Ernst Eggimanns Wörter bleiben hängen

Ernst Eggimanns Wörter bleiben hängen
Aus den Gedichten Ernst Eggimanns wurden Musik und Bilder. / Bild: Karl Johannes Rechsteiner (kjr)
Langnau: Die Gedichte von Ernst Eggimann verwandelten sich in Klänge, Bilder und Gefühle. Willy Schnyder und seine Mitmusiker inszenierten Eggimanns Berndeutsch als fröhliches Kunstwerk.

«Zwüsche de grosse Dächer - Wörter gits, wo blibe hange...» Die Sätze von Ernst Eggimann (1936 - 2015) zu Beginn erklären bestens die Texte des Langnauer Schriftstellers und Lehrers. Musik, Gedichte, holzschnittartige Bilder und Filmchen fügen sich zum visuell-musikalischen Projekt namens «Schnyder&Sschnyder&Schny­der&Schnyder spielen Eggimann». Da stehen vier Musikmenschen im Kellertheater auf der Bühne, die alle Schnyder heissen, nicht verwandt sind und doch gleich ticken. Pianist Willy Schnyder hat über hundert Werke von Ernst Eggimann vertont. Sechs seiner Suiten spielen und singen mit ihm der Bassist Emanuel Schnyder, Saxofonist Patrick Schnyder und Jazzsängerin Géraldine Schnyder. Illustrator Daniel Misteli kreiert mit Bildern auf der Leinwand eine unaufdringliche Performance.


Klang- und Bildschnipsel

Vor 14 Jahren begann das Projekt als «Eggi Ma, rundi Frou» noch zu Lebzeiten Ernst Eggimanns. Dieser hatte in den frühen 1970er-Jahren über das Emmental hinaus Aufsehen erregt mit seinem Gedicht über grüne Kühe. «Mit em Chuegedicht ines Wäschpinäscht» gestochen, habe er einst, erklärt Willy Schnyder. Das humorvolle, manchmal absurde Berndeutsch spielt mit den Bezeichnungen für die lokalen Klischees der Landschaft. Diese Schitterbige, Walmdächer oder Näbu­schwade leben vom Klang der Worte. Zum Beispiel in Schnyders tierischer Suite: Da «tube Hase» her­um, «rossen» durchs Feld, machen «Schnäggetänz», um nachher zu «löien». Eggimanns Mundart folgt dem Gesang der Sprache. Es entsteht eine rhythmische Lyrik, die vor einem halben Jahrhundert mithalf, eine neue Kunstrichtung zu entwickeln. Mundart-Rap und Spoken-Word-Poeten werden «migottstüri» von Eggimann als Urvater ihrer Kunst beeinflusst. Die Filmli zeigen Bilder einer Zugfahrt oder ein Porträt mit Eggimanns Charakter-Gesicht. Die Bildschnipsel werden zu Klangschnipseln. Horizon­te überblenden, während der Walking Bass mitwandert durch Emmentaler Chrächen und Höger. «Wo sind wir dann hin?» wird im Dialekt zum Mantra «Wo-simer-du-hi?», rasch ausgesprochen «wosimerduhi, wosimerdu­hi, wosimerduhi» als Klangmalerei. Manchmal als Modernjazz, besinn­licher Naturjutz, Scatgesang oder tiefgründigem Blues einer Gefühlslandschaft, wo Stille und Schweigen dichter ist als jede Dichtung. «Am Wägwiser wärwise mir wele Wäg?» Vielleicht ist es der Hin-und-Weg, wie ein Bild auf der Bühne zeigt.

26.02.2026 :: Karl Johannes Rechsteiner (kjr)