Ist die Kuh krank oder nicht? Diese Frage stellt sich aktuell auch auf hiesigen Betrieben häufig. / Bild: Bruno Zürcher (zue)
Landwirtschaft: Derzeit ist die Blauzungenkrankheit auf vielen Bauernbetrieben das Thema.
Werden beispielsweise Kühe angesteckt, kann dies zu finanziell beträchtlichen Schäden führen.
Stehe bei einer ihrer Kühe die Geburt an, sei sie nervöser als früher, berichtet eine Landwirtin aus der Region. Die Nervosität kommt nicht von ungefähr: Seit Herbst 2025 verliefen bei ihren Kühen eine Reihe von Trächtigkeiten nicht wie geplant. Zuerst sonderten Kühe nach rund zwei Dritteln der Trächtigkeit «mumifizierte», leblose Föten ab, dann gab es auf dem Hof mehrere Frühgeburten mit toten Kälbern. «Und schliesslich hatten wir auch Fälle, in denen der Geburtszeitpunkt zwar korrekt war, die Kälber aber tot oder missgebildet auf die Welt kamen», berichtet die Bäuerin. Dass gleichzeitig in der Region viele Tiere mit dem Blauzungenvirus infiziert wurden, ist für sie kein Zufall.
Höchst unterschiedliche Symptome
Tierarzt Stephan Unternährer hat in den letzten Monaten viele Fälle angetroffen wie die oben beschriebenen. «Es gibt auch viele Kühe, die unauffällig und gesund wirken, obwohl sie das Virus in sich tragen», erklärt der Inhaber der Tierarztpraxis Beichle in Escholzmatt. Klassisch erkrankte Kühe hätten hohes Fieber und fressen nicht mehr, andere haben geschwollene Gliedmassen oder eben Fruchtbarkeitsprobleme wie Fehlgeburten. Auf vielen Betrieben gebe es missgebildete Kälber, die nicht überlebensfähig sind und eingeschläfert werden müssen.
«Für die Betriebe kann die Krankheit einschneidend sein», führt der Tierarzt aus. «Die Kühe, die eine Fehlgeburt erleiden, erholen sich zwar meist von der Krankheit, sie geben dann aber oft keine Milch. Man müsste sie wieder besamen, gut neun Monate warten und hoffen, dass es mit dem nächsten Kalb klappt.»
Auf dem eingangs erwähnten Mutterkuhbetrieb fällt als Folge der Krankheit gut ein Drittel der Kälber weg. Und die Kühe hatten auch keine Milch, um ein fremdes Kalb zu versorgen. Dies zieht einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden nach sich. «Die obligatorische Seuchenversicherung zahlt aber nur, wenn die Tiere als Folge der Krankheit getötet werden müssen», erklärt die Landwirtin. Eine Versicherung, welche die toten Kälber entschädigen würde, habe sie nicht.
Tierarzt empfiehlt Impfung
Einen finanziellen Beitrag erhalten die Tierhalter an die freiwillige Impfung. «Ich komme eben von einem Betrieb, auf dem ich sämtliche Tiere geimpft habe», berichtet Unternährer. Unerwünschte Impfreaktionen habe er nirgends festgestellt. Er schätzt, dass mittlerweile 70 Prozent der Kunden ihre Tiere impfen lassen. «Die gravierenden Fälle, bei denen hoher Verlust entsteht, habe ich nur in ungeimpften Beständen festgestellt», sagt Unternährer. Um den erwünschten Schutz zu erreichen, muss ein Tier mehrfach geimpft werden. Dabei entstehen Kosten rein für den Impfstoff von über 40 Franken pro Tier. «Das ist nicht wenig. Aber die Schäden, die ohne Impfung entstehen können, sind um ein Vielfaches höher.» Angesteckt würden die Tiere vor allem im Sommer und Herbst, wenn viele Mücken fliegen. «Nebst der Impfung können die Tierhalter nicht viel tun, Mückenschutz ist schwierig», sagt der Tierarzt.
Auf dem Mutterkuhbetrieb sind mittlerweile auch alle Tiere geimpft. «Wir hoffen, dass die Krankheitsverläufe nun milder werden», erklärt die Bäuerin. Die letzten Geburten machen Hoffnung: «Es kamen gleich mehrere muntere Kälber auf die Welt.»