Marlis Mosimann ist im Organisationskomitee und die Leiterin der Sonderausstellung. / Bild: Laura Fehlmann (lfc)
Konolfingen: In der Sonderausstellung des Dorfmuseums «Alter Bären» geht es um die Tradition von Trachten und dem dazugehörigen Schmuck sowie die Trachtengruppe Konolfingen.
«Trachtenkult(ur) - Altes, neu gelebt». Unter diesem Namen ist die neue Ausstellung im Dorfmuseum «Alter Bären» in Konolfingen angelaufen. Mit der Planung begannen die Zuständigen schon 2024, nach einer Idee des bekannten Ortskorrespondenten Willi Blaser. Als dieser unerwartet starb, arbeitete das Komitee weiter. Das Resultat lässt sich sehen. In einem der zwei Ausstellungsräume geht es um Trachtenschmuck, im anderen um die Geschichte der Trachtengruppe und der Emmentaler Trachten, von denen neun verschiedene existieren. Ausgestellt sind fünf. «Im Kanton Bern existieren über 100 verschiedene Trachten», erklärt Marlis Mosimann, zuständig für Leitung und Koordination des OK.
Kostbare Gewebe
Die von der Bernischen Trachtenvereinigung zur Verfügung gestellten Exponate kleiden lebensgrosse Holzpuppen, die im Jahr 1939 von der Holzbildhauerei Huggler in Brienz gefertigt worden sind. Prächtig leuchtet die kunstvoll gewebte Damastseidenschürze, Schöibe genannt, in gedeckten Farben. Marlis Mosimann erläutert: «Es gibt in der Schweiz nur noch gerade eine einzige Weberei, die solche Schürzen herstellt.» Die weissen Trachtenhemden unter den steifen Samtmiedern sind diskret bestickt. Fein filoschierte, gehäkelte oder geklöppelte Schultertüchlein (Gärnli) und die typisch bernische Samthaube mit den Rosshaarspitzen schmücken unaufdringlich. So gekleidet ist Andrea Krähenbühl, Präsidentin der Trachtengruppe Konolfingen, auf dem Ausstellungsplakat zu sehen - allerdings in der Rückenansicht, mit einer schwarzen Seidenmasche und Silberschmuck.
Schmuck ist meist geerbt
Anders als in der Vogelwelt wirkt das männliche Outfit diskret. Ein schlichter, brauner «Halbliniger» aus dunkelbraunem Wollstoff. Bunter ist dagegen der samtene «Mutz» mit kurzen Puffärmeln, silbernen Knöpfen und gestickten Blumen. Die Ausstellung klärt über die Namen der Kleider auf, über Herkunft und Traditionen. Im zweiten Ausstellungsraum ist alter und neuer Trachtenschmuck aus dem Konolfinger Atelier Geissbühler zu sehen. «Mein Ur-Urgrossvater begann im Jahr 1880 mit der Herstellung», sagt die gelernte Goldschmiedin Marion Geissbühler, die in fünfter Generation den Familienbetrieb leitet. Neu angefertigt werde allerdings nur noch wenig. Entsprechend verändert habe sich das Handwerk. Kaum noch jemand könne filigranen Schmuck herstellen. «Die Nachfrage ist stark zurückgegangen. Heute werden meist die Erbstücke getragen», erklärt Geissbühler. In ihrem Atelier wird der Trachtenschmuck heute vorwiegend gereinigt, gepflegt und repariert. Dafür, und auch für Neuanfertigungen, steht Marion Geissbühler ein Team zur Seite. Darunter ist auch der Goldschmied Milad Kourie, ursprünglich aus Syrien, der mit grosser Hingabe die Filigranarbeiten anfertigt. Die Sonderausstellung im Dorfmuseum «Alter Bären» Konolfingen kann jeden ersten und dritten Sonntagnachmittag im Monat besucht werden.