«Gring ache u hü» auf dem Weg zu Olympia

«Gring ache u hü» auf dem Weg zu Olympia
Laura Heldner (links) betreibt Taekwondo professionell – hier an den Europameisterschaften. / Bild: zvg
Taekwondo: Die olympischen Sommerspiele 2028 sind das grosse Ziel von Laura Heldner. Um im Taekwondo daran teilnehmen zu können, trainiert sie zur-zeit an sieben Tage pro Woche.

Zweieinhalb Stunden herrscht volle Konzentration im Leistungszentrum in Bern. Zwölf ambitionierte junge Leute trainieren an diesem Samstagmorgen die olympische Disziplin Taekwondo – eine unter ihnen ist die 24-jährige Laura Heldner aus Schüpfheim. Nach einem intensiven Ein­wärmen sowie Dehnen werden zahlreiche Techniken geübt. Dabei wird viel Wert auf Präzision, Schnelligkeit, Reaktionsfähigkeit und Geschicklichkeit gelegt. «Die Besten will ich auf die Weltbühne bringen», sagt der Trainer des Teams, Michel Heldner, der Vater von Laura Heldner. Er hat den koreanischen Kampfsport jahrelang selbst auf Leistungssportniveau betrieben. Taekwondo gehört in der Schweiz nicht zu den populärsten Sportarten, im Ausland ist dies teilweise jedoch ganz anders: «Es gibt Länder, da ist Taekwondo so zentral wie bei uns Skifahren», erklärt Michel Heldner. Mit seiner Erfahrung und seinem Wissen möchte er jungen Talenten zum Erfolg verhelfen.


Balance zwischen Job und Sport

Seine Tochter konnte der Trainer schon früh für seine Leidenschaft begeistern – mit nur gerade einmal vier Jahren hat sie mit Taekwondo be­gonnen. Nahezu profimässig betreibt Laura Heldner den Kampfsport aber erst seit zwei Jahren. Nachdem sie das Studium als Gartenbautechnikerin abgeschlossen hatte, legte sie ihren Fokus mehr auf den Sport. «Im Training kann ich den Kopf voll abschalten und mich auspowern», erzählt die 24-Jährige. Daneben arbeitet sie in einem 60-Prozent-Pensum als Bauführerin – sie brauche die Abwechslung sowie auch die Finanzen. «Für eine gute Platzierung bei einem Wettkampf gibt es ein paar Franken, für viel reicht dies leider nicht», erklärt sie. Zurzeit trainiert Laura Heldner an sieben Tagen pro Woche – neben dem Techniktraining stehen für sie Ausdauertraining, Krafttraining, Massage oder auch Schwimmen und Sauna auf dem Wochenplan. Die Investitionen sind gross, das Taekwondo gebe ihr jedoch auch enorm viel zurück. «Durch den Sport habe ich gelernt, besser mit mentalem Druck und Stress umgehen zu können», lässt sie wissen. «Ausserdem schätze ich den kulturellen Austausch auf der ganzen Welt und die entstandenen Freundschaften unglaublich.»


Streben nach Olympia

Nun hat die Turniersaison wieder begonnen – erst einmal geht es für Laura Heldner darum, eine gewisse Punktzahl für die Europameisterschaften im Mai zu sammeln. «Nach den Fussproblemen letztes Jahr bin ich nun wieder zu 100 Prozent leistungsfähig», meint sie. Aufgrund dieser Verletzung musste sie auf die vergangenen Weltmeisterschaften verzichten. Dies sei ein Rückschlag gewesen, nun sei der Fokus jedoch anderswo. Neben den kommenden Europa- und Weltmeisterschaften hat sie ein neues, grosses Ziel vor Augen: die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles. Wie gut stehen die Chancen? Der Plan sei, in diesem Jahr die Top 20 weltweit erreichen zu können. «Ich muss möglichst viele Erfahrungen sammeln – das geht am besten, indem ich so viele Turniere wie möglich bestreite.» Die Unterstützung aus dem Umfeld und auch die Voraussetzungen dafür seien auf jeden Fall da, erklärt sie. Da gebe es nun nur noch eins: «Gring ache und hü.»

26.02.2026 :: Zora Stifel (zsl)