Ein paar Häuser und ein Eishockeyclub

Ein paar Häuser und ein Eishockeyclub
Die aktuelle Mannschaft des SC Ursellen – vor einer Fantasielandschaft, die so gar nicht an den Weiler mahnt. / Bild: zvg
Eishockey: Die Dichte an Eis­hockeyklubs im Emmental istbemerkenswert. Die kleinen Amateurvereine bilden das regionale Rückgrat des Sports. Ein Beispiel ist der SC Ursellen.

Ursellen ist nicht gross. Ein paar Häuser und der «Sternen», der nach einer kurzen Wiederbelebungsphase Ende Januar wieder dicht gemacht hat. Einheimische werfen ein, immerhin verfüge Ursellen über ein Schloss! Das stimmt natürlich, wobei – ohne jemandem zu nahe treten zu wollen – so imposant wirkt das Schloss jetzt auch wieder nicht.


Amateursport in Reinkultur

Was den Weiler wirklich ungewöhnlich macht; er verfügt über ein eigenes Eishockeyteam. Seit 1969 existiert der Sportclub Ursellen. Und obwohl er nie auch nur in die Nähe von nationaler Bedeutung gekommen wäre – regional ist er eine feste Grösse, die sich in der 3. Liga behauptet und in den letzten Jahren den einen oder anderen Höhenflug erlebt hat.  

Wie bei anderen Amateur-Sportvereinen, ist auch hier sehr viel Herzblut nötig, damit der Klub überhaupt existieren kann. Sowohl von den Spielern und ihren Familien wie auch von den Menschen im Hintergrund. Selbstredend erfüllen viele von ihnen Doppelfunktionen, so ist der Torhüter auch noch für die Anlässe zuständig, ein Stürmer kümmert sich um die
Social-Media-Kanäle, der Präsident steht als Trainer hinter der Bande und dessen Partnerin erledigt nebst der medizinischen Abteilung auch das Sekretariat. Nicht zu vergessen, dass alle auch noch einer Arbeit nachgehen.

 
Aus Spass am Eishockey

Die Region Konolfingen scheint ein gutes Pflaster für Eishockey zu sein. Gleich vier Klubs sind hier auf engem Raum ansässig: Die beiden Zweitligisten EHC Mirchel und SC Freimettigen sowie der SC Konolfingen und eben der SC Ursellen, beide 3. Liga.  Spielten die anderen Vereine bei der Gründung 1969 irgendeine Rolle? «Nicht wirklich. Damals gabs in Ursellen eine Natureisbahn und ein paar Jungs, die Spass am Eishockey hatten, gründeten den Klub», sagt Präsident und Trainer Andreas Liechti. Er selber ist seit 47 Jahren Mitglied. Schon früh, erzählt er, seien Auswärtige zum Klub gestossen. Immer wieder hatte Ursellen ehemalige Langnau-Junioren in seinen Reihen oder Spieler, die zuvor in höheren Ligen gespielt hatten. Dies hätte auch eine unangenehme Seite gehabt, so Liechti, denn wenn diese talentierten Spieler aufhörten, ging auch eine gute Portion Qualität verloren. So erlebte der SC Ursellen ein stetiges Auf und Ab, zeitweise spielte man in der 2. Liga, dann gings wieder runter in die 4. Liga. Seit der Saison 2015?/16 spielt man ununterbrochen in der 3. Liga, ist immer vorne dabei, hegt aber keine Ambitionen für einen Aufstieg.


Die Cup-Mannschaft

Die Erfolge des SC Ursellen lassen sich sehen. Von 2017 bis 2020 schloss man die Regular Season immer auf Rang 1 der Gruppe ab, 2018?/19 holte man sogar den Meistertitel Zentralschweiz. Nach der Pandemie gings im selben Stil weiter, der vierte Platz in der Saison 2024?/?25 und die damit verpassten Playoffs war die grosse Ausnahme. Heuer steht der SC Ursellen nach Beendigung der Regular Season auf Platz 2 der Tabelle. Am Samstag startet er gegen Münchenbuchsee in den Playoff-Achtelfinal, am kommenden Mittwoch steigt in Worb das Rückspiel.

