Der Pokal war so nah und doch so fern – für Skorpion Emmental bleibt die Enttäuschung. / Bild: Janine Sahli (jsb)
Unihockey: Skorpion Emmental verliert den Cupfinal gegen Zug United mit 5:6. Trotz Aufholjagd und deutlicher Überlegenheit im letzten Drittel reichte es erneut nicht für den Titel.
Zwei Minuten und 16 Sekunden vor Schluss nahm Skorps-Trainer Benjamin Abplanalp sein Timeout und ersetzte Torhüterin Ladina Töndury durch eine sechste Feldspielerin. Das Spiel blieb das gleiche wie in den Minuten zuvor: Die Emmentalerinnen erspielten sich viele, teils hochkarätige Torchancen. Mehrmals blieb den Skorps-Fans der Torschrei in der Kehle stecken oder wurde gar zu früh ausgestossen. Der Ausgleich zum 6:6 fiel nicht mehr – Zug United gewinnt den Cup 2026. «Ich habe bis zuletzt daran geglaubt, dass wir die Verlängerung erzwingen können», sagt Janine Salzmann, die drei der fünf Skorps-Tore erzielte und völlig zurecht als beste Spielerin ausgezeichnet wurde. Sie war es auch, die nach 48 Sekunden im letzten Drittel mit ihrem Treffer den Startschuss für den Emmentaler Sturmlauf gab.
«Ich bin unheimlich stolz auf mein Team», sagt Benjamin Abplanalp. «Wir haben uns so eindrücklich zurückgekämpft und uns viele Chancen erspielt.» In der Tat fanden die Zugerinnen kaum mehr Entlastung, nur vereinzelt kamen sie zu Kontergelegenheiten.
Zu einfache Gegentore
«Am meisten nervt, wie wir die Tore bekommen haben», meint Janine Salzmann weiter. Drei der sechs Zuger Tore fielen nach Freistössen; und bei jedem hatte die Tschechin Denisa Ratajova ihren Stock im Spiel. «Wir mussten für unsere Tore einen extrem hohen Aufwand betreiben, während wir die Treffer zu einfach hergaben», hält die 25-Jährige fest. Es wäre so viel möglich gewesen, sagt sie: «Mein Bauchgefühl war viel besser als in den vergangenen Finals gegen die Kloten-Dietlikon Jets.» Tatsächlich waren die Skorps in früheren Finals nie über einen so langen Zeitraum so dominant. «Wir haben uns in den Drittelspausen vorgenommen, aktiver zu spielen und mehr ins Gegenpressing zu kommen», erklärt Salzmann. «Ausserdem hatten wir mehr Energie im Schlussdrittel.» Dies war mit Sicherheit auch dem Gameplan geschuldet: Während Zug mit zwei Linien ins Spiel startete und seine Topspielerinnen enorm forcierte, spielten die Emmentalerinnen die ersten zwei Drittel konstant mit drei Linien. «Wir haben uns bewusst für diesen Plan entschieden», erklärt Benjamin Abplanalp. «Ansonsten wäre ein so dominantes Spiel von uns im Schlussabschnitt nur schwer möglich gewesen.»
Spielerin für die grossen Spiele
Der Cupfinal fand erstmals nicht mehr im Berner Wankdorf, sondern in der neuen Pilatus Arena in Kriens statt. «Ich war zum ersten Mal dort. Wir trafen früh ein, ich habe zuerst Mal die Halle begutachtet. Sie ist eindrücklich», erzählt Janine Salzmann. Persönlich sei sie vor dem Spiel nervös gewesen wie lange nicht mehr. Zwar habe sich das schnell gelegt, jedoch war bei vielen Spielerinnen zu Beginn eine gewisse Nervosität spürbar. Entsprechend war die Startphase von Fehlern geprägt, in den ersten zwei Minuten fielen bereits drei Tore – zwei davon für Zug.
«Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass es ein Privileg ist, vor solch einer Kulisse mit über 3000 Zuschauern spielen zu dürfen», sagt Janine Salzmann. «Das ist zumindest ein kleiner Trost.» Ausserdem hätten ihr viele Leute geschrieben und gratuliert, was sie sehr gefreut habe.
Salzmann wird immer wie mehr zur Spielerin für die grossen Spiele. Schon im Halbfinal gegen die Wizards Bern Burgdorf stach sie heraus, nun auch im Final. Wie vermag sie in den entscheidenden Momenten ihre Topleistung zu bringen? «Das Spiel hatte einfach einen extrem hohen Stellenwert für mich. Ich wollte unbedingt den Titel.» Deshalb habe sie gezielt darauf hingearbeitet, möglichst alles optimiert und sich auch mental vorbereitet, etwa bestimmte Szenen im Kopf durchgespielt. Dass sie vieles davon wunschgemäss umsetzen konnte, dürfte auch Nationaltrainer Oscar Lundin nicht entgangen sein. Er kommentierte die Partie im Live-stream.
«Zum Glück kommen die Playoffs»
Für Skorpion Emmental ist es die dritte Cupfinal-Niederlage der jüngeren Geschichte, hinzu kommen die Superfinal-Niederlagen 2021 und 2023. Angesichts des Spielverlaufs war jene am Samstag die wohl schmerzlichste dieser Serie.
Bei genauer Betrachtung des Kaders von Skorpion Emmental fragt es sich, wie viele solcher Chancen in nächster Zukunft folgen werden. Die Skorps mussten bereits mehrere gewichtige Abgänge verkraften: Nathalie Spichiger steht seit dieser Saison im Kader von Zug United; Doris Berger spielt seit Kurzem in Schweden. Und mit Naja Ritter wird im Sommer eine dritte Nationalspielerin den Club verlassen. Auch sie wechselt nach Schweden.
Das Spiel vom Samstag ist sowohl für Abplanalp als auch für Salzmann schwer zu verdauen. «Wir wurden nach der Heimreise in Zollbrück empfangen, das war sehr schön.»
Am Montag traf sich das Team statt zum Training zum gemeinsamen Nachtessen, um das Erlebte Revue passieren zu lassen. Nun gilt es nach vorne zu schauen – am Samstag steht das letzte Spiel der Qualifikation an, zuhause gegen die Red Ants Winterthur. Anschliessend beginnt der Playoff-Viertelfinal, aller Voraussicht nach gegen Floorball Chur United. «Ich bin froh, geht es so schnell weiter und bekommen wir eine neue Chance», sagt Janine Salzmann. Das Ziel müsse sein, in jedem Spiel über die ganzen 60 Minuten eine Leistung wie im Schlussdrittel abzurufen. «Wenn wir das hinbekommen, liegt viel drin.»
Genau gleich tönt es bei Benjamin Abplanalp: «Das ist das Gute am Cup, es kommen sofort die Playoffs. Ich freue mich, dort mit dem Team anzugreifen.»