Das «Freaky Friday Festival» wird von Jugendlichen organisiert und lockt jeweils viel Publikum an. / Bild: zvg
Flühli: Die Gemeinde trägt seit zehn Jahren das Label für «jugendfreundliche Bergdörfer». Dahinter steckt viel Engagement - auch wenn nicht alle Altersgruppen gleich profitieren.
Jeden Freitagabend öffnet in Flühli der Jugendtreff «Reggy» seine Türen. Jugendliche feiern, diskutieren und bringen eigene Projekte ins Rollen. Rund vierzig junge Leute besuchen laut Jugendarbeiter Philipp Muff den Treff pro Abend. Für die 18-jährige Leonie Reich ist klar: «Es läuft im ‹Reggy› - vor allem, weil sich viele Jugendliche dafür einsetzen.»
Dass Jugendliche im Dorf mitre-den und mitgestalten können, ist kein Zufall. Seit zehn Jahren hat Flühli eine Auszeichnung für «jugendfreundliche Bergdörfer», vergeben von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB). Derzeit sind 29 Berggemeinden ausgezeichnet. Um das Label zu erhalten, müssen Gemeinden Jugendliche aktiv einbeziehen und Projekte in verschiedenen Themenbereichen nachweisen. Laut Vera Ambühl von der SAB gehören dazu klare Massnahmen, Beteiligungsprozesse und regelmässige Gespräche mit den jungen Menschen. «Gerade in ländlichen Regionen und Berggebieten ist ein wichtiger Faktor gegen Abwanderung, dass die Jugendlichen Gehör finden», hält Vera Ambühl fest. In Flühli überzeugten insbesondere die aktive Jugendarbeit und die Vielzahl an Projekten, die von Jugendlichen auf die Beine gestellt würden. «Wichtig ist, dass die Projekte umsetzbar sind - und dass es auch solche gibt, die keine hohen Kosten verursachen», sagt Vera Ambühl.
Vernetzung über die Gemeinde hinaus
Leonie Reich engagierte sich jahrelang im «Reggy». Heute vertritt sie ihre Gemeinde mit zwei anderen jungen Frauen im SAB-Jugendforum und ist dort im Vorstand aktiv. Das Forum ist die Versammlung der Jugendlichen aus allen mit dem Label ausgezeichneten Gemeinden. «Wir tauschen uns über gemeinsame Herausforderungen aus» (siehe Kasten), sagt Reich. Zudem helfe das Label auch auf politischer Ebene: «Wir konnten uns zum Beispiel für längere ÖV-Verbindungen am Abend einsetzen.» Vera Ambühl ergänzt: «Das Label bietet auch der Jugendarbeit vor Ort Rückhalt.» Die Jugendarbeit wird von den politischen Gemeinden und Kirchgemeinden Flühli und Schüpfheim sowie der Kirchgemeinde Sörenberg getragen. Die regionale Zusammenarbeit sei für kleine Gemeinden zentral, sagt Philipp Muff. So stünden mehr Ressourcen und Möglichkeiten zur Verfügung. Die Aktivitäten reichten von Partys über Crêpes- oder Fajitas-Abende bis zu Karaoke-Nights und Töggeliturnieren. Hinzu kommen Outdoor-Aktivitäten wie Fackel- und Alpwanderungen. Auch die Beratung durch die Jugendarbeitenden wird gerne in Anspruch genommen; im vergangenen Jahr besuchten so viele Jugendliche wie noch nie die Anlaufstelle. Sämtliche Projekte tragen die Jugendlichen selbst, das Begleitteam unterstützt lediglich, betont Philipp Muff. «Wer sich ernst genommen fühlt, setzt sich ein», sagt er. Ziel sei es, Verantwortung zu fördern. Dies sei auch die Grundlage für spätere Engagements in Vereinen. Auch Gemeinderätin Vroni Thalmann-Bieri sieht Jugendförderung als zentrale Aufgabe. «Das Label selbst ist kein Selbstzweck, sondern ein Ansporn, sich weiterzuentwickeln.» Die Treffen mit den Jugendlichen und der Jugendarbeit seien ein wichtiger Austausch. Thalmann-Bieri relativiert aber auch: «Die Jugendliche kommen mit ihren Wünschen und Ideen; wir prüfen dann, was realistisch ist, schliesslich müssen wir budgetieren.» Die Gemeinderätin ist überzeugt: «Wenn Jugendliche mitreden können, pflegen sie ihre Wurzeln, bleiben hier in einem Verein oder kommen später vielleicht wieder zurück.»
Lücke bei den über 16-Jährigen
So positiv vieles läuft, nicht alle Altersgruppen profitieren gleich stark vom Engagement. Für junge Erwachsene über 16 Jahren gibt es weniger feste Angebote, wie alle Beteiligten die Erfahrung gemacht haben. Nach der Schulzeit entsteht eine Lücke - ausgerechnet in der Phase, in der viele beginnen, ihre Zukunft zu planen. Leonie Reich bestätigt: «Viele beginnen eine Ausbildung ausserhalb des Dorfes und verbringen ihre Freizeit vermehrt anderswo.» Spezifische Angebote für über 16-Jährige seien rar. «Da können wir noch mehr machen.» Gewünscht wären zum Beispiel eigene Räume und Veranstaltungen für diese Altersgruppe. Damit diese Lücke geschlossen wird, wurde letztes Jahr mit der Hochschule Luzern ein Bedarfsanalyse lanciert. Verschiedene Projekte seien bereits in Planung.