Kiitos (Danke) Harri – Die Botschaft der Langnauer Fans an den abtretenden Captain. / Bild: Peter Eggimann (ped)
SCL Tigers: Nach sieben Saisons ist die Ära von Harri Pesonen in Langnau zu Ende. Vor seiner Abreise nimmt sich der Captain und Publikumsliebling Zeit für ein Gespräch.
Es ist eine Verabschiedung, die weh tut. Und zwar dem Spieler genauso wie den Fans. Nach insgesamt sieben Saisons bei den SCL Tigers muss Harri Pesonen den Club verlassen. Der Vertrag des Finnen wird nicht verlängert, vorwiegend weil die sportliche Führung mit einem zusätzlichen Center als siebtem Ausländer in die kommende Spielzeit starten will. «So ist das halt», sagt Harri Pesonen. «Es hat sich schon im November oder Dezember abgezeichnet, dass es eng werden könnte.»
Was sich viele Fans fragen: «Hätte es den nicht eine Möglichkeit gegeben, den Publikumsliebling in anderer Funktion im Club zu halten? «Gute Frage. Aber für mich war immer klar, dass ich noch weiterspielen will. Ich bin gesund und glaube, dass ich noch ein paar gute Jahre als Spieler in mir habe», sagt der mittlerweile 37-jährige Finne.
Seit vier Jahren führte Harri Pesonen die SCL Tigers als Captain an. Und wie es für ihn typisch ist, liess er seine Person nicht zum Thema werden, sondern ging weiter voran und gab alles, um die sportlichen Ziele zu erreichen. «Leider hat es dennoch nicht für das Play-In gereicht.» So war das Spiel vom letzten Montag gegen die ZSC Lions das letzte von Harri Pesonen im SCL-Dress. «Die Emotionen nach dem Spiel waren überwältigend.» Schon vor dem Spiel wurde ihm eine Choreo gewidmet, nach dem Spiel kam seine Familie aufs Eis und der Captain wurde gefeiert. «Ich bin traurig», gesteht Pesonen. «Aber dennoch überwiegt fast das Positive, weil ich so viele nette Worte und Gesten erhalten habe, sei es online, im Stadion oder im Dorf.»
Am Beginn stand ein fliegender Wechsel
Wie hat eigentlich die Ära Harri Pesonen bei Langnau begonnen? «Das ist eine lustige Geschichte», erzählt der Finne. «In der Saison 2017/18 spielte ich mit Lausanne gegen die SCL Tigers. Vor dem Spiel habe ich mich draussen warmgemacht. Da kam Heinz Ehlers, der vorher in Lausanne mein Coach war, auf mich zu und fragte, was ich nächste Saison mache. Ich hatte noch keinen Vertrag. Damals durfte man nur mit vier Imports spielen und ich wusste, der Trainer würde auf mich setzen. Deshalb war ich sofort interessiert.» Eine Woche später habe sich der damalige Sportchef Jörg Reber bei seinem Agenten gemeldet und alles sei schnell gegangen.
Gleich in Pesonens erster Saison spielten die SCL Tigers überragend und erreichten die Playoffs – eine bleibende Erinnerung. Ebenfalls gemocht habe er die Derbys gegen den SCB, sagt der Finne. «Die Atmosphäre ist immer speziell.» Doch auch die Covid-Zeit hat bei Pesonen, der stets reflektiert ist, Spuren hinterlassen. «Es war sehr schwer und eine spezielle Zeit. Wir mussten zurück nach Finnland. Plötzlich bin ich dann in Russland gelandet. Nach einem Jahr in der KHL habe ich dann mehrere Angebote aus der Schweiz erhalten.» Trotz lukrativeren Offerten kehrte er nach Langnau zurück. «Ich erhielt so ein warmes Willkommen und wusste sofort, dass es die richtige Entscheidung war.» Was ihm dieser Moment bedeutet hat, ist Pesonen anzumerken. Ebenfalls unvergesslich ist der Playout-Final im Frühling 2023, als die SCL Tigers gegen Ajoie um den Ligaerhalt spielten. «Ich habe noch nie im Leben einen solchen Druck verspürt», erinnert sich Pesonen. «Es war meine erste Saison als Captain und es stand so viel auf dem Spiel, für den Club, die Fans, die Angestellten.» Pesonen ging voran, gab alles für sein Farben. Und ausgerechnet er war es, der in der 94. Spielminute das Siegtor zum 5:4 erzielte und damit im sechsten Spiel der Serie den Ligaerhalt sicherte.
