«Das Wertvollste sind die Emotionen»

«Das Wertvollste sind die Emotionen»
Aron Fahrni mit seiner Bronzemedaille und dem «besten Fanclub». / Bild: Swiss Paralympic
Para-Snowboard: Aron Fahrni brilliert bei den Paralympics und holt die Bronzemedaille im Snowboardcross. Zeit zum Feiern blieb wenig, der nächste Wettkampf steht bevor.

Der Traum ist in Erfüllung gegangen: Aron Fahrni gewann gleich an seinem ersten Rennen an Paralympics überhaupt eine Medaille. Im Snowboardcross erkämpfte sich der Oberthaler Bronze. Im Final, bei dem er es als einziger Europäer gleich mit drei Chinesen zu tun bekam, war er nach dem Start zuerst noch auf Rang 4. Schon bald holte er auf, liess einen Kontrahenten hinter sich und fuhr sicher zur Medaille. «Ich bin überglücklich und auch zufrieden mit meiner Fahrweise. Das Resultat ist schön, aber noch fast mehr freut mich, wie ich das Rennen angegangen bin.» Er habe es geschafft, Lockerheit und Freude zu finden, was für seine Leistung immer das Beste sei. Das war nicht selbstverständlich, denn sportlich begann die Woche alles andere als erfreulich.


Kurs wurde mehrfach umgebaut

«Bei der ersten Testfahrt machte der Kurs Spass. Ich freute mich, unsere Sportarten von der besten Seite zeigen zu können», erklärt Aron Fahrni. Jedoch sei der Kurs zu wenig sicher für etwas langsamere Fahrer gewesen, weshalb Anpassungen vorgenommen wurden. Nach einer zweiten Anpassung sei der Kurs dann für die Schnellsten nicht mehr fahrbar und zu gefährlich gewesen – mit dem Ergebnis, dass Fahrnis Teamkollege Fabrice von Grünigen schwer stürzte und den Wettkampf verpasste. Und auch viele weitere Athleten stürzten und zogen sich teils Verletzungen zu. Letztlich wurde die Strecke für die Qualifikation wieder geändert. Der Mittelteil verlor dadurch deutlich an Attrakti­vität. «Ich kam nicht mehr auf die Geschwindigkeit», sagt Fahrni. Zwar qualifizierte er sich mit Rang 6 ohne Probleme, der Zeitrückstand war in seinen Augen jedoch zu gross. «Da war ich zum ersten Mal angespannt, hatte Fragezeichen.» Dank dem Format mit den Heats sei das Rennen dennoch unterhalt-sam gewesen. «Trotzdem ist es schade, musste der Kurs so oft angepasst werden und fielen dadurch Trainings aus», sagt Fahrni. Genau dafür mache man sonst ein Jahr vor den Wettkämpfen Testevents. «Am Ende bezahlen die Athleten den Preis.»


Kurze Feier mit Familie und Freunden

Fahrni liess sich nicht beirren, machte viel mit einer intelligenten Fahrweise wett und holte die Medaille, an die er nach der Qualifikation nicht mehr geglaubt hatte. «Noch fast mehr Freude als an der Medaille habe ich an den Emotionen, die ich bei anderen Leuten ausgelöst habe.» In diesem Wettkampf habe er zwar Bronze geholt, in einem anderen aber gewonnen: «Ich hatte den besten und lautesten Fanclub», freut sich der Emmentaler. Viel Zeit zum Feiern blieb nicht. «An der Medaillenfeier im House of Switzerland waren Familie und Freunde da. Es gab ein gemeinsames Nachtessen, aber wir sind alle vor 22.00 Uhr heim.» Neben Trainings, Vorbereitung, Videoanalysen, Medien­terminen und weiteren Verpflichtungen bleibe kaum Freizeit. Und als Fahrni am Montag welche hatte, brauchte er diese, um Nachrichten zu beantworten. «Es hat mich wahnsinnig gefreut. Aber meine Bildschirmzeit betrug am Montag neun Stunden», erzählt er. Erst am Dienstag hatte er Zeit, etwas übers Gelände zu gehen, mit einem Teamkollegen sowie einem chinesischen Trainer einen Kaffee zu trinken und sich zu unterhalten.


Zweite Chance auf eine Medaille

Am Samstag hat Aron Fahrni in der Disziplin Banked Slalom noch eine weitere Chance auf eine Medaille. Auf den Testevent verzichte er wohl zugunsten eines Erholungstags, sagte er am Dienstag. Trotz der Rolle als Mitfavorit bleibt das Ziel das gleiche: «Locker bleiben und Freude haben.»

12.03.2026 :: Micha Strohl (msz)