Wenn Käselaibe mit Supergold prämiert werden

Wenn Käselaibe mit Supergold prämiert werden
Eine Emmentaler Fuhre vom Bolzisberg transportiert Käselaibe mit Pferd und Wagen. / Bild: Roth-Stiftung Burgdorf
Sumiswald: Das Emmental ist seit 200 Jahren ein Käseland. Das zeigten auch die World Cheese Awards 2025, wo Mauerhofers «Bergsommer» mit Supergold ausgezeichnet wurde.

Seit vor 200 Jahren Tal- und Dorf­käsereien entstanden, ist das Emmental ein Käseland. Der Emmentaler kämpft zwar mit Absatzproblemen, doch Spezialitäten aus der Region gehören zu den weltbesten. Das zeigten auch die World Cheese Awards 2025 wieder. Aus 40 Ländern wurden über 5000 Käse zum Vergleich nach Bern gebracht. Der Greyerzer von Pius Hitz der Bergkäserei Vorderfultigen im Gantrischgebiet wurde Weltmeister. Wie so oft an den Awards waren hiesige Käser erfolgreich, es gab Supergold für den Gabelspitz-Emmentaler aus Röthenbach und den «Bergsommer», der von Fromage Mauerhofer in Sumiswald mit Chasselas affiniert wird. Das bedeutet, dass die Laibe von Hand geschmiert werden – hier mit edlem Chasselas-Weisswein von Martin Hubacher aus Twann, Schweizer Winzer des Jahres. Dank der monatelangen Pflege soll der Käse eine besondere Note gewinnen.


Kühe, Schafe und Geissen

Der prämierte Käse stammt von der Bergkäserei Hüpfenboden in Trubschachen. Der Name «Bergsommer» erklärt den Leckerbissen. Es handelt sich um Bergkäse aus Rohmilch, traditionell auf über 1000 Metern über Meer im Sommer hergestellt. «Ein Käse aus Bergblumenmilch», schmunzelt Michael Fankhauser von Froma-ge Mauerhofer. Er schwärmt vom Engagement des Meisterkäser-Paares Bernhard Meier und Marlies Zaugg, das den ausgezeichneten Käse pro-duziert. Dann zeigt er den jahrhundertalten, natürlich gekühlten Sandsteinkeller in Sumiswald, wo der
goldige Käse bis zu einem Jahr reift. «Die Natur bestimmt, wie viel wir produzieren», erklärt Michael Fankhauser. Mit «Bergheu» wird eine würzige Wintervariante angeboten, die von Dezember bis Februar aus Heumilch entsteht.

Das Sortiment im kühlen Keller ist auch sonst spektakulär: Weiche und harte Kuhmilchkäse vom Brie d´Imier über den Zigerklee bis zum Gran Ticino liegen neben dem Emmental du Terroir, einem der wenigen Emmentaler Käse, die noch wirklich im Ursprungsgebiet entstehen, bei Fritz Baumgartner von der Bergkäserei Trub, 2024 ebenfalls Goldmedaillengewinner beim World Cheese Award.Dazu kommen Schaf- und Ziegenmilchkäse von Fromage Mauerhofer. Sie widerlegen alle Vorurteile gegenüber dem kleineren Vieh, das die Landwirtschaft einst prägte. Das Alpschaf stammt aus dem Waadtland wie auch der Brebin (Wortspiel für Brebis-rin, Schafvacherin), ein Halbhartkäse, der auf der Zunge zergeht. Pilger­schaf heisst ein fruchtiger Schafkäse vom Napf und  der Chèvre rouge aus dem Berner Jura ist ein Rotschmier-Ziegenkäse aus der Milch schneeweisser Saanengeissen.


Export in die ganze Welt

Wer sich durch Mauerhofers Sortiment klickt oder probiert, staunt, dass die Firma mit «Seit 1770» wirbt, aber erst 2017 gegründet wurde. Die beiden Initianten berufen sich auf den historischen Johannes Mauerhofer. Dieser war in der Heimweberei und dem Tuchhandel tätig, begann aber 1770 mit Käse. Er exportierte ihn als Pionier in die ganze Welt, von Russland über die Vereinigten Staaten bis nach Chile, damals noch ohne Auto- und Eisenbahntransporte. Als die Dorfkäsereien aufkamen, gaben Mauerhofers das Leinwandgeschäft auf. Die Nachfahren machten im 19. Jahrhundert mit anderen Käsehandelsfamilien der Region wie Lemann, Roth, Probst oder Joost den Käse zu einem Hauptexportprodukt der ländlichen Schweiz.

Hier setzten Curdin Janett und Michael Fankhauser an, als sie vor neun Jahren die Marke Mauerhofer wiederbelebten. Beruflich hatten sie zuvor kaum Kontakt mit Käse. Curdin Janett war in der Kommunikation tätig, Michael Fankhauser im Marketing. Als er in den Vereinigten Staaten Schweizer Uhren promotete, fehlte ihm im Alltag der gute Käse.


Dorfkäsereien erhalten

Die Leidenschaft für einheimische Produkte führte die beiden Geschäftsleute zusammen und zur Absicht, die Dorfkäsereien in der Schweiz erhalten zu helfen. Mit lokalen Partnern kreieren sie Käse «wie vor hundert Jahren», sagt Fankhauser, «aus frischer Rohmilch, von Tieren in Hof- und Weidehaltung, gefüttert mit Gras und Heu.» Die Spezialitäten werden im Sumiswalder Keller von Hand gepflegt, unterschiedlich affiniert und gereift. Auch der Käsekeller sei ein Glücksfall, meint Fankhauser. Kathrin und Ulrich Kühni konnten in Sumiswald das 200-jährige Stettlerhaus von der Gemeinde erwerben und umbau­en. Als erstes zog eine Tierarztpraxis ein und eine Markthalle verkauft eine Vielfalt von Regionalprodukten, während Fromage Mauerhofer den Käsekeller ausgestattet hat. Dort liegt nun wieder der Duft von «Chäs wie früecher» in der Luft.

08.01.2026 :: Karl Johannes Rechsteiner (kjr)