Doch das ist noch nicht alles.
«Ursellen ist eine Cup-Mannschaft», sagt Andreas Liechti und in seiner Stimme ist eine Prise Stolz zu erkennen. «Seit 2017 haben wir den Interkantonalen Cup KBHEV fünf Mal gewonnen, so auch letztes Jahr». Der Cupwettbewerb des Kantonalbernischen Eishockey-Verbands wird jährlich von den Teams der 3. und 4. Liga bestritten, vergangenes Jahr haben 41 Mannschaften teilgenommen.


Als St. Petersburg nach Worb kam

Eishockey ist ein kostspieliger Sport. Es ist gang und gäbe, dass die Spieler der Amateurvereine pro Saison einen vierstelligen Betrag bezahlen müssen, um überhaupt dabei sein zu können. Damit sind die Kosten für gebrochene Stöcke, neue Kufen oder Ausrüstungsteile noch nicht gedeckt, auch da muss jeder Spieler in die eigene Tasche greifen. Das ist auch beim SC Ursellen nicht anders. Der Verein übernimmt unter anderem die Kosten für die Eismiete. Trainiert und gespielt wird im Wislepark in Worb. «Eine Stunde Eis kostet den Verein 350 Franken, pro Saison kommen so etwa 30´000 Franken nur für die Eismiete zusammen», sagt Liechti. Früher hätten sie einen Teil dieses Geldes mit dem «Urselle-Fescht» reinholen können, doch diese Zeiten sind vorbei. «Irgendwann hat es einfach nicht mehr rentiert, vom Aufwand ganz zu schweigen. Und ehrlich gesagt ging es mir auch gegen den Strich, dass sich eine Sportmannschaft mit dem Verkauf von Alkohol finanziert.» Doch er fand einen anderen Weg. 2013 organisierte der SC Ursellen im Wislepark ein Testspiel zwischen den beiden KHL-Teams SKA St. Petersburg und Barys Astana. Für Eishockey-Gourmets ein einmaliges Erlebnis, konnte man doch dem SKA St. Petersburg, mit Ilya Kovalchuk und einem gewissen Roman Cervenka in seinen Reihen, in einer kleinen Halle bei der Arbeit zusehen. Nach diesen guten Erfahrungen wurde jeweils in der Vorsaison ein Spiel organisiert. Der SC Bern gegen die SCL Tigers in Worb, oder auch mal der EHC Biel gegen die Tigers in Huttwil. So konnte sich der SC Ursellen ein kleines Polster zulegen und der Fortbestand war gesichert.


Eine verschworene Truppe

Möglich war das alles wegen Liechtis guten Kontakten bis in die höchsten Sphären des Schweizer Eishockeys. Doch diese Quelle ist unterdessen versiegt, die Profiklubs wollen nicht mehr in Worb spielen, weil die Banden zu hart seien. Was für St. Petersburg gut genug war, scheint für die National-League-Teams ein unüberwindbares Hindernis zu sein.  

Der kleine 3.Liga-Klub geht weiterhin seinen Weg. Zusammen mit vier anderen Vereinen ist man an der Nachwuchsorganisation HC Wisle beteiligt, dort werden auf den Stufen U9 bis U21 die Junioren ausgebildet.

Andreas Liechti hebt hervor, was ihm wichtig scheint: «Der SC Ursellen ist eine grosse Familie. Das bezieht sich nicht nur auf die Mannschaft, sondern auch auf die Partnerinnen und Kinder der Spieler und den Staff. Sowas findet man heutzutage nicht mehr häufig.» Es hat ja auch nicht jeder Weiler ein Schloss und schon gar nicht einen SC Ursellen.

12.02.2026 :: Busche Frei (fbw)