbeit», sagt er.


Alle im selben Boot

Was war für ihn bei all seinen Tätigkeiten am wichtigsten? «Zu schauen, dass alle Beteiligten mit im Boot sind über die nötigen Informationen verfügen und man einander auch zuhört», antwortet er. Denn letzlich sei alles nur im Team möglich. Und genau das habe er immer geschätzt: den Austausch mit vielen unterschiedlichen Menschen.

19.03.2026 :: Regine Gerber (reg)