Tipps zur schmucken Tracht

Tipps zur schmucken Tracht
Auf die Details kommt es an: Das Göller wird mit der Brosche durch dafür vorgesehene Schlaufen geschlossen. / Bild: Rebekka Schüpbach (srz)
Zollbrück: Wie pflegt man eine Tracht und dessen Zubehör? Und auf was kommt es beim Anziehen der Tracht genau an? In einem Kurs der Bernischen Trachtenvereinigung bekam man viele Tipps und Antworten zum Thema.

«Ich bin völlig überwältigt von der Anzahl Leute, die heute gekommen sind», begrüsste Danielle Zaugg, Geschäftsleitungsmitglied des Bernischen Trachtenvereinigung, die Teilnehmerinnen und den einen Teilnehmer des Kurses. Über 50 Trachtenbegeisterte wollten mehr über die Pflege des geschichtsträchtigen Kleidungsstückes erfahren. Eine erste Ahnung über die vielen Facetten rund um die Pflege von Trachten bekamen die Anwesenden schon beim Anblick des langen Tisches voller Pflegeprodukte: Da war alles zu finden – von der Kleiderbürste, über ein Arsenal von Waschmitteln, Stärke und Fleckenentferner bis hin zu Mottenkugeln und Schuhwichse. Einige modern, andere vielleicht noch aus Grossmutters Schrank bekannt.

Die beiden Kursleiterinnen, Marianne Gnägi aus Grindelwald und Jrene Burk­halter aus Affoltern, sind erfahrene diplomierte Trachtenschneiderinnen und kennen sich in der Materie bestens aus. «Es gibt nämlich nicht nur einfach ein paar Trachten», stellte Marianne Gnägi klar: «Im Kanton Bern sind 71 verschiedene Frauentrachten und 38 Männertrachten bekannt.» Wie diese aussehen und woher sie stammen, kann man im Buch «Unsere Berner Trachten» nachlesen. Die Schweizerische Trachtenvereinigung schenkt sich zu ihrem 100-jährigen Bestehen ein neues Schweizerisches Trachtenbuch. Das Buch kommt im Juni 2026 auf den Markt.


Schichtweise zur Festtagstracht

Was eine Tracht ausmacht und was beim Anziehen beachtet werden muss, demons­trierten die Kursleiterinnen anhand einer einfachen Berner Festtagstracht – mit Jrene Burkhalter als Model. Zuerst erschien diese in unschuldigem Weiss: Unterhemd, lange, bequeme Trachtenhose, die bis übers Knie reicht, sowie gestrickte, weisse Kniesocken. «Wichtig ist», sagte Marianne Gnägi dazu, «dass an den Beinen keine nackte Haut mehr zu sehen ist – auch beim Tanzen nicht!» Es folgte der Unterrock mit all seinen Vorteilen: Er sorgt für die richtige Form, kaschiert so einiges und ist die schützende Schicht zwischen Haut und der pflegeintensiveren Tracht. Das gestärkte Trachtenhemd rundet die zweite Schicht ab. Nun folgt der schwarze Kittel, das Samtmieder und dazu die Schürze aus Seidendamast  oder Changeant-Taffet, sowie um die Schultern das «Göller» – ebenfalls aus Samt. Daran wird der Filigransilberschmuck befestigt, die Brosche in der Mitte schliesst das Göller. «Da müsst ihr mit der Nadel durch diese und diese Schlaufe fahren», demons­trierte Gnägi. Ein Raunen erfüllte den Saal: Schlaufen? «Kannst du das noch mal zeigen?», wird die Kursleiterin gebeten. Einige stachen nämlich bisher mit der Nadel direkt durch den dicken Samt des Göller. Das ist zwar nicht falsch, aber etwas riskanter für den Stoff, die Broschen-Nadel und wegen der Nähe zum Hals. Für sie sei dies stets ein Adrenalinkick gewesen, erzählte eine Zuschauerin lachend ihrer Kollegin.


Unechter Schmuck hat auch einen Wert

Zwischendurch beantworteten die Leiterinnen immer wieder Fragen aus dem Publikum: Wie breit muss die Schürze sein? Gehört das Blumensträusschen zu einer Gotthelftracht? Jemand hat eine Tracht mitgebracht mit beschädigtem Samtmieder: «Hier könnt ihr sehen, was passiert, wenn man den Silberschmuck angenäht reinigt», mahnt die Leiterin. Das Silber müsse immer zuerst abgetrennt und separat in Seidenpapier aufbewahrt werden. Dessen Reinigung gehöre zwingend in professionelle Hände. Wie diese genau abläuft, erklärte Marion Geissbühler aus Konolfingen, Geschäftsleiterin des Atelier Geissbühler. Mindestens zwei Wochen bräuchten sie dazu und einiges an Handarbeit. Ausserdem spiele es preislich bei der Reinigung kaum eine Rolle, ob der Schmuck aus echtem Silber oder dem günstigeren Neusilber, also nicht echtem Silber, hergestellt worden sei. Neusilber müsse nämlich versilbert werden, damit der Schmuck wieder weiss glänzt. Dennoch lohne es sich, denn handle es sich dabei meistens um Erbstücke, die für die Trägerin oft einen emotionalen Wert haben. «Heute produzieren wir jedoch nur noch echten Filigranschmuck», versicherte Geissbühler.


Bügeln mit Armböckli

Produktiv war auch Jrene Burkhalter: Vor Ort bügelte sie während rund 20 Minuten ein vorgängig gestärktes Trachtenhemd, während Marianne Gnägi das Geschehen erläuterte. Etwas, das besonders bei den jungen Frauen im Saal auf Interesse stiess. Neu war einigen von ihnen beispielsweise die Verwendung eines sogenannten Armböcklis. Andere fühlten sich in ihrem bereits vorhandenen Wissen bestätigt oder konnten den einen oder anderen Tipp nach Hause nehmen zum Ausprobieren. So etwa die Fleckenentfernung mittels sogenannter Pfeifenerde. Oder, dass man Blutflecken aus dem eigenen Blut mit ei­genem Speichel entfernen könne. Oder das Wissen darüber, dass Wasserflecken auf dem Damastseidenschurz fast die schlimmsten Flecken und die Kalkrückstände vom Wasser kaum zu entfernen seien. Oder sie lernten, dass es seit kurzem auch orthopädische Trachtenschuhe gibt.

Obwohl der Abend wegen der vielen Fragen länger dauerte als geplant, wurde es nicht langfädig. Die Kursleiterinnen verstan­den es, dem Publikum im Saal des Restaurants Sternen, Neumühle, die Pflege einer Tracht unterhaltsam zu vermitteln. So war immer wieder mal ein Schmunzeln zu sehen oder ein Lachen zu hören. Und falls am nächsten Fest die Trachten besonders schön glänzen, wissen Sie jetzt auch warum.

12.02.2026 :: Rebekka Schüpbach (srz)