Ein Dokumentarfilmer erzählt vom unglaublichen Drehbuch des Lebens

Ein Dokumentarfilmer erzählt vom unglaublichen Drehbuch des Lebens
Hanspeter Bäni mit seinem neuen Buch. Darin erzählt er von Erlebnissen und Abenteuern als Reporter und Dokumentarfilmer. / Bild: keb
Langnau: Der Dokumentarfilmer Hanspeter Bäni erzählte in der Bibliothek Langnau von seinem abenteuerlichen Leben als ­Reporter. In seinem neuen Buch teilt er persönliche Geschichten.

Gespannt lauschte das Publikum den Schilderungen von Hanspeter Bäni in der Bibliothek Langnau. Szenen aus seinen rund 80 Dokumentarfilmen und Zitate aus seinem neuen Buch «Der Reporter - Geschichten jenseits der Dreharbeiten» bereicherten die Lesung über ein bewegtes Leben. Hanspeter Bänis Dokumentarfilme, die zumeist im Fernsehen des SRF gezeigt wurden, sind vielen ein Begriff. Wer kann sich nicht an die «Weisse Königin in Afrika», Katharina Hänni aus Bern, erinnern? Sie heiratete in Kamerun einen Prinzen und verbrachte dort ihr Leben bis zu ihrem tragischen Tod. Oder an die Bergbauernfamilie im Maderanertal, die Bäni für seinen Dokumentarfilm 20 Jahre lang begleitete. Wie bei allen seinen Filmen schrieb auch hier das Leben das unglaublichste Drehbuch - nach all den Jahren der Begleitung stellte sich heraus, dass die spätere Ex-Frau des Bergbauern eine Mörderin war. Auch Lotti Latrous, die sich in der Elfenbeinküste um die Ärmsten der Armen kümmert, wurde durch die Reportagen von Bäni einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.


Ein gefährlicher Job

«Die Ruhe wurde mir zu laut», teilte Hanspeter Bäni an der Lesung eine Erinnerung, «so versuchte ich, mich mit Sinnieren abzulenken. Dies mutterseelenallein, zurückgelassen in diesem endlosen, trostlosen, hoffnungslosen Land. Plötzlich sah ich am Horizont eine Staubwolke.» Wegen einer Panne war er gezwungen gewesen, stundenlang in der Turkana-Wüste im Norden Kenias, wo gewalttätige Konflikte zwischen zwei Stämmen herrschten, auf seinen Interviewpartner zu warten. Auch hier hatte er einmal mehr Glück und kam heil aus der heiklen Situation heraus. Ebenso wie in Burkina Faso, wo er plötzlich einem riesigen Krokodil gegenüber stand. Oder auch, als ihm eine Pistole an die Stirn gehalten, er mit einer Machete bedroht, oder er im Gegensatz zu Berufskollegen nicht tödlich von Heckenschützen getroffen wurde. Aber auch wegen Reportagen, die er in der Schweiz drehte, erhielt er anonyme Drohbriefe und fand auch mal eine Pistolenkugel im Briefkasten. «Abenteuer haben mich fasziniert; ich hatte viel Glück, war oft auch leichtsinnig», meinte er dazu, und fügte ein Zitat von Mark Twain an: «Unwissenheit ist der beste Weg zum Erfolg, sofern sie mit Selbstvertrauen gepaart ist.»


«Trotzdem flossen mir die Tränen»

Er mache Geschichten über Menschen, überlegte Bäni auf die Frage, wie er unangenehme Situationen verarbeitet habe. «Zudem verschafft mir die Filmkamera eine gewisse Distanz. Trotzdem flossen mir in den Elendsvierteln bei Lotti Latrous die Tränen.» Damit zeigte sich Bäni nicht nur als preisgekrönter, hartgesottener Videojournalist, sondern auch nahbar. Er reflektierte über persönliche Krisen und Selbstzweifel. Ebenso betrachtete er sein Schaffen durchaus mit kritischem Blick, was dem kurzweiligen Auftritt den Eindruck von Ehrlichkeit und persönlicher Betroffenheit verlieh.

19.03.2026 :: Beatrice Keck (keb)