Martin Neckar bei seinem National-League-Debut für die SCL Tigers am letzten Mittwoch auswärts in Ajoie. / Bild: Peter Eggimann (ped)
SCL Tigers: An Olympischen Spielen werden immer wieder märchenhafte Geschichten geschrieben. Eine davon handelt von Martin Neckar, dem SCL Tigers-Torhüter.
In zwei Wochen beginnen die Olympischen Winterspiele Milano/Cortina 2026. Je näher die Eröffnungszeremonie rückt,
desto mehr realisiert der erst 20-jährige Martin Neckar, dass für ihn die Teilnahme am bedeutendsten aller
Sportanlässe Wirklichkeit ist. Video-Konferenzen mit den Verantwortlichen der französischen Nationalmannschaft
holten ihn Schritt für Schritt aus seinem Traum. «Wir wurden informiert über den Treffpunkt des Teams in Paris und
den Weiter-flug nach Mailand», erzählt er. «Oder wann und wo wir die Olympia-Bekleidung der ‹Equipe de France›
abholen können.» Ein Thema seien auch die obligatorischen Dopingtests aller Olympia-Teilnehmer, die Unterkünfte im
Athletendorf oder die Trainingspläne in den Tagen bis zum Turnierbeginn gewesen. «Diese und andere Informationen
zeigten mir so richtig, was für Dimensionen Olympische Spiele eigentlich aufweisen. Es gibt nichts Grösseres.»
Neckar gegen Schmid?
Auch in sportlicher Hinsicht lernt Martin Neckar eine ihm bisher unbekannt gewesene Eishockeywelt kennen. Erstmals
seit 2014 in Sotschi unterbricht die NHL ihre Meisterschaft, damit die Ausnahmekönner aus der weltbesten Liga am
Olympiaturnier teilnehmen können. Die Franzosen spielen in der Gruppe A gegen die Schweiz, Tschechien und Kanada.
«Nationalcoach Yorick Treille hat im Rahmen einer Video-Konferenz erklärt, dass jeder der drei Torhüter, Julian
Junca, Antoine Keller und ich, in einem der drei Vorrundenspiele eingesetzt würden», sagt Martin Neckar. Wenn dieser Plan eingehalten wird,
stellt sich die Frage, gegen wen der junge Tigers-Goalie seine Chance erhält. Gegen Kanada? Dann kommen die
Topskorer nicht mehr aus der Swiss League und heissen Jakob Stukel (Basel), Samuel Asselin (Sierre) oder Toms
Andersons (La Chaux-de-Fonds), sondern aus der NHL und heissen Sidney Crosby (Pittsburgh), Connor McDavid
(Edmonton) oder Nathan McKinnon (Colorado). Gegen Tschechien? Dann sind es Martin Necas (Colorado), David
Pasternak (Boston) oder die in der Schweiz bestens bekannten Roman Cervenka (Pardubice), Matej Stransky (Davos)
und Dominik Kubalik (Zug). Oder gar gegen die Schweiz mit Roman Josi (Nashville), Kevin Fiala (Los Angeles),
Nico Hischier (New Jersey) und Nino Niederreiter (Winnipeg)? Denkbar ist auch das erste Gruppenspiel zwischen
Frankreich und der Schweiz mit dem Direktvergleich von zwei in der Organisation der SCL Tigers ausgebildeten
Goalies - Martin Neckar und Akira Schmid (Las Vegas).
Einer der Jüngsten
Martin Neckar ist mit 20 Jahren einer der jüngsten Teilnehmer am olympischen Eishockeyturnier und der einzige
Torhüter, der nicht regelmässig in einer der höchsten europäischen und nordamerikanischen Ligen spielt - Neckar ist
seit letzter Saison an den EHC Chur ausgeliehen (siehe Kasten). Allein 22 der 36 für Olympia gemeldeten Goalies
stehen bei NHL-Klubs unter Vertrag. Für die Franzosen sind die Olympischen
Spiele der Höhepunkt dieser Saison. An der WM in Zürich und Fribourg im Mai werden sie nach dem Abstieg aus der
A-Gruppe im vergangenen Frühjahr nicht teilnehmen können. Aber Martin Neckar blickt schon vier Jahre voraus:
«2030 werden die Winterspiele in Nizza und den französischen Alpen ausgetragen. Da will ich dabei sein. Olympia
im eigenen Land, das erlebt man nur einmal im Verlauf einer Karriere.» Zum letzten Mal haben sich die Franzosen
2002 für das Olympische Eishockeyturnier qualifiziert. Da war Martin Neckar noch gar nicht auf der Welt.
Goalie-Trainern viel zu verdanken
Bereits als Vierjähriger begann er in Dijon seinem Vater Frantisek nachzueifern. «Er war Torhüter und ich wollte
einmal so werden wie er.» Mit 12 kam er in die Schweiz, mit dem Vater als Torhütertrainer zu La Chaux-de-Fonds. Mit
15 wechselte er dann zu den SCL Young Tigers, seinem wichtigsten Ausbildungsklub. «Der Slowake Dusan Sidor sowie die
beiden Schweden Viktor Alm und William Rahm waren und sind meine Goalietrainer», sagt Martin Neckar. «Ihnen und
meinem Papa verdanke ich sehr, sehr vieles.» Neckars bester Freund ist seit den
gemeinsamen Anfängen in Dijon kein Geringerer als der ein Jahr ältere Antoine Keller. Die beiden rivalisierten
sich regelmässig in den französischen Junioren-Nationalteams, an U18- und U20-WMs, bei A-Länderspielen und jetzt
bei Milano/Cortina 2026. Wie Neckar wurde auch der Ajoie-Keeper Antoine Keller, ein Siebtrunden-Draft der
Washington Capitals, für die Winterspiele aufgeboten. Eine
weitere märchenhafte Geschichte, geschrieben von Olympischen Spielen.