Der «Hätti» und der «Sötti» sind altbekannte Zeitgenossen. Fast nie singe ich «Falleri Fallera», wenn mir etwas
misslingt, ich schimpfe: «Hätti doch!» oder «Nächstes Mal ‹sötti› halt!» Aber bei der folgenden
Situation bin ich mir nicht
sicher, ob ich etwas anders hätte machen sollen, und ob ich somit einfacher rausgekommen wäre - aus meiner
Mutter - in diese Welt. Am 21. Januar 1989 habe ich das Licht der Welt
erblickt, im Spital Langnau. Da entstand der erste schwerwiegende Konflikt in mir. Als am Abend des 20. Januars
die Wehen losgegangen sind bei meiner Mutter, habe ich angefangen, mich quer zu stellen. Ich konnte mich diesem
Plan einfach nicht hingeben. Nein! Ich werde kein Steinbock!
Damit Sie das jetzt alle verstehen, müssen Sie Folgendes wissen: In der Nacht vom 20. auf den 21. Januar ändert sich
das Sternzeichen von Steinbock zu Wassermann, circa um 3.00 Uhr. Da ich an sich schon ein grosses Problem hatte mit
dem Planeten Erde, musste ich mich mit aller Kraft gegen den Wehen-Plan meiner Mutter wehren, der aus mir ein sehr
geerdetes Steinbock-Sternzeichen hätte machen wollen. In Panik habe ich mich im Bauch herumgedreht und zu den
Sternen geguckt. Um ganz sicher zu sein, da ich die Uhrzeit noch nicht kannte, war mein Plan, so lange wie möglich
in meiner Mutter zu bleiben. Ich will Wassermännin werden. Da aber das
Sternzeichen Wassermann trotz dem Wasser im Namen dem Element Luft entspricht, schaue ich nun auf einen wilden,
kreativen Luftibus-Lebenslauf zurück. Spätestens seit ich Mama geworden bin, entwischt es mir ab und zu: «Hätti
doch nur auf die Wehen meiner Mutter gehört. Was würde ich jetzt dafür geben, ein bisschen Erdung, ein bisschen
Ordnungssinn und Zielstrebigkeit.» Da höre ich schon wieder die strenge Stimme: «Tja, du hättest die Möglichkeit
gehabt, eine Steinböckin zu werden. Hättest halt aufs Mami hören sollen. Dann würde es
dir jetzt einfach fallen, die Zahnbürsten aller Familienmitglieder
immer ins richtige Becherchen zu tun, den Tag mit dem Kind zu strukturieren, einen Plan umzusetzen. Du hättest
jetzt von ganz alleine alles, was man so braucht, um auf dieser Erde in der Schweiz über die Runden zu
kommen.» Doch ab und zu höre
ich auch eine sanfte Stimme, die in mir zu singen scheint. Und dann vergesse ich das «Mise-en-place» beim
Kochen, singe beim Einkaufen, esse mit meiner Tochter im Badezimmer auf dem Boden, fliege mit
Luftballons von der Erde bis diese
platzen und anstelle von «Hätti» oder «Sötti», denke ich jetzt: Falleri Fallera!