Weltmeister und Olympiasieger
Harri Pesonen erlebte während seiner Zeit in der Schweiz viele Entwicklungen, sowohl in der Liga als auch in Langnau. «Die Erhöhung des Ausländerkontingents von vier auf sechs hatte grossen Einfluss. Es hat Teamdynamiken verändert und das sportliche Niveau gehoben.» Sowieso sei das Level in der Liga von Saison zu Saison besser geworden, genauso wie jenes in Langnau. Nach einem Höhepunkt befragt antwortet Pesonen: «Die Saison 2024/25 mit dem Erreichen der Playoffs war genial und die Atmosphäre unglaublich.»
Anteil an der Entwicklung hatten auch die finnischen Verstärkungsspieler. Wie viel Einfluss hatte denn Harri Pesonen darauf, dass so viele seiner Landsleute den Weg ins Emmental gefunden haben? «Keine so grosse», antwortet er. «Logisch wurde ich etwa von Vili Saarijärvi oder Aleksi Saarela gefragt. Ich habe immer die Wahrheit gesagt, am Ende war es dann eine Sache zwischen Sportchef und Spieler.» Aber sicher hat es auch geholfen, dass Pesonen etwa Hannes Björninen und Saku Mäenalanen schon aus dem Nationalteam kannte. Mit ihnen prägte er eine Ära, wurde Weltmeister und Olympiasieger. «Das ist ein Riesen-Bonus in meiner Karriere. Finnland hat so viele gute Spieler. Schon nur nominiert zu werden ist unglaublich, und dann noch solche Erfolge feiern zu dürfen?...»
«Selber ein wenig Kind bleiben»
Noch wisse er nicht, wo er seine Aktivkarriere fortsetzen wird, sagt Harri Pesonen. «Wir bleiben bis zu den Frühlingsferien hier.» So kann Sohn Onni, der selber bei den SCL Young Tigers spielt, das Schul-Quartal in Langnau beenden. «Dann geht es zurück nach Finnland.» Aber schon jetzt steht fest: «Das Leben hier wird uns fehlen. Wir haben tolle Nachbarn hier, die Kinder spielen zusammen und Langnau bietet ein perfektes Umfeld für die Kinder», sagt Familenmensch Pesonen. Er selber hat auch immer wieder bewiesen, wie gut er mit Kindern kann, etwa bei Schulbesuchen. «Das habe ich vielleicht von meinem Vater», sagt er. «Natürlich hilft es, eigene Kinder zu haben, aber wichtig ist, selber etwas Kind
zu bleiben und auch über sich selber Lachen zu können.»
Auch für junge Spieler war Harri Pesonen stets ein Vorbild. «Ich hatte das Glück, als junger Spieler in Finnland in ein tolles Team mit sehr guten, hilfsbereiten Spielern zu kommen. Ich habe stets versucht, das weiterzugeben.» Wird er diese Qualitäten dereinst nach der Aktivkarriere nutzen? «Ich weiss es noch nicht. Ich habe ein grosses Wissen und Netzwerk im Hockey. Es wäre schade, wenn das verloren geht.» Ihn würde beispielsweise die Arbeit im Scouting oder mit jungen, ambitionierten Spielern reizen. Vorderhand wird er aber als aktiver Spieler weitermachen.
Das Schlusswort gehört dem Captain: «Nur wenige Spieler dürfen erleben, dass die Leute so hinter dem Team stehen wie hier. Ich bin dankbar, durfte ich Teil davon sein. Ich habe das Hockey und das Leben hier sehr genossen. Danke!»