An der Musikschule Oberemmental geben bald Musikpädagogik-Studierende Unterricht. / Bild: Daniel Schweizer (sdl)
Langnau: Die Hochschule für Künste Bern und die Musikschule Oberemmental lancieren ein
praxisnahes Projekt: Studierende unterrichten während des Studiums an der Musikschule.
Die Hochschule der Künste Bern HKB und die Musikschule Oberemmental gehen neue Wege in der Musikpädagogik. Mit ihrem Pilotprojekt «praxisnah und immersiv studieren» starten die beiden Partner ein neues Ausbildungsmodell. Dieses schweizweit neue Modell vereint Studium und Musikschulpraxis; Studium und realer Musikschulalltag werden darin systematisch verbunden.
Ab dem Herbstsemester 2026?/?27 werden Studierende ihr gesamtes viersemestriges Musikpädagogik-Masterstudium eng mit der Unterrichtspraxis an der Musikschule Oberemmental verknüpfen. Der Pilot, er umfasst die Studiengänge klassische Musik und Jazz, wird von einer Forschungsabteilung der HKB wissenschaftlich begleitet. Damit soll die Praxistauglichkeit des Projekts für den Einsatz an anderen Musikschulen verifiziert werden.
Die Pensionierungswelle kommt
Für Rico Gubler, Leiter Fachbereich Musik an der HKB, liegen die Vorteile auf der Hand. «Der Praxisbezug an der HKB wird verstärkt. Mit dem durchgehenden Praktikum erfolgt eine optimale Einbindung ins Musikschulleben.» Gleichzeitig könne damit auch dem Mangel an Lehrpersonen begegnet werden. «Denn es kommt eine Pensionierungswelle auf uns zu, die auf dem Land noch ausgeprägter ausfällt.» Mit diesem innovativen Projekt solle der ländliche Raum zusätzlich gestärkt werden. Zudem wolle man im Rahmen dieses Modells einen erleichterten Zugang für Kinder aus Familien mit beschränktem Budget ermöglichen.
Nutzen fürs Oberemmental
Die Idee, so Ueli Kipfer, Musikschulleiter der Musikschule Oberemmental, sei aus der täglichen Praxis entstanden. «Wir kennen die Anforderungen an die Ausbildung, die qualitativ hochstehend und in der Region verankert sein muss.» Die für das Projekt sorgfältig ausgewählten Studierenden würden für das Masterstudium einen Arbeitsvertrag mit der Musikschule unterschreiben. Von ihnen sollen drei bis fünf Musikschülerinnen und Musikschüler unterrichtet werden. Alle Praktikumseinheiten würden an der Musikschule durchgeführt, die Studierenden ins Kollegium eingebunden. Begleitet würden sie von Dozenten für Fachdidaktik und von Praxislehrpersonen.
Auch Reto Inäbnit, Geschäftsführer des Verbands Berner Musikschulen, weist auf die Bedeutung dieses Projekts hin. An 28 Musikschulen im Kanton Bern würden 19´500 Schülerinnen und Schüler von rund 1000 Lehrpersonen unterrichtet. Viele arbeiteten im Teilpensum und seien an mehreren Musikschulen tätig. «So machen sie Werbung für das Projekt, tragen das erworbene Wissen und diese neue Erfahrung weiter», ist Inäbnit überzeugt.