Die Spezialsportgeräte der Paraplegiker-Vereinigung ermöglichen Menschen mit Handicap Skisporterlebnisse in Sörenberg. / Bild: Beatrice Keck (keb)
Sörenberg: m Tag der offenen Tür der Bergbahnen Sörenberg bekam man einen vielseitigen Einblick in den Skibetrieb. Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung zeigte Spezialsportgeräte.
Rund 120 Interessierte folgten der Einladung der Bergbahnen Sörenberg auf die Rossweid. Am Tag der offenen Tür konnte man viel über den Unterhalt eines Skibetriebes erfahren. Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) öffnete ihren Materialraum und zeigte Spezialsportgeräte für Menschen mit einem Handicap.
Eng gedrängt standen die Besuchenden im normalerweise nicht öffentlich zugänglichen Materiallager der SPV bei der Bergstation Rossweid. Interessiert folgten sie den Ausführungen der zwei Skilehrer. Beide haben die Spezialausbildung «Disabled Sports Specialists», sind also befähigt, mit Menschen mit Behinderung Skipisten zu befahren.
Für jeden die passende Schale
Im prall gefüllten Materialraum stehen beispielsweise unterschiedliche Skis, schön in Gestelle verstaut. «Diese Skis werden an Mono- und Dualskibobs montiert», erklärte Fabian Emmenegger, der Leiter der Mono- und Dualskibobkurse. Auf weiteren Regalen, die bis zur Decke reichen, liegen Schalen der Bobs. «Jeder Mensch braucht eine für ihn passende Schale», meinte Emmenegger weiter, «deshalb haben wir hier so viele unterschiedliche auf Lager. In diese Bob-Schale heben wir die gelähmte Person mit unserer eigenen Technik.» Sie hätten auch Kundinnen und Kunden, die weit über 100 Kilogramm wiegen, deshalb sei die richtige Hebetechnik unabdingbar.
«Weil mein Bruder querschnittgelähmt war, begannen wir hier in Sörenberg 1991 mit dem Unterricht für Menschen mit einem Handicap», erklärte der ansässige, pensionierte Landwirt und Spezialskilehrer Josef Zemp. «Dass Sörenberg heute das wichtige Wintersport-Zentrum für Menschen, die nicht selbständig stehen und gehen können, ist, hatte seinen Ursprung somit in unserer familiären Situation.» Zudem gebe es hier breite Pisten und rollstuhlgängige Sanitäranlagen, ergänzte Emmenegger. Im Moment sind in Sörenberg 16 spezialisierte Skilehrpersonen tätig. «Wir schulen auch Eltern von rollstuhlfahrenden Kindern, damit diese später mit ihrem Nachwuchs allein Ski fahren können», fügt Zemp an.
Mono-, Dual-, oder Tetraskibob?
Der Monoskibob ist die Variante des Skilaufs für Rollstuhlfahrende. Monoskibobfahrer verwenden statt Skistöcken spezielle Unterarmstützen, die am unteren Ende mit kleinen Skiern ausgerüstet sind. Diese dienen zur Stabilisierung beim Skifahren und zum Anschieben im ebenen Gelände. Der Dualskibob eignet sich für körperlich handicapierte Menschen, die nicht selbständig Ski fahren können. Diese Gäste sitzen in einer Schale, die auf zwei Skiern befestigt ist. Über einen Bügel – vergleichbar mit dem an einem geländegängigen Kinderwagen – lenkt der geübte Schneesportlehrer den Dualskibob. Ausserdem steht exklusiv in Sörenberg ein Tetraskibob für Menschen mit starken Bewegungseinschränkungen zur Verfügung. Dieser Skibob kann selbständig, entweder mit einem Joystick oder per Mund, gesteuert werden.
«Skibob fahren kann jede und jeder», erklärten die beiden Skilehrer unisono, «man muss einfach Ski fahren wollen. Unsere Herausforderung ist es, unseren Gast am Abend glücklich zu sehen.» Ihre Aufgabe sei sehr erfüllend, da sie mit jeder Person Neues lernen und erfahren dürften. «Speziell berührend ist es, wenn wir Patientinnen oder Patienten als Gäste haben, welche die Bobfahrt als ihren letzten Lebenswunsch geäussert haben», erzählten die beiden.
Insgesamt rund 215 Mitarbeitende sorgen dafür, dass alle Skigäste die Skiarena Sörenberg geniessen können. Dazu gehören die Verantwortlichen für die Beschneiung mit ihren insgesamt 60 Schneekanonen und 74 Schneelanzen. Genauso unverzichtbar ist das Rettungsteam. Bereits im Herbst postiert es Warntafeln, Warnbanner oder Stangen, die das Pistenende markieren. Um gefährliche Objekte herum werden Schutzmatten befestigt. «Zu unserer Aufgabe gehört auch die Lawinensprengung», erklärte Martin Vogel. «Bloss 20 Prozent unserer Aufgabe betrifft die Rettung mit Schlitten, die restlichen Massnahmen sind präventiv.» Nicht zuletzt gehören Pistenfahrer dazu, Service- und Putzpersonal und viele weitere.
Wie der Direktor der Bergbahnen Sörenberg, Stefan Ryser, am Tag der offenen Tür eindrücklich aufzeigte, sind rund um die Uhr, Tag und Nacht, engagierte Menschen im Einsatz, um das Skigebiet Sörenberg betreiben zu können.