Walter Däpp hat die Fülle an Material zu einer Biographie konzentriert. / Bild: Laura Fehlmann (lfc)
Langnau / Emmental: Journalist und Autor Walter Däpp verfasst eine Biographie über den Langnauer Ehrenbürger Hans Ulrich Schwaar, der zwischen dem Emmental und Lappland pendelte.
Berge von Büchern häufen sich auf dem Tisch von Walter Däpp. Fast alle stammen aus der Feder von Hans Ulrich Schwaar. Da liegt eines seiner handgeschriebenen Tagebücher, da sind Zeitungsartikel und Hefte, Bücher von Charles Ferdinand Ramuz, die Schwaar in Oberemmentaler Dialekt übersetzte, Erzählungen aus Lappland und dem Emmental. All dieses Material und noch viel mehr diente Walter Däpp als Grundlage für eine Schwaar-Biografie, ein Buch, das im kommenden Oktober herauskommen soll. «Ich bin mehr oder weniger so weit», sagt Däpp, und klappt den Laptop auf, um den Nachruf über Schwaar zu suchen, den er vor zwölf Jahren für die Zeitung «Der Bund» verfasste, nachdem der Langnauer Ehrenbürger mit 94 Jahren in seinem geliebten Lappland gestorben war.
Nach Lappland ausgewandert
Walter Däpp hat Hans Ulrich Schwaar persönlich gekannt. Wie Schwaar war er OL-Läufer, schon als Jugendlicher trainierte er manchmal mit Emmentaler Kollegen bei ihm: «Später, in den Siebzigerjahren, als ich beim ‹Emmenthaler Blatt› arbeitete, waren wir Nachbarn, kannten uns jedoch eher flüchtig.» Im Laufe der Zeit interessierte sich Däpp immer mehr für den Lehrer, Sportler und Kulturförderer Schwaar, vor allem wegen dessen Mundartliteratur. «Als er nach Lappland zog, besuchte ich ihn 2002 mit meiner Frau Marianne. Von da an begleitete ich ihn auch journalistisch.» Schwaar war als OL-Sportler nach Schweden und Finnland gereist, und verbrachte viele Jahre im hohen Norden, wo er bei einem samischen Rentierhirten lebte. Heute noch ist Hans Ulrich Schwaar im Emmental, insbesondere in Langnau, kein Unbekannter. «Die ältere Generation kennt ihn wahrscheinlich noch», glaubt Däpp. «Da sind auch ehemalige Schülerinnen und Schüler, die ihn verehren. Über das Emmental hinaus ist er hingegen weniger bekannt.»
Schwierige Auslese
Wie ist es möglich, bei einer solchen Fülle von Material, eigenen Erinnerungen und vielen Gesprächen, Schwerpunkte herauszukristallisieren? Eine Auslese sei ihm schwergefallen, gesteht der Biograph. Interessiert habe ihn - unter anderen Schwerpunkten - Schwaars Engagement als Lehrer in der Gohl, wo er die Schulkinder unglaublich vielfältig gefördert habe, vor allem die Schwächeren. Nebst dem üblichen Schulwissen habe er sie in Kultur, Gesang, Musik, Malerei und Sport unterrichtet und gefördert. Die Schülerinnen und Schüler seien seine Kinder gewesen. Nach einer enttäuschten Liebe blieb Schwaar unverheiratet und kinderlos. Bis über seinen Tod hinaus erreichte er als Kulturförderer Bekanntheit, indem er eine riesige Bildersammlung zusammentrug, die nun von der Gemeinde Langnau in der «Artothek» betreut wird. Legendär waren auch seine Übersetzungen französischer Literatur in den Oberemmentaler Dialekt, beispielsweise Werke von Ramuz. Bis heute vermögen seine Beschreibungen der Natur, Lebensweise und Kultur der Samen zu berühren.
Widersprüchliche Persönlichkeit
Bei dieser grossen Menge Informationen über Hans Ulrich Schwar taucht die Frage auf, was war er für ein Mensch? Ein Angepasster? Ein Eigenbrötler? Walter Däpp überlegt, dann fasst er sich kurz: «Auf der Suche nach ihm stiess ich auf eine faszinierende, widersprüchliche, schwer fassbare Persönlichkeit.» Des Weiteren bezeichnet er Hans Ulrich Schwaar als Naturfreund, Einzelgänger, Neugierigen, Draufgänger, Zögerer, Vielschreiber, Träumer, Denker, Asket, Individualist, Schwärmer, Idealist, Realist. «Diese Liste könnte verlängert werden.» Bei den Samen wurde Schwaar mit der Zeit wissenschaftskritisch, «vom Lehrer zum Unbelehrbaren». Er idealisierte die samische Kultur, musste jedoch vorübergehend in die Schweiz zurückkehren, als er alt war und sein samischer Freund starb. «Er nahm plötzlich Positionen ein, die ich nicht nachvollziehen konnte. Wir haben uns sogar zerstritten. Daran scheiterte der Plan, noch zu Schwaars Lebzeiten ein Buch über ihn zu schreiben», sagt Walter Däpp. Als er jetzt angefragt wurde eine Biographie zu verfassen, sagte er zu - mit dem Vorbehalt, ein ungeschöntes Gesamtbild von Schwaar zu zeigen. Eines «grossen Emmentalers», der es verdiene, nicht vergessen zu werden. Dieses hat Däpp jetzt in einer ersten Fassung vollendet. Das Buch darf mit Spannung erwartet werden.