Auf den Notfall gehen oder nicht?

Auf den Notfall gehen oder nicht?
Dank dem Notfall-Finder sollen auch die Notfallstationen des Spitals Emmental entlastet und die Wartezeiten verkürzt werden. / Bild: zvg
Emmental: Bei akuten Beschwerden ist nicht immer klar, ob es sich um einen Notfall handelt. Der digitale Notfall-Finder soll helfen und die Notfallstationen entlasten - auch im Emmental.

Wer plötzlich krank wird oder akute Schmerzen hat, ist oft unsicher. Kann man zuwarten oder sollte man sofort die Notfallstation eines Spitals aufsuchen? Der Symptom-Checker auf der digitalen Plattform notfall-finder.ch kann hier helfen. Neu ist auch das Spital Emmental dabei (siehe Kasten). Nach dem Anklicken von Geschlecht und Alter wird abgeklärt, ob eine Notfallbehandlung notwendig ist. Die Nutzerinnen und Nutzer beantworten online Fragen zu ihren Beschwerden. Gefragt wird zuerst etwa nach schwerer Atemnot, Bewusstseinsstörungen, schwerer Blutung oder neurologischen Ausfällen wie Lähmungen und Schwindel. «Besteht ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand, wird die Person aufgefordert, sofort die Notfallnummer 144 zu wählen», erklärt Lebrecht Gerber, Inhaber der Polaris Health AG, welche die Plattform zur Verfügung stellt. Wenn es weniger klar sei, würden weitere Fragen gestellt. Im Schnitt daure es dreieinhalb Minuten, diese zu beantworten. Am Ende gebe es eine Empfehlung, wie dringend eine medizinische Abklärung ist und welche Anlaufstelle geeignet sein könnte - etwa eine Notfallstation, eine Arztpraxis oder eine Apotheke.


Keine Daten speichern

Hinter dem Fragenkatalog stecke keine KI, sondern ein Algorithmus, führt Gerber aus. Der Fragebogen basiere auf einer medizinisch vali­dierten Software. Diese sei von einer Firma aus Bern entwickelt worden und werde in Deutschland schon länger von Notfallzentralen eingesetzt. Der Symptom-Checker funktioniere kostenlos, anonym und verarbeite Eingaben nur für die unmittelbare Einschätzung. Es würden keine persönlichen Gesundheitsdaten gespeichert, versichert Gerber. 

Seit Oktober 2025 wird der Notfall-Finder in der Stadt und Region Bern angeboten. «In dieser Zeit wurde er von über 40'000 Personen genutzt», sagt Lebrecht Gerber. Eine Nachbefragung habe ergeben, dass 94 Pro­zent die Plattform bei Bedarf wieder konsultieren würden. In 500 Fällen habe das System einen Notfallbesuch nicht als nötig erachtet. «Da alles anonym ist, wissen wir nicht, ob sich die Leute an die Empfehlung halten und die Notfallstationen der Spitäler tatsächlich entlastet werden. Später werden wir dies analysieren.»


Wie lange sind die Wartezeiten?

Nebst dem Symptom-Checker kann auf der Plattform auch die Auslastung der Notfallstationen im Kanton Bern abgerufen werden. Vier Stufen von grün bis rot zeigen an, wie lange die Wartezeiten sind. Das Ziel ist es, die Patienten zu lenken. «Gut 80 Prozent der Berner Bevölkerung kann in einem Umkreis von 30 Minuten mehrere Notfallstationen erreichen», sagt Gerber.

Auch das Spital Emmental macht neu mit

Die Plattform Notfall-Finder wird von der Gesundheitsdirektion des Kantons Bern sowie drei Krankenkassen unterstützt. Ab Frühjahr soll das Projekt im ganzen Kanton Bern umgesetzt werden. Seit Anfang März beteiligt sich auch das Spital Emmental am Angebot. «Wir möchten der Bevölkerung im Emmental diese Orientierungshilfe zur Auslastungen unserer beiden Notfallstationen ebenfalls bieten. Zudem ist es ein Vorteil, wenn weniger sogenannte Bagatellfälle auf dem Notfall landen», schreibt das Spital auf Anfrage. Wie gross ist denn dieses Problem? Sie würden auf der Notfallstationen immer mehr Patientinnen und Patienten behandeln. Ein Grund dafür sei, dass viele Hausartzpraxen heute keine Kapazitäten hätten, um ihre Patientinnen und Patienten innerhalb von 48 Stunden zu sehen. Manche Leute suchten dann den Notfall auf, weil sie nicht länger warten möchten. Andere kämen in den Notfall für ein Arztzeugnis oder holten sich eine Zweitmeinung ein.

05.03.2026 :: Silvia Wullschläger (sws)