«Am Ende hat uns die Klasse gefehlt»

«Am Ende hat uns die Klasse gefehlt»
Verabschiedeten sich in die Ferien - obwohl die Ausgangslage, die Play-Ins zu erreichen, nicht schlecht war. / Bild: Peter Eggimann (ped)
SCL Tigers: Weil Langnau nach der Olympiapause in sechs Spielen keinen einzigen Punkt mehr gewonnen hat, ist die Saison bereits vorbei. Das Ziel Play-Ins wurde verfehlt.

Die letzte Partie der Saison, die 0:2-Heimniederlage am Montagabend gegen die ZSC Lions, stand ganz im Zeichen von Captain Harri Pesonen, der die Tigers nach insgesamt sieben Jahren verlassen wird. Der Finne, der bereits vor dem ersten Bully Tränen in den Augen hatte, wurde von den Fans mit einem grossen Transparent gewürdigt und nach Spielende aus­giebig verabschiedet. Ob und wo der 37-Jährige, der in 370 Pflichteinsätzen für Langnau 131 Tore und 136 Assists erzielt hat, seine Karriere fortsetzen wird, ist noch nicht klar. Sportlich gesehen hatte das Spiel gegen den Meister für die Tigers keinerlei Relevanz mehr. Dies, weil sie zwei Tage zuvor die kapitale Begegnung beim EHC Biel deutlich mit 1:5 verloren haben. Im Vorfeld des kleinen Berner Derbys war bereits klar: Wer sich an jenem Abend drei Zähler sichert, steht in den Play-Ins. Und das waren eben die Seeländer, während den Emmentalern nur die grosse Enttäuschung blieb. «Wenn du dir ein Ziel setzt und es nicht erreichst, ist das hart», sagt Flavio Schmutz nach dem Verpassen des Saisonziels. Der Grund, weshalb man den Tritt nach Olympia nicht mehr gefunden und sämtliche sechs Partien verloren hat? «Ich weiss es wirklich nicht», so die Antwort des Stürmers. «In dieser ausgeglichenen Liga kommt es auf kleine Details an und am Ende ist es einfach nicht mehr für uns gelaufen.»


Zu viele ungenutzte Chancen

Ähnlich konsterniert gibt sich Headcoach Thierry Paterlini: «Wir hatten die ganze Saison über so viele Chancen, es zu schaffen. Ich erinnere mich zum Beispiel an den ersten Match in Biel im November, wo wir bis kurz vor Schluss geführt haben und am Ende mit null Punkten dastanden. Solche Momente haben wir uns einfach zu oft geleistet.» Dabei waren die Tigers lange Zeit sehr gut unterwegs. Anfang Jahr noch wiesen sie einen ähnlichen Punkteschnitt auf wie in der erfolgreichen Vorsaison, welche bekanntlich bis in die Playoffs führte. Doch statt auf 75 Zähler wie vor Jahresfrist, kam man nun am Ende der Quali nur auf 64 Punkte. Seit dem 3:0-Sieg gegen Servette Mitte Januar passte - zumindest resultatmässig - kaum noch etwas zusammen. In den letzten elf Partien der Saison setzte es zehn Niederlagen ab und von 33 möglichen Punkten konnten nur gerade 6 eingefahren werden. Zum Vergleich: Die direkten Konkurrenten Biel (16 Punkte) und Bern (15) waren im selben Zeitraum deutlich erfolgreicher unterwegs.


«Einen Weg gefunden, zu verlieren»

«Wir müssen uns an der eigenen Nase nehmen. Am Ende hat uns die Klasse gefehlt», stellt Paterlini nüchtern fest. Eine wirkliche Erklärung für den Einbruch hat auch er nicht. «Es ist ja nicht so, dass wir von unseren Gegnern immer weggeputzt worden sind. Wir hätten die meisten Spiele auch gewinnen können. Aber irgendwie haben wir immer einen Weg gefunden, zu verlieren.» In den entscheidenden Partien nach der Olympiapause vor allem durch zu viele Strafen, welche von den Gegnern oft eiskalt ausgenutzt wurden (mehr dazu im Artikel rechts). «Darüber muss man nicht diskutieren», sagt der Cheftrainer. «Mit den Strafen, die wir uns zuletzt ge­leistet haben, ist es schwierig zu gewinnen.» Flavio Schmutz sagt dazu: «Wenn das Boxplay nicht mehr funktioniert und du viele Gegentore in Unterzahl kassierst, gehst du unterbewusst vielleicht ein bisschen vorsichtiger in die Zweikämpfe, damit du keine dummen Strafen kassierst. Und dann fehlen sofort ein paar Prozent.» Trotz dem Verspielen der guten Ausgangslage und dem Verpassen des grossen Ziels, ist das plötzliche Saisonende für die Tigers kein Drama. «Es war cool, dass wir letztes Jahr die Playoffs erreicht haben. Aber das ist einfach nicht selbstverständlich für einen Club wie Langnau, nicht einmal die Play-Ins sind es», sagt Schmutz. Und Trainer Paterlini antwortet auf die Frage, ob diese Saison ein Rückschritt gewesen sei: «Nein, überhaupt nicht. Wir hatten nicht mehr die gleiche Mannschaft wie letztes Jahr und auch nicht mehr das gleiche Potenzial. Ich finde deshalb sogar, dass wir erneut einen Schritt vorwärts gemacht haben.» Wie gross das Potenzial für die Spielzeit 2026/27 sein wird, muss sich noch weisen. Der Abgang von Dario Rohrbach (zum SC Bern), dem produktivsten Schweizer Skorer der letzten beiden Jahre, wird den Tigers zweifelsohne wehtun. Für die Offensive kommen neu der Schwede Jonathan Dahlén (von Timra) und Nando Eggenberger (Zug). Die Abwehr verstärken sollen Arno Nussbaumer (Ajoie) und Gian Meier (Frölunda).

12.03.2026 :: Christoph Schär (css)