Kweku Adoboli, ehemaliger UBS-Banker, ist jetzt Mangoproduzent in Ghana. / Bild: zvg
Langnau: Martin Schilt ist einer der Regisseure des Films «The Narrative». Das Kino der Kupferschmiede zeigte sein Porträt des Bankers, der zum Sündenbock für die Finanzindustrie wurde.
2,3 Milliarden Dollar betrug der Verlust der UBS, für den ein Investmentbanker im Jahr 2011 die Verantwortung übernahm. Ausserhalb der üblichen Buchführung scheffelte sein Team mit spekulativem Trading haufenweise Geld für die Grossbank - bis die Blase platzte. Die Schuldenkrise liess damals die Kritik an der zügellosen Finanzindustrie laut werden, zum Beispiel mit der Bewegung «Occupy Wall Street».
Als Einziger bestraft
Der Film «The Narrative» zeigt, wie der junge Mann als Einziger für solche Machenschaften jahrelang ins Gefängnis wandern musste. Obschon er keinen Dollar für sich eingestrichen hatte, wurde sein Einsatz für die Bank als Betrug bewertet. Den in Grossbritannien aufgewachsenen Kweku Adoboli schob man zudem in die Heimat seiner Eltern nach Ghana ab. Interessante Randnotiz: Im selben Jahr verzeichnete die UBS einen Reingewinn von 4,2 Milliarden Franken und bezahlte mit insgesamt 2,6 Milliarden Franken Boni aus, die höher lagen als dieser Verlust im Investmentbanking.
Wer erzählt die Story, und wie?
Der in Langnau aufgewachsene Martin Schilt begrüsste an diesem Abend viele alte Bekannte. Er brachte als einer der Regisseure mit «The Narrative» ein besonderes Filmporträt über Kweku Adoboli zur Vorpremiere ins Kino Kupferschmiede. «Narrativ» ist heute ein häufiger Begriff: Wie funktioniert eine Erzählung? Welche Bedeutung hat eine Geschichte? Wie wird sie interpretiert? Solche Fragen sind in Zeiten von Fake-News und Storytelling immer wichtiger. Medien werden hinterfragt und Fakten-Checks wichtiger, während Verschwörungserzählungen boomen und Heerscharen von Kommunikationsleuten Strategien zur Inszenierung der Wirklichkeit entwickeln, um Orientierung zu bieten und kapitalkräftige Interessen durchzusetzen. In der Produktion von Martin Schilt laufen eigentlich verschiedene Filme parallel. Er erzählt nicht nur von der Arbeitswelt im spekulativen Finanzsektor, sondern konfrontiert sie mit der realen Wirtschaft, in der Adoboli heute sein Leben verdient - in Ghana, mit dem Anbau von Mangos und der Produktion von Fruchtsäften. Berührend zeigt der Film auch, wie Freundschaften in einer extremen persönlichen wie öffentlichen Krise stark bleiben und der Geldkultur eine menschliche Erzählung entgegensetzen können.