Langnau: Eine Initiative will, dass künftig die Bevölkerung über das Baureglement abstimmen kann. Auslöser ist die geplante Überbauung auf dem Areal Bahnhof-Süd.
In Langnau entscheidet der Grosse Gemeinderat über das Baureglement, den Zonenplan und die Überbauungsordnungen. 2024 hat er das neue Reglement beschlossen. Armin Brunner, pensionierter Arzt, findet dieses Vorgehen grundsätzlich problematisch. «Die Bürgerinnen und Bürger sollen mitbestimmen können, denn das Baureglement ist entscheidend dafür, wie sich das Dorf künftig entwickelt», sagt er. Zudem sei es seiner Meinung nach für Aussenstehende immer schwieriger geworden, bei Bauprojekten Einfluss nehmen oder die Prozesse überhaupt nachvollziehen zu können. Aus diesem Grund lanciert Brunner nun eine Initiative, die fordert, dass das Baureglement künftig der Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt wird. Der Initiativtext geht sogar noch einen Schritt weiter. Er verlangt, dass auch das 2024 beschlossene Baureglement nachträglich vors Volk kommt. «Das ist möglich, weil das Reglement zwar erlassen, vom Kanton aber noch nicht in Kraft gesetzt wurde», erklärt Brunner. Doch auch wenn die Initiative mit den notwendigen 400 Unterschriften zustande kommt - der Grosse Gemeinderat wäre lediglich berechtigt, nicht aber verpflichtet, diesem Anliegen zu folgen.
Auslöser Überbauung Bahnhof Süd
Die Initiative kommt nicht aus dem Nichts. Hintergrund ist die geplante Überbauung Bahnhof-Süd. «Diese Überbauung wird das Dorfbild wesentlich verändern», sagt Brunner. Besonders die vorgesehenen Gebäudehöhen passen seiner Meinung nach nicht zu Langnau. Das Projekt ist seit Jahren in Planung, der Baustart soll noch dieses Jahr erfolgen. Es gab einen Architekturwettbewerb, Mitwirkungen sowie Einsprachemöglichkeiten. Auch nachdem der Grosse Gemeinderat 2021 die ZPP Bahnhof-Süd einstimmig genehmigt hat, hätte das Referendum ergriffen werden können.
Weshalb also erst jetzt die Initiative? Armin Brunner verweist auf eine Mitwirkungsveranstaltung im Jahr 2017. Damals hätten zahlreiche Teilnehmende Bedenken geäussert. «Die Entwicklung des Projekts hat dann gezeigt, dass die Gemeindebehörden diesen Bedenken nicht Rechnung getragen haben.» Diese Erfahrung sowie zahlreiche Reaktionen aus dem Dorf hätten ihn dazu bewogen, doch noch aktiv zu werden. Dass die Initiative das Projekt nicht verhindern wird, ist Brunner bewusst. «Ich hoffe aber, dass eine grosse Zahl an Unterschriften den Druck erhöht, die Höhe der Gebäude nochmals zu überdenken.» Zudem gehe es ihm aber auch darum, dass es künftig bei vergleichbaren Projekten anders laufe.